Produktion

Henning Windelband: Das "Conni-Versprechen"

Das Kinodebüt von Youngfilms, "Meine Freundin Conni - Geheimnis um Kater Mau", startet am 2. Juli. Mit Blickpunkt:Film sprach Produzent und Geschäftsführer Henning Windelband u.a. über die Herausforderung der Adaption der populären Marke.

05.06.2020 12:30 • von Heike Angermaier
Henning Windelband (Bild: Youngfilms)

Henning Windelbands Kinodebüt mit seiner Firma Youngfilms, Meine Freundin Conni - Geheimnis um Kater Mau", startet am 2. Juli. Mit Blickpunkt:Film sprach der Produzent und Geschäftsführer u.a. über die Herausforderung der Adaption der populären Marke und den Start nach dem Corona-Lockdown.

Mit Youngfilms arbeiteten Sie bereits vor über zehn Jahren an der TV-Serie Meine Freundin Conni" nach der populären Kindermarke des Carlsen Verlag. Wann entstand die Idee für einen Kinofilm?

Henning Windelband: Die Idee zu einem "Conni"-Kinofilm entstand schon sehr früh, vor rund zehn Jahren. Nachdem wir die erste Staffel der TV-Serie fertig gestellt hatten und diese von den kleinen Zuschauerinnen und Zuschauern richtig toll angenommen wurde. Wir entschieden uns dann jedoch zunächst, die zweite Staffel zu produzieren, die 2015 auf Sendung ging. Danach haben wir ein gutes Jahr lang nach einer passenden Story gesucht, bis wir uns sicher waren, diese gefunden zu haben. Wir reden also von einem Zeitraum für Entwicklung, Finanzierung bis zur Fertigstellung von gut fünf Jahren.

Was war Ihnen bei der Adaption in eine lange und die Leinwand füllende Geschichte besonders wichtig?

Henning Windelband: Wie Sie sicherlich wissen, basieren die Geschichten aus der Serie und den Buchvorlagen immer auf den alltäglichen Abenteuern eines Kindes im Kindergarten- bzw. Vorschulalter. Das bedeutet, alles was wir erzählen und zeigen muss für die Kinder nachvollziehbar und auch erlebbar sein. Nun haben wir in der Serie ja schon sehr viel erlebt. Vom Schwimmen lernen bis zum Zahnarzt gehen, Reiten und Ski fahren. Es sollte also etwas ganz Neues her. Wichtig war uns weiterhin, das "Conni-Versprechen", wie wir es nennen, zu halten. Eine Geschichte zu erzählen, die spannend und lustig ist, dabei aber immer den Eindruck hinterlässt: "Das könnte ich auch erleben". Kino ist ja immer etwas größer als das wahre Leben, doch die besondere Herausforderung war es, nicht zu übertreiben. Keine Zauberwesen, Drachen, Dinosaurier, keine Sterne, die vom Himmel fallen. Wir wollten behutsam vorgehen, nicht zu gruselig, nicht zu langweilig, nicht zu kompliziert und das alles für Kinder tatsächlich erlebbar. Und ich glaube, das ist uns wirklich ganz prima gelungen.

Wie eng arbeiteten Sie bei der Entwicklung und Umsetzung mit Carlsen zusammen?

Henning Windelband: Der Carlsen Verlag geht mit Conni sehr behutsam und sensibel um. Frank Kühne vom Carlsen Verlag achtet darauf, dass Conni nicht "verheizt" wird. So haben wir gerade in der Entwicklungsphase des Drehbuches, sehr lange gemeinsam mit Carlsen über die richtige Grundidee diskutiert. Ansonsten hatten wir freie Hand beim Schreiben und auch in der Produktion. Das Vertrauen zwischen Carlsen und Youngfilms ist durch die jahrelange und erfolgreiche Zusammenarbeit glücklicherweise recht hoch. Durch die zehn Jahre intensiver Arbeit mit Conni haben wir ein sehr gutes Gefühl dafür entwickelt, was die Conni-Fangemeinde so mag. Zusätzlich kamen aus dem Verlag gute Hinweise, zum Beispiel auf sich ändernde gesellschaftliche Entwicklungen, die wir gerne aufgenommen haben.

Wie fanden Sie Ihre Produktionspartner? Wie war es, Ihr erstes Kinoprojekt zu wuppen?

