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Oskar Roehler im Cannes-Line-up

Mehr als 20 Jahre nach seinem ersten Film wurde Oskar Roehler mit seinem Fassbinder-Biopic "Enfant terrible" erstmals in die Sélection officielle des Festival de Cannes aufgenommen.

03.06.2020 18:34 • von Thomas Schultze

Mehr als 20 Jahre nach seinem ersten Film wurde Oskar Roehler mit seinem Fassbinder-Biopic Enfant terrible" mit Oliver Masucci und Katja Riemann erstmals in die Sélection officielle des Festival de Cannes aufgenommen. "Enfant terrible" wurde produziert von Bavaria Filmproduktion (Produzent: Markus Zimmer) in Koproduktion mit X Filme Creative Pool (Produzenten: Stefan Arndt, Uwe Schott), WDR, BR und Arte und wurde gefördert durch Film- und Medienstiftung NRW, Deutscher Filmförderfonds, FilmFernsehFonds Bayern und Medienboard Berlin-Brandenburg. Markus Zimmer, Produzent Bavaria Filmproduktion: "Es gibt kaum eine größere Ehre für einen deutschen Film als in die Offizielle Auswahl der Internationalen Filmfestspiele von Cannes aufgenommen zu werden. Die Bavaria Filmproduktion ist stolz, dort gleich zwei deutsche Film-Ikonen zu präsentieren: Rainer Werner Fassbinder, dessen Werk bis heute das Schaffen von Filmemachern in der ganzen Welt beeinflusst und Oskar Roehler, eines der kreativsten Talente, die das deutsche Kino in den letzten Jahren hervorgebracht hat. 'Enfant Terrible' ist eine Hommage an Fassbinder und gleichzeitig das Portrait eines manischen Regisseurs - visuell einzigartig und mit einem großartigen Oliver Masucci in der Hauptrolle." Für den Medienboard Berlin-Brandenburg, der nicht nur "Enfant terrible" sondern auch "The French Dispatch" förderte, sagte Geschäftsführerin Kirsten Niehuus: "Auch wenn wir alle nicht zusammen an der Croisette sein können, freuen wir uns für die Filme, die von Cannes ausgewählt wurden! Hoffentlich können wir bald die neuesten Werke der Filmkunst auf der großen Leinwand sehen, um die Begeisterung der Kuratoren zu teilen."

Zu den weiteren namhaften Regisseuren zählen Wes Anderson, der mit The French Dispatch" erstmals seit Moonrise Kingdom" wieder von Cannes akzeptiert wurde, Naomi Kawase mit "True Mothers", François Ozon mit "Summer of 85", Steve McQueen mit gleich zwei Titeln, "Lover's Rock" und Mangrove", Thomas Vinterberg mit "Another Round" mit Mads Mikkelsen sowie Maiwenn mit "ADN" aufgenommen. Zu den vier Animationsfilmen, die das Cannes-Label erhalten, gehören, wie erwartet, die Pixar-Produktion Soul" von Peter Docter und der neue Film von Hayao Miyazakis Sohn, Gorô Miyazaki, "Aya to Majo (Earwig and the Witch)", der für das legendäre Studio Ghibli entstand. Ebenfalls dabei sind Ammonite" von Francis Lee mit Kate Winslet sowie "Limbo" von Ben Sharrock, den Thierry Frémaux mit Wes Anderson verglich. Viggo Mortensen wurde mit seinem Regiedebüt aufgenommen, Falling", in dem er neben Lance Henriksen auch die Hauptrolle spielt. In der insgesamt 56 Filme umfassenden Sélection officielle, die aufgrund der Absage des physischen Events an der Croisette nicht wie üblich unterteilt in Wettbewerb, außer Konkurrenz und Un Certain Regard, finden sich insgesamt 15 Erstlingsfilme. 16 Filme stammen von weiblichen Filmemachern, 21 Filme sind französische Produktionen, acht mehr als 2019.

Aufgrund der Corona-Pandemie musste das reguläre Festival de Cannes vor Ort an der Croisette abgesagt werden. Um dennoch Flagge zu zeigen und das Kino, vor allem in Frankreich, zu stärken, entschied man sich dennoch zu einer Sélection officielle. Die ausgewählten Filme erhalten ein Cannes-Label und können damit bei den Herbstfestivals antreten. Vor allem in Toronto ist eine Reihe der genannten Filme zu erwarten. Vereinzelte Filme wie Benedetta" von Paul Verhoeven und Annette" von Leos Carax haben ihre Starttermine auf Ende 2021 verschoben, um im kommenden Jahr in Cannes laufen zu können.

