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Netflix-Wochencharts: Lang leben die 1980er-Jahre!

Die 1980er-Jahre erleben mit der dritten Staffel des "Denver-Clan"-Reboot eine Renaissance auf Netflix. Zudem erhält der "Snowpiercer" Einzug, bei dem Oscar-Gewinner Bong Joon-ho wieder seine Finger im Spiel hat.

02.06.2020 07:42 • von Michael Müller
Netflix-Erfolge: "Snowpiercer" (l.o.), Der Denver-Clan (l.u.) und "Jeffrey Epstein: Stinkreich" (r.u.) (Bild: Netflix)

In der 22. Kalenderwoche sind die deutschen Netflix-Wochencharts mit sechs Neueinsteigern wild durcheinandergewürfelt worden. Auch auf dem ersten Platz steht mit 68 von 70 möglichen Punkten eine neue Serie, wobei ihr Name altvertraut klingt: "Der Denver-Clan". Eigentlich war diese immens erfolgreiche US-Serie um die Familienmitglieder zweier fiktiver Ölfirmen, die im Original "Dynasty" heißt und zusammen mit "Dallas" das Soap-Phänomen der 1980er-Jahre war, spätestens in den frühen 1990er-Jahren auserzählt. CBS Television Studios drehte aber für den Sender The CW ein Reboot mit diversem Cast in Atlanta. Die dritte Staffel hat Netflix nun in Deutschland veröffentlicht. Aber das Reboot ist auch weltweit ein voller Erfolg. Egal, ob man sich die Top-Ten-Listen unseres Nachbarlandes Frankreich oder von Mexiko und Brasilien anschaut - überall ist "Der Denver-Clan", der eigentlich jetzt "Der Atlanta-Clan" heißen müsste, weit oben zu finden.

Auch ein interessanter Fall ist der vierte Platz der deutschen Netflix-Wochencharts für die neu gestartete Serie "Snowpiercer" (42 Punkte), deren Episoden wöchentlich herauskommen. Sie basiert wie schon der gleichnamige Endzeitfilm des koreanischen Oscar-Gewinners Bong Joon-ho auf der französischen Comicvorlage von Jacques Lob and Jean-Marc Rochette. Bong ist bei der Serie zusammen mit dem Regisseur Park Chan-wook auch als Executive Producer mit an Bord. Bislang gibt es nur drei Episoden. Aber es deutet sich schon jetzt an, dass die Serie deutlich mehr mit der postapokalyptischen Welt, in der schlimme Minusgrade herrschen und die einzige Überlebensmöglichkeit die Reise mit dem titelgebenden Zug ist, anzufangen weiß als der Film.

Letzterer stammt aus Bong Joon-hos eher uninspirierten internationalen Regie-Phase, wo die Requisiten wie ein falsches Gebiss, eine Perücke oder eine schiefe Brille die Schauspielführung der wild chargierenden Tilda Swinton ersetzten. Ganz clever an der Serie im Vergleich zum Film ist auch, dass aus der untersten Klasse der Reisenden ein ehemaliger Detective (Daveed Diggs) ausgewählt wird, um einen Mordfall an Bord aufzuklären. So kommt der Zuschauer bei der Ermittlung automatisch durch die verschiedenen gesellschaftlichen Schichten und lernt die Funktionsweise des riesigen Zuges mit seinen mehr als tausend Waggons kennen, wohingegen er im Film erst einmal 40 Minuten im trostlosen Armenabteil mit den Betroffenen festsitzt.

Auch genannt werden müssen als Neueinsteiger der Wochencharts die Dokumentation "Jeffrey Epstein: Stinkreich" (28 Punkte), die sich zunehmend größerer Beliebtheit erfreut, sowie die erst am Freitag gestartete Comedy-Serie "Space Force" (19 Punkte) mit Steve Carell, John Malkovich und Lisa Kudrow.

Top Ten (KW22)

01. Der Denver-Clan NEU (68 Pkt.)

02. White Lines (58 Pkt.)

03. Battleship NEU (43 Pkt.)

04. Snowpiercer NEU (42 Pkt.)

05. The Last Dance (33 Pkt.)

06. Blood & Water (29 Pkt.)

07. Jeffrey Epstein: Stinkreich NEU (28 Pkt.)

08. Space Force NEU (19 Pkt.)

09. Geschichtshappen NEU (16 Pkt.)

10. Dead to Me (15 Pkt.)

Netflix veröffentlicht sei Ende Februar 2020 täglich nach Beliebtheit sortierte Top-Ten-Listen. In den deutschen Wochencharts sind diese hier jetzt nach einem Punktesystem aufgeschlüsselt und zusammengezählt worden. Dabei erhält der Erstplatzierte zehn Punkte, der Zweitplatzierte neun Punkte und so weiter. Natürlich können so besonders große Zuschauerabstände zwischen den Platzierungen nicht erfasst werden. Da die Netflix-Nutzer aber vor allem Serien und Filme in Schüben schauen, bildet diese Top Ten gut den Trend ab, welche Unterhaltungsprodukte aktuell am populärsten sind.