Henning Windelband: Mit der B.Water, dem Animationsstudio von Dirk Hampel, haben wir ja schon sehr erfolgreich für die TV-Serie zusammengearbeitet. Da war es natürlich klar, an die gute Zusammenarbeit anzuknüpfen. Die B.Water hat schon viel Erfahrung bei Kinoproduktionen, so fühlten wir uns dort gut aufgehoben. Nach dem Motto "Wenn Du suchst, wirst Du auch finden", kamen im weiteren Verlauf der Finanzierung dann die Produktionspartner wie die Traumhaus in Erfurt, die irischen Kollegen Telegael und die Senator Filmproduktion mit ins Spiel. In der Wild Bunch Germany fanden wir einen wirklich tollen Verleih, der uns super unterstützt und uns den Rücken gestärkt hat. Dankenswerter Weise erhielten wir Förderung von der MDM, der Film- und Medienstiftung NRW, der FFA, dem DFFF und der irischen Filmförderung und konnten dann richtig durchstarten.

Inwieweit wirkte sich die Corona-Krise auf die Fertigstellung von "Conni" aus?

Henning Windelband: Nun, wir hatten das Glück, dass wir mit unserer Produktion schon recht weit waren als es los ging. Trotzdem hat uns die "Hochphase" voll in der Postproduktion erwischt. Wir haben sehr schnell reagiert und Maßnahmen ergriffen, die uns in die glückliche Situation brachten, weiter machen zu können. Das Team konnte zum größten Teil aus dem Homeoffice zuarbeiten. Da wir nicht mehr zusammen sitzen durften, mussten für jede Abnahme Datenfiles verschickt werden, die wir uns hier in Hamburg auf extra angemieteten high-end Monitoren anschauten. Genauso ging es mit der Tonmischung. Rechtzeitig zur Lockerung der Kontakt- und Reisebeschränkung konnten wir dann den Film finalisieren. Das bedeutete, drei Tage lang mit Mund- und Nasenbedeckung im Studio sitzen und konzentriert arbeiten. Am Ende waren wir alle doch mächtig stolz, dass wir Conni sicher durch die Krise gebracht haben.

Wie haben sich die erwähnten Maßnahmen auf die Kosten ausgewirkt?

Henning Windelband: Natürlich hatten wir durch die zusätzlichen Maßnahmen auch unvorhergesehene Kosten, die sich auf das Budget auswirken. Wir Hanseaten sind ja für unsere zurückhaltende und unaufgeregte Art bekannt. So sprechen wir nicht über Geld und beschweren uns nicht. Wir ziehen es durch und bringen unsere Projekte zu einem guten Ende. Über den Rest herrscht vornehmes Schweigen.

Welche Erwartungen haben Sie an den Kinostart? Fürchten Sie nicht, dass Eltern wegen gesundheitlicher Bedenken den Kinobesuch meiden könnten?

Henning Windelband: Da habe ich überhaupt keine Bedenken. Ich war immer davon überzeugt, gerade mit "Conni", den "Kino-Neustart" zu beginnen. Jeder hat natürlich so seine ganz subjektive Sicht auf die aktuelle, besondere Situation. Meine Sicht ist grundsätzlich immer positiv. Sehen Sie, wir haben viel Kontakt zu Eltern mit Kindern aus vielen Altersgruppen. Einige Familien haben wirklich eine sehr herausfordernde Zeit hinter sich. Anders als sonst sind Eltern und Kinder an Zuhause gebunden, konnten nicht raus, sich mit Freunden treffen, draußen herumtoben. Nun ist die Zeit da, endlich wieder raus zu dürfen. Wer wünscht sich das nicht sehnlicher als gerade junge Familien. Nun kommen auch noch die Sommerferien und viele Familien werden wohl den Sommerurlaub eher Zuhause oder deutlich verkürzt verbringen. Da ist doch der "Conni"-Kinofilm DIE willkommene Abwechslung und eine tolle Gelegenheit für die ganze Familie, mal wieder gemeinsam etwas zu erleben. Christoph Liedke von Wild Bunch und das Team von Central Film haben übrigens in diesem Kontext intensive Gespräche mit den Kinobetreibern geführt. Das Gesundheitskonzept der Kinobetreiber ist absolut solide, gut durchdacht und auch realisierbar. Ich bin sehr glücklich, das Wild Bunch genauso mutig wie entschlossen ist, mit "Conni" zu helfen, wieder zurück in die Normalität zu finden. Dazu gehört auch das gemeinsame Kinoerlebnis.

