Kino

"Beitrag, der international seinesgleichen sucht"

Was kann sich der Kulturbereich und dort insbesondere die Film- und Kinowirtschaft von dem "Neustart Kultur" getauften Rettungsprogramm innerhalb des großen Konjunkturpaktes erwarten? Kulturstaatsministerin Monika Grütters skizzierte erste Details.

04.06.2020 12:30 • von Marc Mensch
Kulturstaatsministerin Monika Grütters (Bild: Elke A. Jung-Wolff)

Kulturstaatsministerin Monika Grütters hat Details zum gestern vom Koalitionsausschuss auf den Weg gebrachten "Rettungs- und Zukunftspaket Kultur", das sie unter den Namen "Neustart Kultur" fasst, bekanntgegeben. Die darin gebündelten Maßnahmen sind Teil des großen Konjunkturpaketes der Bundesregierung (wir berichteten).

"Mit zusätzlich einer Milliarde Euro unterstützen wir den Neustart des kulturellen Lebens in Deutschland und stellen die Weichen auf Zukunft", so die Ministerin. "Mit Stolz sage ich: Das ist ziemlich genau die Hälfte unseres Jahreshaushalts, der ja ohnehin in den vergangenen Jahren kräftig gewachsen ist. Wir werden Kinos und Musikclubs, Gedenkstätten und Museen, Theater und Festivals und viele andere Kultureinrichtungen dabei unterstützen, nach der Corona-Zwangspause so früh wie möglich wieder ihre Tore zu öffnen. Für uns sind Erhalt und Sicherung der kulturellen Infrastruktur Deutschlands der Schlüssel, um wieder Arbeitsmöglichkeiten für Künstlerinnen, Künstler und Kreative bundesweit zu schaffen."

Im Wesentlichen gliedere sich das Programm in vier Teile:

1. Pandemiebedingte Investitionen in Kultureinrichtungen zur Erhaltung und Stärkung der bundesweit bedeutenden Kulturlandschaft

Dieser Baustein, der mit bis zu 250 Mio. Euro finanziert wird, soll Kultureinrichtungen (darunter Kinos) fit für die Wiedereröffnung machen. Die Gelder, mit denen notwendige Maßnahmen zur Einhaltung von Hygiene- und Abstandsregeln gefördert werden sollen (beispielhaft genannt werden Online-Ticketing-Systeme, die Modernisierung von Belüftungssystemen, eine andere Besucherführung und Bestuhlung) sollen vor allem Einrichtungen zugutekommen, deren regelmäßiger Betrieb nicht überwiegend von der öffentlichen Hand finanziert wird.

2. Erhaltung und Stärkung der Kulturinfrastruktur und Nothilfen

Im Zentrum von "Neustart Kultur" stehen laut Mitteilung der BKM die vielen kleineren und mittleren Kulturstätten und -projekte, die vor allem privatwirtschaftlich finanziert sind. Ihnen seien die Einnahmen weggebrochen, sie müssten aber dennoch Personal bezahlen, um an neuen Programmen zu arbeiten. Durch die BKM-Hilfen sollen Kreative aus der Kurzarbeit herausgeholt werden und ihrer künstlerischen Arbeit nachgehen können. Außerdem wolle man Möglichkeiten eröffnen, neue Aufträge an freiberuflich Tätige und Soloselbständige zu vergeben. Der größte Baustein des Programms umfasst bis zu 450 Mio. Euro, von denen 120 Mio. Euro auf den Filmbereich entfallen sollen. Hieraus würden vor allem Kinos unterstützt und Mehrbedarf bei Filmproduktion und Verleih finanziert

3. Förderung alternativer, auch digitaler Angebote

Hierzu führt Grütters aus: "Einen positiven Aspekt hatte diese Krise immerhin: "Nicht wenige Einrichtungen und Künstler haben erfolgreich alternative und digitale Wege zu ihrem Publikum gefunden. Vom Wohnzimmerkonzert zur digitalen Konzerthalle, von der Autorenlesung mit Online-Chat zur virtuellen Museumsführung - alternative, oft digitale Angebote, haben in der Krise einen Schub bekommen. Wir wollen den Rückenwind nutzen und verstärken. An dieser Stelle hat der Kulturbereich die Chance, stärker aus der Krise herauszukommen als wir hineingegangen sind!" Vorgesehen sind für diesen Bereich bis zu 150 Mio. Euro.

4. Pandemiebedingte Mehrbedarfe regelmäßig durch den Bund geförderter Kultureinrichtungen und -projekte

Um bei diesen Einrichtungen coronabedingte Einnahmeausfälle und Mehrausgaben auszugleichen, die nicht anderweitig gedeckt werden können, werden bis zu 100 Mio. Euro bereitgestellt. Bei gemeinsam mit Ländern bzw. Kommunen getragenen Einrichtungen und Projekten wird der Bund seinen Anteil an der Kofinanzierung leisten. "Wir wollen unsere einzigartige Kulturlandschaft retten und den Künstlerinnen und Künstlern eine Perspektive geben", so Grütters. "Dafür stellen wir die Weichen auf Zukunft. Mit 'Neustart Kultur' leisten wir in Kombination mit anderen Hilfspaketen der Bundesregierung einen Beitrag, der international seinesgleichen sucht", so die Ministerin abschließend.