Kino

"Gäste nicht durch unangemessene Maßnahmen verunsichern"

Eine Gemeinschaft von gut 20 Kinobetreiber*innen aus München und Umgebung hat sich erneut an die Staatsregierung gewandt und vor dem Hintergrund des mittlerweile kommunizierten Termins für Kino-Wiedereröffnungen in Bayern gefordert, die aktuell noch enorm einschränkenden Auflagen anzupassen.

02.06.2020 15:18 • von Marc Mensch
Als Betreiber der Breitwand-Kinos zählt Matthias Helwig zu den Unterzeichnern des Briefes (Bild: Kino Breitwand)

In den vergangenen Tagen machte auf sozialen Medien ein Beitrag die Runde, der die Bedingungen, unter denen Kulturangebote in Deutschland wieder ermöglicht werden, mit galligem Humor aufgriff: "Vielleicht sollten wir Künstler einfach in Flugzeugen auftreten" hieß es da über dem Vergleich der Sitzpläne eines Theaters und eines kleineren Passagierjets. Denn frei bleiben müssen Sitze in Flugzeugen nach derzeitigem Stand nicht - was sich auch unter Berücksichtigung von Argumenten wie Maskenpflicht und effektivem Luftaustausch an Bord gegenüber anderen Branchen wie eine grobe Ungerechtigkeit anhört.

Nun, auch wenn eine Gemeinschaft von gut 20 Kinobetreiber*innen aus München und Umgebung nicht ausgerechnet dieses Beispiel anführt, kann sie doch einen passenden (zudem naheliegenderen) Vergleich ziehen: jenen zur Gastronomie. In einem neuerlichen Schreiben an Ministerpräsident Markus Söder und mehrere Minister*innen seines Kabinetts haben die Betreiber*innen im Vorfeld der nun ab 15. Juni möglichen Wiedereröffnungen der bayerischen Kinos konkrete Forderungen hinsichtlich der nach aktuellem Stand noch sehr restriktiven Auflagen formuliert. In dem Schreiben heißt es unter anderem: "Die behördlichen Verordnungen zur Wiedereröffnung der Kinos unter Corona-Bedingungen dürfen den Kinos keinen Imageschaden zufügen. Dies passiert, wenn ein Kinobesuch unter Auflagen gestellt wird, die diesen als gefährlicher erscheinen lassen als einen Restaurantbesuch."

Man unternehme demnach alles, um den Gästen einen möglichst sicheren Kinobesuch zu ermöglichen - der ihnen auch das Gefühl der Sicherheit gebe. "Unangemessene Maßnahmen", so die Sorge der Kinomacher*innen, könnten potenzielle Gäste verunsichern.

Insbesondere die nach derzeitigem Stand in Bayern (und ansonsten nur in Rheinland-Pfalz) vorgesehene Maskenpflicht am Platz stößt - und das ganz grundsätzlich in der Branche - auf heftige Kritik. Denn nicht genug damit, dass eine solche Verpflichtung Umfragen von S&L zufolge für einen nicht zu vernachlässigenden Teil des Publikums ein No-Go wäre, ginge damit ein Verzehrverbot während der Vorstellung einher. Dabei spricht nach Argumentation der Betreiber*innen einiges dafür, Kinos an dieser Stelle keinesfalls schlechter stellen zu dürfen als die Innenraum-Gastronomie. Denn "soziale Interaktionen wie Sprechen oder Face-to-Face-Situationen sind anders als im Restaurant im Kino während der Vorstellung nicht gegeben", so der Brief. Ergo die Forderung, die Maskenpflicht entsprechend zu beschränken und den Verzehr am Sitzplatz zu ermöglichen.

Die Betreiber*innen wenden sich zudem gegen "absolute und willkürlich festgelegte Obergrenzen" bei den Besucherzahlen. So sollte sich nach ihrer Vorstellung die Anzahl der pro Saal zugelassenen Besucher nach der jeweiligen Größe des Auditoriums richten und sich damit nur aus den in den Hygienevorschriften festgelegten Abstandsregeln ergeben. Tatsächlich lässt beispielsweise Nordrhein-Westfalen ausdrücklich Ausnahmen von einer starren Besucherobergrenze zu, hier ergab sich jedoch zunächst das Problem (siehe auch den Bericht zum Wiedereröffnungsstop im Cinedom), dass unklar war, welche Voraussetzungen das dafür notwendige "besondere" Hygienekonzept erfüllen müsste.

Last but not least erneuert der Brief die bereits zuvor erhobene Forderung nach Unterstützung der Kinos, konkret geht es diesmal um eine Absicherung der Mehrkosten des Notbetriebs, sowie eine Ausgleichszahlung für die Mindereinnahmen.

Grundsätzlich bewerten die Unterzeichner*innen des Briefes den vom Freistaat gesetzten Termin für die Wiedereröffnung als zu früh - obwohl es nach aktuellem Stand (bei noch ausstehenden Terminen in Bremen, Thüringen und Niedersachsen) der bundesweit zweitspäteste nach Berlin (30. Juni) ist. Entsprechend hatten sie sich wenige Tage zuvor schon mit einem Konzept unter anderem an Digitalministerin Judith Gerlach gewandt, das eine zweite Eröffnungsphase ab dem 2. Juli (dem bundesweit von der AG Kino-Gilde propagierten Termin) vorsieht - und damit einhergehend auch Lockerungen der aktuellen Abstandsregelungen. Orientieren solle man sich dabei am Beispiel Österreichs und Italiens, wo einer statt 1,50 Meter gelten würden.

Wie schwierig die Phase der Wiedereröffnung ist, demonstrierten die Zahlen des vergangenen Wochenendes leider höchst eindrucksvoll: Denn obwohl sich die Anzahl der wieder an den Start gegangenen regulären Kinos gegenüber dem Vorwochenende mehr als verdoppelt hatte, lagen die Gesamtbesucherzahlen lediglich auf dessen Niveau...