Kino

US-Videomarkt: TVoD und EST profitieren von Corona-Beschränkungen

Aus den Daten zum 1. Quartal 2020 der Digital Entertainment Group geht hervor, dass nicht nur SVoD erneut gewaltig zugelegt hat, sondern auch die digitalen Vertriebsformen TVoD und EST.

29.05.2020 11:48 • von Jörg Rumbucher
Der SVoD-Markt boomt weiter und erwirtschaftete im 1. Quartal 4,5 Mrd. Dollar (Bild: Netflix)

Wie wären die Zahlen zum ersten Quartal ausgefallen, wenn die Corona-Pandemie nicht massiv in den Lebensalltag der Menschen eingegriffen hätte? Eine etwas hypothetische Frage. Die Digital Entertainment Group (DEG), die regelmäßig die Marktforschungsdaten zum US-Videomarkt zusammenfasst, erklärt auffällige Steigerungsraten natürlich als Folge der Coronakrise. "Angetrieben von unterhaltungshungrigen Verbrauchern, die während der COVID-19-Pandemie zu Hause Schutz suchten, beliefen sich die digitalen Home-Entertainment-Transaktionen durch Electronic Sell Thru (EST) und Video-on-Demand (Anm. d. Redaktion: gemeint ist TVoD) im März 2020 auf 596 Mio. Dollar, was einer Steigerung von 48 Prozent gegenüber März 2019 entspricht." Höhere Ausgaben für die beiden Distributionskanäle wurden in einem Einzelmonat bisher nicht gemessen. Mehr Beweiskraft dafür, dass die Coronakrise digitales Home Entertainment befeuerte, braucht es wohl nicht.

Insgesamt gaben US-Konsumenten im ersten Quartal 2020 für digitales und physisches Home Entertainment 6,94 Mrd. Dollar aus. Eine knappe Mrd. mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres (6,04 Mrd. Dollar). Dies entspricht einem Wachstum von 15 Prozent. Kaum zu fassen in Zeiten, da während der Corona-Einschränkungen komplette Branchen sich mit Mindereinahmen auseinandersetzen mussten. Und Geschäftszweige wie Kinos sogar auf null fielen. Zur Erinnerung: Dass Boxoffice, das im Zeitraum Januar bis März noch eingefahren werden konnte, belief sich auf 2,76 Mrd. Dollar. (minus 4,55 Prozent). Dass ein Vergleich zwischen Kino- und Videoeinnahmen grober Unfug wäre, versteht sich von selbst.

Dass Subscription Streaming, also SVoD, einmal mehr die Lokomotive unter den Verwertungskanälen für Bewegtbildinhalte im Berichtszeitraum war, machen die ausgewiesenen Zahlen sehr deutlich: So gaben laut DEG US-Bürger für Flatrate-Angebote 4,55 Mrd. Dollar aus. Im Vorjahreszeitraum wurde fast eine Mrd. Dollar weniger für bezahlpflichtige Abo-Streamer ausgegeben. Somit beträgt das SVoD-Wachstum sage und schreibe 27 Prozent. Was weniger verblüfft, wenn man im Hinterkopf hat, dass allein Netflix im ersten Quartal im Heimatmarkt mehr Abonnenten als erwartet gewinnen konnte.

Trotzdem liefert das boomende SVoD-Geschäft nicht die eigentliche Überraschung. Vielmehr war es die digitale Ausleihe, sprich Transactional Video on Demand (TVoD), das unerwartet performte. In diesen Kanal investierten Konsumenten im ersten Quartal 2019 564 Mio. Dollar. Im aktuellen Auswertungszeitraum waren es 674 Mio. Dollar - ein Plus von 19,47 Prozent. Die DEG weist daraufhin, dass in den Zahlen nicht Ausgaben für Premium Video on Demand (PVoD) enthalten sind. Warum auch immer. Bekanntlich wurden Filme, die kaum oder gar nicht im Kino ausgewertet wurden ("Der Unsichtbare", "Trolls World Tour") entgegen der normalen Praxis auf Portalen wie iTunes ausgewertet. Für sie war eine Gebühr bis 19,99 Dollar fällig. Daher: Inklusive PVoD wäre das TVoD-Ergebnis noch um einiges besser ausgefallen.

Einen zweistelligen Zuwachs gab es auch für die Kaufdownload-Schiene, also EST: Die Ausgaben kletterten von 665 auf 749 Mio. Dollar - ein Plus von 12,6 Prozent. Alle drei digitalen Distributionsarten zusammen generierten einen Umsatz von 5,979 Mrd. Dollar. Was bedeutet: 86,1 Prozent der Home Entertainment-Ausgaben entfielen auf Video on Demand.

Immer weiter ins Hintertreffen gerät die physische Vermarkung. Mit dem Verkauf von DVDs und Blu-rays wurden im ersten Quartal nur noch 637,8 Mio. erwirtschaftet (minus 22,43 Prozent). Der physische Verleih fiel auf 324,5 Mio. Dollar (minus 18,6 Prozent).