Hier die komplette Liste der Sélection officielle des 73. Festival de Cannes:

DIE TREUEN

(oder zumindest schon einmal davor ausgewählt)

"The French Dispatch" von Wes Anderson (USA) - 103 Minuten

"Été 85" von François Ozon (Frankreich) - 100 Minuten

"Asa Ga Kuru (True Mothers)" von Naomi Kawase (Japan) - 140 Minuten

"Lovers Rock" von Steve McQueen (Großbritannien) - 68 Minuten

"Mangrove" von Steve McQueen (Großbritannien) - 124 Minuten

"Druk (Another Round)" von Thomas Vinterberg (Dänemark) - 115 Minuten

"ADN (DNA)" von Maïwenn (Frankreich, Algerien) - 90 Minuten

"Last Words" von Jonathan Nossiter (USA) - 126 Minuten

"Heaven: To the Land of Happiness" von Im Sang-Soo (Südkorea) - 100 Minuten

"El Olvido Que Seremos (Forgotten we'll be)" von Fernando Trueba (Spanien) - 136 Minuten

"Peninsula" von Yeon Sang-Ho (Südkorea) - 114 Minuten

"In the Dusk"von Sharunas Bartas (Litauen) - 126 Minuten

"The Real Thing" von Kôji Fukada (Japan) - 228 Minuten

DIE NEULINGE

"Passion Simple" von Danielle Arbid (Libanon) - 96 Minuten

"A Good Man" von Marie Castille Mention-Schaar (Frankreich) - 107 Minuten

"Les choses qu'on dit, les choses qu'on fait" von Emmanuel Mouret (Frankreich) - 120 Minuten

"Souad" von Ayten Amin (Ägypten) - 90 Minuten

"Limbo" von Ben Sharrock (Großbritannien) - 113 Minuten

"Rouge" von Farid Bentoumi (Frankreich) - 86 Minuten

"Sweat" von Magnus Von Horn (Schweden) - 100 Minuten

"Teddy" von Ludovic und Zoran Boukherma (Frankreich) - 88 Minuten

"Février" von Kamen Kalev (Bulgarien) - 125 Minuten

"Ammonite" von Francis Lee (Großbritannien) - 120 Minuten

"Un médecin de nuit" von Elie Wajeman (Frankreich) - 100 Minuten

"Enfant terrible" von Oskar Roehler (Deutschland) - 134 Minuten

"Nadia, Butterfly" von Pascal Plante (Kanada) - 106 Minuten

"Here We Are" von Nir Bergman (Israel) - 94 Minuten

EIN OMNIBUS-FILM

"Septet: The Story of Hong Kong" von Ann Hui, Johnnie To, Tsui Hark, Sammo Hung, Yuen Woo-Ping und Patrick Tam - 113 Minuten

DIE DEBÜTANTEN

"Falling" von Viggo Mortensen (USA) - 112 Minuten

"Pleasure" von Ninja Thyberg (Schweden) - 105 Minuten

"Slalom" von Charlène Favier (Frankreich) - 92 Minuten

"Casa de Antiguidades" von Joao Paulo Miranda Maria (Brasilien) - 87 Minuten

"Broken Keys" von Jimmy Keyrouz (Libanon) - 90 Minuten

"Ibrahim" von Samir Guesmi (Frankreich) - 80 Minuten

"Beginning" von Déa Kulumbegashvili (Georgien) - 130 Minuten

"Gagarine" von Fanny Liatard und Jérémy Trouilh (Frankreich) - 95 Minuten

"16 Printemps" von Suzanne Lindon (Frankreich) - 113 Minuten

"Vaurien" von Peter Dourountzis (Frankreich) - 95 Minuten

"Garçon Chiffon" von Nicolas Maury (Frankreich) - 108 Minuten

"Should the Wind Fall" von Nora Martirosyan (Armenien) - 100 Minuten

"John and the Hole" von Pascual Sisto (USA) - 98 Minuten

"Striding into the Wind" von Wei Shujun (China) - 156 Minuten

"The Death of Cinema and My Father Too" von Dani Rosenberg (Israel) - 100 Minuten

3 DOKUMENTARFILME

"The Billion Road" von Dieudo Hamadi - (Kongo) - 90 Minuten

"The Truffle Hunters" von Michael Dweck und Gregory Kershaw (USA) - 84 Minuten

"9 jours a Raqqa" von Xavier de Lauzanne (Frankreich) - 90 Minuten

5 KOMÖDIEN

"Antoinette dans les Cévènnes" von Caroline Vignal (Frankreich) - 95 Minuten

"Les deux Alfred" von Bruno Podalydès (Frankreich) - 90 Minuten

"Un triomphe" von Emmanuel Courcol (Frankreich) - 100 Minuten

"L'origine du monde" von Laurent Lafitte (Frankreich)

"Le discours" von Laurent Tirard (Frankreich) - 87 Minuten

4 ANIMATIONSFILME

"Aya to Majo (Earwig and the Witch)" von Gorô Miyazaki (Japan) - 82 Minuten

"Flee" von Jonas Poher Rasmussen (Dänemark) - 90 Minuten

"Josep" von Aurel (Frankreich) - 80 Minuten

"Soul" von Pete Docter (USA) - 90 Minuten