Kino

Cinecitta-Betreiber kämpfen für frühere Wiedereröffnung

Die bayerische Betreiberfamilie Weber hat beim Verwaltungsgericht Ansbach Antrag auf Erlass einer einstweiligen Anordnung mit dem Ziel gestellt, den Spielbetrieb bereits am 4. Juni wieder aufnehmen zu können. Geltend gemacht wird nicht zuletzt die aktuelle Ungleichbehandlung gegenüber anderen (Freizeit-)Angeboten.

03.06.2020 10:59 • von Marc Mensch
Seit 27. Mai bietet das Cinecitta ein Open-Air-Kino auf dem Dach, die regulären Säle sollen möglichst bald folgen (Bild: Cinecitta)

Während eine Gruppe von rund 20 Kinobetreibern aus München und Umgebung Kritik daran übt, dass die bayerische Staatsregierung mit dem 15. Juni einen zu frühen Termin für die Wiedereröffnung gesetzt habe (wir berichteten), kämpft die Betreiberfamilie Weber, zu deren Häusern neben dem Nürnberger Cinecitta auch die dortigen Arthouse-Kinos Metropolis und Meisengeige sowie das Manhattan Deluxe in Erlangen zählen, darum, den Spielbetrieb bereits am 4. Juni wieder aufnehmen zu können.

Nach Darstellung der Betreiber stand man bereits seit Mitte April mit der Staatskanzlei in engem Austausch. Zunächst ging es um die Genehmigung eines Autokinos - hier hatte sich Bayern restriktiver gezeigt als andere Bundesländer. So habe man Ende April seitens der Staatskanzlei die Auskunft erhalten, dass zwar nicht mit einer kurzfristigen Genehmigung von Autokinos zu rechnen sei (tatsächlich wurde der Betrieb dann ab 11. Mai ermöglicht), Bayern jedoch in Erwägung ziehe, Kinovorführungen im Innenraum bei Vorlage eines "überzeugenden Schutz- und Hygienekonzepts" ab Ende Mai wieder zuzulassen. Ein solches Konzept habe man umgehend erarbeitet und bereits Mitte Mai eine positive Stellungnahme des Nürnberger Referats für Gesundheit und Umwelt erhalten.

Um den Austausch mit der Staatskanzlei (und später auch dem Digitalministerium) an dieser Stelle abzukürzen: Bekanntermaßen wurde am 26. Mai (zwei Tage vor jenem Datum, auf das die Webers zur Wiederaufnahme des Spielbetriebs abgezielt hatten) der 15. Juni als Termin für Kino-Wiedereröffnungen in Bayern verkündet. Und nach Auffassung der Webers gründet sich dieser Termin nicht auf infektionsschutzrechtliche Erwägungen, sondern ist im Kontext der Ankündigung von Digitalministerin Judith Gerlach vom 14. Mai zu sehen, in der es unter anderem hieß: "Wir brauchen einheitliche Starts. Kinos brauchen attraktive Filme. Die Filme starten aber nur, wenn sie bundesweit gezeigt werden können". Gleichzeitig verwies Gerlach darauf, dass viele Kinobetreiber nicht "auf eine sofortige Öffnung" drängen würden.

Laut der Webers kann von einem bundesweit einheitlichen Vorgehen ohnehin keine Rede sein, zumal der Großteil der Bundesländer Kinovorführungen bereits wieder zulasse. Vor allem aber dürfe sich eine Schließungsanordnung nicht auf entsprechende Argumente stützen, sondern müsse sich alleine am Infektionsschutzgesetz orientieren. Und hier machen die Webers vor allem auch den Vergleich mit anderen (Freizeit-)Angeboten geltend, insbesondere der Gastronomie.

In der Antragsschrift heißt es dazu auszugsweise:

"Für unsere Kinos liegen ausführliche, behördlich abgestimmte Schutz- Hygienekonzepte vor, die auch bereits für die Kinogastronomie und für das Open Air Kino im Cinecitta, sowie in unseren Programmkinos Meisengeige und Metropolis und im Manhattan, Erlangen angewendet werden. Nach dem Konzept wird, analog wie in der Gastronomie, auch in den Kinosälen das Abstandsgebot von 1,5 Metern zwischen zwei Besuchergruppen eingehalten.

