Kino

UPDATE: Dringender Finanzierungsbedarf bei Ymagis

Die Bekanntgabe der Quartalszahlen von Ymagis wird von der Tatsache überschattet, dass der Dienstleister dringend Finanzmittel in Höhe von 16 Mio. Euro benötigt - anderenfalls müsse bereits kurzfristig ein sogenanntes Sicherungsverfahren eingeleitet werden, das in Frankreich Unternehmen offen steht, die auf die Zahlungsunfähigkeit zusteuern. Hoffnung machten unterdessen erste Erfahrungen beim Weg aus der Corona-Krise.

29.05.2020 10:41 • von Marc Mensch
Ymagis-CEO Jean Mizrahi (Bild: Ymagis)

Dass die Zahlen des auf den Film- und Kinosektor spezialisierten Dienstleisters Ymagis erheblich unter der weltweiten Corona-Krise leiden würden, war keine Frage. Und obwohl die Krise abseits von China erst ab März auf ihre vollen globalen Auswirkungen zusteuerte, litten nach Angaben des Unternehmens bereits die Zahlen des ersten Quartals unter Maßnahmen wie Kinoschließungen und der Verschiebung bzw. Absage von Neustarts.

So sank der Quartalsumsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 35 Prozent auf 27,4 Mio. Euro, wobei der größte Teil des Rückgangs auf die weitestgehend planmäßige Entwicklung des VPF-Geschäfts entfiel, das um 63 Prozent nachgab. Der Geschäftsbereich CinemaNext verzeichnete 28 Prozent weniger Umsatz (5,2 Mio. Euro) und bei Eclair betrug der Rückgang 28 Prozent (9,9 Mio. Euro) wobei sich hier auch der Verkauf von Eclair Cinema Anfang des Jahres niederschlägt. Noch kaum bemerkbar machen sich in der Bilanz die neuen Aktivitäten von Ymagis, die im erste Quartal nur rund 100.000 Euro an Umsatz beisteuerten, vorrangig über das VR-Projekt Illucity.

Sind die Zahlen ohnehin nicht gut, werden sie im zweiten Quartal, das noch deutlich stärker von der Corona-Krise geprägt ist, aller Wahrscheinlichkeit nach nicht besser ausfallen. Und grundsätzlich wird die Vorlage der Umsatzzahlen von der Tatsache überschattet, dass Ymagis nach eigenen Angaben dringenden Finanzierungsbedarf hat. So benötige der Dienstleister dringend Finanzmittel in Höhe von 16 Mio. Euro, anderenfalls müsse bereits kurzfristig ein sogenanntes Sicherungsverfahren eingeleitet werden, das in Frankreich Unternehmen offen steht, die auf die Zahlungsunfähigkeit zusteuern. Ein solches Verfahren könnte sich laut Ymagis negativ auf den Bestand der Gruppe und die rund 750 Mitarbeiter auswirken.

Ymagis befindet sich derzeit noch in Verhandlungen mit den Banken, hat bislang aber keine Zusage zur Gewährung von zu 90 Prozent über staatliche Bürgschaften abgesicherten Krediten erhalten. Ymagis hat sich bereits an die französische Regierung gewandet, um jene Finanzierung zu erhalten, die man benötige, um durch die aktuelle Krise zu kommen.

So zeigt sich das Unternehmen auch zuversichtlich, dass der Kinosektor weltweit zu alter Stärke zurückfinden werde, sobald die Krise überwunden sei. Darauf deuteten bereits jetzt erste Erfahrungen aus europäischen Märkten wie Dänemark hin, in denen Kinos wieder eröffnet haben. Mit dem nun in zahlreichen Ländern beginnenden Neustart des Sektors werde die Rolle von Dienstleistern wie Ymagis wieder so wichtig wie vor der Krise, heißt es seitens des Unternehmens.

UPDATE: Einer weiteren Pressemitteilung auf der Unternehmens-Website zufolge, die dort nur in farnzöischer Sprache vorliegt, erklärt Ymagis, dass sich die Veröffentlichung des Jahresergebnisses 2019 (die für den 28. Mai vorgesehen war) verzögert. Demnach hätten die Wirtschaftsprüfer vor dem Hintergrund der Tatsache, dass die Kontinuität des Betriebes bei einer Versagung der oben genannten Darlehen nicht garantiert werden könne, ein Warnverfahren auslösen wollen.