Kino

Analysten prognostizieren Halbierung des US-Boxoffice

Geht es nach den Analysten von MoffettNathanson, muss man sich im US-Kinomarkt auf eine Halbierung der Vorjahresumsätze einstellen - und dies sei beileibe noch nicht das Worst-Case-Szenario. Immerhin: Für 2021 wird ein wenig Hoffnung gemacht.

02.06.2020 13:37 • von Marc Mensch
Die Augen der Kinobranche richten sich weiter in besonderem Maße auf Hoffnungsträger "Tenet" (Bild: Warner)

Angesichts der enormen Unsicherheiten hinsichtlich der weiteren Entwicklung der Corona-Krise, die in den USA zu allem Überfluss nun auch noch von schweren Unruhen begleitet wird, bedeuten Prognosen zur Entwicklung der Kinoumsätze natürlich noch weitgehend ein sprichwörtliches Fischen im Trüben. Und tatsächlich sprechen die Analysten von MoffettNathanson laut einem Bericht in Variety hinsichtlich ihrer aktuellen Schätzung ausdrücklich von einem "work in progress" - was sie aber nur umso beunruhigender macht. Denn verbunden ist sie vor allem mit dem Hinweis, dass sie zum jetzigen Zeitpunkt auf der Annahme beruht, dass die Kinos in den USA im Juli flächendeckend eröffnen und Blockbuster wie Tenet" und "Mulan" ihre aktuellen Starttermine behalten.

Selbst wenn dies so eintreten sollte, droht MoffettNathanson zufolge das US-Boxoffice 2020 gegenüber dem Vorjahr um mehr als die Hälfte zu schrumpfen. Genauer gesagt um rund 52 Prozent von 11,4 auf dann nur noch 5,5 Mrd. Dollar. Im bereits (ab etwa Mitte März) von Corona geprägten ersten Quartal des laufenden Jahres wurden in den US-Kinos knapp 1,79 Mrd. Dollar umgesetzt, der niedrigste Wert seit 2001 (gut 1,76 Mrd. Dollar). Für das zweite Quartal liegen aktuell keine verlässlichen Zahlen vor, in der Gesamtrechnung dürften die nahezu ausschließlich von Autokinos generierten Umsätze aber einen verschwindend geringen Anteil ausmachen.

Zu den größten Unsicherheitsfaktoren in der Prognose zählen der unklare Zeitplan für Kino-Wiedereröffnungen unter anderem in den besonders wichtigen Städten New York und Los Angeles sowie die offene Frage hinsichtlich der tatsächlichen Bereitschaft des potenziellen Publikums, noch vor Verfügbarkeit eines Impfstoffes in die Kinos zurückzukehren. Unter anderem angesichts der auch im weltweiten Vergleich hohen Opferzahlen in den USA und den Tücken des dortigen Gesundheitssystems wäre diesbezüglich eine etwas größere Zurückhaltung als ursprünglich antizipiert zumindest denkbar.

Halbwegs gute Nachrichten sehen die Analysten für 2021 am Horizont. Denn dann sollen die Kinoumsätze wieder sprunghaft ansteigen: auf 9,7 Mrd. Dollar - was allerdings nur das schwächste Ergebnis seit 2008 wäre. Seit 2009 lag das US-Boxoffice kontinuierlich über zehn Milliarden Dollar, seit 2015 kontinuierlich über elf Milliarden. Zudem warnen die Analysten auch hier vor Faktoren, die das prognostizierte Ergebnis deutlich drücken könnten, allen voran die Möglichkeit, dass die Produktion nicht wie aktuell geplant wieder anläuft - und dass noch weitere große Titel ihre Premiere nicht auf der Leinwand, sondern auf Streamingdiensten erleben.