Kino

UPDATE: AMC mit Milliarden-Abschreibung

Die weltweit größte Kinokette hat vorläufige Zahlen zum ersten Quartal veröffentlicht. Demnach sollen umfangreiche Abschreibungen zu einem Nettoverlust von mehr als zwei Milliarden Dollar führen. Die Umsätze sanken in dem bereits durch Corona geprägten Zeitraum um über 20 Prozent. Unterdessen bereitet man sich auf Wiedereröffnungen vor - während man gleichzeitig darlegt, wie enorm prekär die Situation auf Sicht noch sein wird.

03.06.2020 14:19 • von Marc Mensch
AMC nimmt milliardenschwere Abschreibungen vor (Bild: AMC)

Endgültige Resultate wird AMC, die weltweit größte Kinokette und Konzernmutter u.a. von Odeon/UCI, erst am 9. Juli veröffentlichen, allerdings hat man heute bereits vorläufige Zahlen für das erste Quartal bekannt gegeben, in dessen späterem Verlauf der weltweite Kinomarkt infolge der Corona-Krise quasi vollständig zum Erliegen gekommen war.

Gegenüber den rund 1,2 Mrd. Dollar, die AMC im ersten Quartal 2019 bilanzierte, schrumpften die Umsätze demnach auf voraussichtliche 941,5 Mio. Dollar, was einem Rückgang um über 20 Prozent entsprechen würde.

Der Nettoverlust soll im ersten Quartal zwischen mehr als 2,1 und gut 2,4 Mrd. Dollar liegen - Grund sind umfangreiche Abschreibungen. Im ersten Quartal hatte der Nettoverlust noch bei 130,2 Mio. Dollar gelegen. Der (vor allem um die Abschreibungen) bereinigte Nettoverlust soll demgegenüber von 101,8 auf 224,5 Mio. Dollar steigen, das bereinigte EBITDA soll demnach von 108,2 auf 3,1 Mio. Dollar sinken.

Im Zusammenhang mit der Bekanntgabe der vorläufigen Zahlen erklärte AMC, dass man die Ausgaben wieder hochgefahren habe, um die Kinos wie geplant im Sommer wieder eröffnen zu können. Man gehe davon aus, dass man über ausreichende Mittel verfüge, um den Betrieb im Sommer oder auch später wieder aufzunehmen. Der Liquiditätsbedarf danach hänge von diversen Faktoren ab, darunter dem Zeitpunkt der vollen Wiederaufnahme des Betriebs, dem Timing von Neustarts und generell dem Umfang, in dem im Anschluss an die Krise wieder Umsätze generieren könne.

Was sich an dieser Stelle noch einigermaßen optimistisch liest, gestaltet sich im späteren Verlauf des einer Ad-Hoc-Mitteilung vergleichbaren 8-K-Filings indes erheblich dramatischer. Denn der Pflicht, Anleger über Risiken für den Geschäftsbetrieb zu informieren, kommt AMC mit einer langen Liste an potenziellen Bedrohungen für die Lage des Unternehmens nach, die vor allem von massiven Unsicherheiten hinsichtlicher aller wesentlichen Faktoren geprägt ist: dem weiteren Verlauf der Pandemie, den Startplänen der Studios, dem Verhalten der Verbraucher, staatlichen Hilfsprogrammen, künftigen Auflagen für den Kinobetrieb, der generellen Entwicklung der Wirtschaft usw...

Zum kompletten 8-K-Dokument, die Ausführungen zu den erheblichen Risiken für AMC finden Sie am Ende.

Auch wenn AMC die von Analysten bereits vor vielen Wochen vorhergesagte Insolvenz bislang abwenden konnte, erklärte die Kette, dass man "erhebliche Zweifel" an der Fortführung des Geschäftsbetriebes in absehbarer Zeit nicht werde ausräumen können. Die Börse reagierte auf die Mitteilung mit lediglich überschaubaren Kursabschlägen. Tatsächlich ist der Börsenkurs mit aktuell deutlich über fünf Dollar weit vom Niedrigstand von wenig über zwei Dollar aus dem April entfernt.

Unterdessen hat die Kette die ersten drei ihrer Kinos wieder eröffnet - in Norwegen (wir berichteten). Und am 8. Juni folgen drei UCI-Kinos in Deutschland (wir berichteten). In den USA strebt man Wiedereröffnungen Anfang Juli an.