Auch beim Ticket- und Snackverkauf in den Kinos gelten ähnliche Regeln wie in der Gastronomie, da der Verkauf weitgehend online erfolgt und die Speisen und Getränke an den Sitzplatz gebracht werden. Unsere Deluxe Kinosäle im Cinecitta Nürnberg und im Manhattan Erlangen sind schon immer als eine Art Innengastronomie zu sehen, da die Kinos mit ca. 2 m Reihenabstand sehr großzügig ausgestattet sind und schon immer Service am Platz erfolgt.

Generell ist ein Aufenthalt während einer Kinovorführung unproblematischer zu sehen als z.B. ein Restaurantbesuch, da während der Vorführung keine Unterhaltung stattfindet und somit kaum Aerosole ausgestoßen werden. Auch ein Theaterbesuch ist somit problematischer zu bewerten. Durch die Online-Buchung der Tickets ist eine lückenlose Kontaktverfolgung im Infektionsfall gewährleistet.

Seit Anfang Mai sind in Bayern wieder vielfältige Freizeitangebote möglich. Warum Kinos in Bayern nicht analog dieser Freizeiteinrichtungen behandelt werden ist nicht nachvollziehbar, vor allem auch wenn man berücksichtigt, dass die wöchentlichen Neuinfektionszahlen pro 100.000 Einwohnern im gesamten Einzugsgebiet unserer Kinos mit unter 2 weit unter der 'Alarmschwelle' von 50 liegen.

Auch Flug-, Bus-, und Bahnreisen sind seit Anfang Juni in Bayern wieder möglich. Ein Abstand von 1,5 Metern ist bei diesen Reisen nicht vorgesehen. Ein Kinobesuch unter Beachtung der strengen Schutz- und Hygieneauflagen ist somit wesentlich unproblematischer.

Um einen drohenden erheblichen finanziellen Schaden für unsere Betriebe zu verringern beantragen wir eine einstweilige Anordnung, die uns erlaubt, unsere Kinos Cinecitta, Meisengeige und Metropolis in Nürnberg und das Manhattan Premiumkino in Erlangen schon am 4.6.2020 wieder eröffnen zu können."

In einem kurz vor Antragstellung an Ministerpräsident Markus Söder und Digitalministerin Judith Gerlach übersandten Schreiben hieß es unter anderem: "Mit einer Eröffnung am 4. Juni 2020 könnten wir noch einen Großteil der für uns im Geschäftsjahr sehr wichtigen Pfingstferien mitnehmen und einen geschätzten Umsatz von 250.000 Euro realisieren."

Indes nahm man diese Gelegenheit auch wahr, sowohl der Bayrischen Staatsregierung als auch der Bundesregierung für die bisher gewährte finanzielle Unterstützung zu danken, ohne die man diese "beispiellose Naturkatastrophe sicher nicht überstanden hätte". Wichtig seien dabei vor allem die Kurzarbeiterregelung und die Möglichkeit, in Rekordgeschwindigkeit zusätzliche KfW Kredite zu beantragen, gewesen - sowie die Soforthilfe und Kulturförderung von Bund und Land für die Programmkinos.

Die Pläne für ein Autokino hatte man im Verlauf des Austauschs mit der Staatskanzlei übrigens verworfen, stattdessen setzt man seit 27. Mai auf ein Open-Air-Kino auf dem Dach des Cinecitta mit 72 Plätzen, das trotz der zuletzt eher kühlen Witterung regelmäßig ausverkauft sei. Nicht zuletzt darauf gründet sich auch die Erwartung, dass auch die normalen Kinos mit den erarbeiteten Schutz- und Hygienevorschriften gut angenommen würden. "Warum unsere Kollegen so zögerlich mit der Wiedereröffnung sind, können wir nicht nachvollziehen", erklärt Wolfram Weber dazu.