Wie sieht es mit der internationalen Auswertung aus?

Henning Windelband: Die TV-Serie wurde bisher überraschend gut im Ausland angenommen. Die kleine Conni erfreut die Kinderherzen von Europa, über den Nahen Osten bis hin zu Korea oder China. Aus diesem Grunde haben wir unseren Kinofilm auch gleich in englischer Sprache produziert, um für den internationalen Markt bereit zu sein. Für den deutschsprachigen Raum haben wir natürlich eine deutsche Sprachversion umgesetzt und das alles insgesamt mit mindestens so viel Liebe zum Detail wie auch schon bei der Serie.

Entwickeln Sie eine Fortsetzung zu "Meine Freundin Conni"?

Henning Windelband: Das kann ich mit einen klaren Ja beantworten. Wer Conni sagt, sagt auch Youngfilms. Wir sind ein Team wie Pech und Schwefel und werden noch viele gemeinsame Abenteuer erleben. Ich freue mich drauf.

Gab bzw. gibt es die Überlegung, eine Realfilm- bzw. Serienadaption der jungen Conni - ähnlich wie bei "Conni & Co." - anzugehen?

Henning Windelband: Nein, solche Ideen gab und gibt es nicht. Wissen Sie, unsere original Conni hat ihren Ursprung in sehr liebevoll illustrierten Büchern. Für mich war immer wichtig, diesen Ursprung niemals aus den Augen zu verlieren. Das Design der Serie sollte auch optisch so gut wie möglich an die Bücher erinnern. Für den Kinofilm haben wir das Design an die heutigen Sehgewohnheiten angepasst und eine neue, modernere Conni geschaffen. Sie ist aber immer noch ganz eindeutig mit der Conni aus den Bücher vergleichbar und wiedererkennbar. Man muss behutsam mit der Marke umgehen, um ihr keinen Schaden zuzufügen. Wissen Sie noch unser "Conni-Versprechen"? Wir bleiben in der liebevollen, fröhlichen und animierten Conni-Welt, so wie die Kinder sie kennen und lieben.

Mit u.a. Anna rettet Weihnachten" bereiten Sie weitere Kinofilme vor, mit u.a. "The Mars Project" und "Finstersteins" weitere Serien. Wie ist der Status der Projekte?

Henning Windelband: Alle weiteren Projekte befinden sich in unterschiedlichen Entwicklungsstufen. Von intensiven Drehbucharbeiten bis zu aktuellen Verhandlungen mit Sendern. Eine der großartigsten Science-Fiction Sagas, nach den Romanvorlagen von Andreas Eschbach, entwickeln wir gerade gemeinsam mit der französischen Wild Bunch-TV. Dazu kommt noch die Entwicklung von zwei weiteren Animation-Serien: "Johnny Sinclair" nach den Büchern von Sabine Städing und "Night Cat", eine sensationelle Idee der Regisseurin Jessica Drechsler.

Wie sehen Sie ihre Firma im allgemeinen und angesichts der schwierigen Lage durch Corona auch für die Zukunft aufgestellt?

Henning Windelband: In Zukunft werden alle Youngfilms-Projekte international ausgerichtet sein. Sowohl inhaltlich, als auch in der Zusammenarbeit. In Bezug auf die Corona-Situation glaube ich, dass animierte Projekte derzeit etwas einfacher zu realisieren sind, da viele Arbeiten auch im Homeoffice erledigt werden können. Videokonferenzen sind bei uns ohnehin schon seit Jahren der Alltag, so müssen wir uns gar nicht so stark umstellen. Da wir sowohl Animation als auch Live-Action-Projekte entwickeln, können wir schnell reagieren und unsere Konzentration auf das jeweils "beliebtere" Projekt lenken. Für Youngfilms blicke ich sehr positiv nach vorn. Wir haben wirklich tolle Projekte in der Pipeline und sind so flexibel aufgestellt, um jederzeit auf Unvorhergesehenes zu reagieren. Ich denke, in einem Jahr ist der gröbste Spuk vorbei, dann stehen wir wieder am Set und drehen was das Zeug hält. Bis dahin müssen die Projekte aber soweit entwickelt sein und die Sender sollten - gerade jetzt - auch den Mut haben, neue Themen anzupacken.

Das Gespräch führte Heike Angermaier