Kino

LimeLight PR: Aus Eins mach Zwei

Die Berliner LimeLight PR wird künftig allein von Martin Wieandt geführt. Firmengründerin Petra Schwuchow macht sich nah 16 Jahren mit einer neuen Agentur selbstständig. Eng verbunden bleiben will man dennoch, wie die beiden im Gespräch erklären.

28.05.2020 08:35 • von Thomas Schultze
Petra Schwuchow und Martin Wieandt gehen künftig getrennte Wege, bleiben einander jedoch verbunden (Bild: Florian Liedel / LimeLight PR)

Die Berliner LimeLight PR wird künftig allein von Martin Wieandt geführt. Firmengründerin Petra Schwuchow macht sich nah 16 Jahren mit einer neuen Agentur selbstständig. Eng verbunden bleiben will man dennoch, wie die beiden im Gespräch erklären.

Der Coronakrise zum Trotz: Es gibt Neuigkeiten bei Limelight...

Petra Schwuchow: Das stimmt. Tatsächlich wollten wir schon früher damit an die Branchenöffentlichkeit, zumal wir diesen Schritt seit fast einem Jahr planen. Durch die Coronakrise und den Lockdown haben sich die Pläne aber auch nochmal verändert und es musste an verschiedenen Stellen noch nachgebessert werden. Aber wir können jetzt den Blick wieder nach vorne richten.

Wie wird der aussehen?

Petra Schwuchow: Wir haben beschlossen, die Agentur aufzuteilen. Schon bei der Gründung von LimeLight im Jahr 2006 haben wir mit Bedacht verschiedene Geschäftsfelder aufgebaut. Es gab bei uns nie nur Kino oder Fernsehausstrahlung. In den ersten Jahren haben wir die Deutsche Filmakademie von Presseseite betreut. Sehr bald kamen auch SchauspielerInnen dazu, beginnend mit Karoline Herfurth. Mittlerweile ist es ein Stamm von mehr als zehn Filmschaffenden, darunter Jella Haase, Mala Emde, Floriane Daniel, Tom Lass, Emma Drogunova und Katharina Wackernagel. Mir war klar, dass man mit einer modernen Agentur auf mehreren Beinen stehen muss, damit man eben nicht gleich vor dem Nichts steht, wenn einmal ein Kinofilm verschoben wird. Gerade die letzten Monate haben uns gezeigt, dass das betriebswirtschaftlich nicht der falsche Ansatz ist. Wenn wir ausschließlich Presse für Kinostarts machen würden, hätten wir diese Zeit vermutlich nicht überstanden. Gleichzeitig haben wir in den letzten 14 Jahren miterlebt, wie jedes dieser Geschäftsfelder für den Bereich PR förmlich explodiert ist. Zum Beispiel im Bereich der Online-PR, die damals, als wir an den Start gingen, eine Verlängerung von Promotion war. Heute ist Online-PR wirklich redaktionelle Arbeit. Social Media ist ein riesiges Thema, das eine immer größere Rolle spielt und entsprechend bedient werden muss. Und es muss zugleich schneller und umsichtiger agiert werden. Seitdem Martin Anfang 2013 als weiterer Geschäftsführer in die Firma gekommen ist, haben wir gemeinsam diese Entwicklung stets genau verfolgt und miteinander diskutiert. Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass es unmöglich ist, all unsere verschiedenen Geschäftsfelder weiter umfassend und unseren Ansprüchen gemäß in nur einer Agentur abzudecken.

Martin Wieandt: LimeLight ist in den letzten Jahren noch einmal stark gewachsen. Nachdem zunächst vor allem der deutsche Film Priorität genoss, ist nun auch der internationale Film, sowohl von deutschen Verleihern als auch von den Hollywoodstudios, als wichtiges Standbein dazugekommen. Dazu kommt natürlich auch der TV-Bereich, Streaming, Serien auf all den verschiedenen Auswertungsplattformen. Es lässt sich nach außen kaum mehr darstellen, für was LimeLight in dieser Vielzahl an Anforderungen genau steht. Deshalb haben wir schon letztes Jahr beschlossen, künftig unter zwei Dächern als Partneragenturen, jeweils mit einem klareren Profil, weiterzumachen. Die Idee und Hoffnung dabei ist, dass das Ergebnis mehr als die Summe der einzelnen Teile ist.

Petra Schwuchow: Wir haben uns noch einmal neu sortiert und die Geschäftsfelder in einem jeweils kleineren Geschäftsmodell untereinander aufgeteilt. Das war relativ einfach, denn ein bisschen konnten wir dabei auch unseren persönlichen Neigungen folgen. Martin brennt mehr für den internationalen Film, die Arbeit mit den Majors und Streaming. Mein Herz schlägt für den deutschen Film und das Independent Kino, für Arthouse und Dokumentarfilme. Und für die direkte Arbeit mit Filmschaffenden, vor allem in der Künstler-PR. Entsprechend wird Martin als alleiniger Geschäftsführer LimeLight in größerer Struktur weiterführen und ich mit einer neuen Agentur, der Lilie2A PR, nochmal einen Neuanfang wagen. Der Name ist übrigens an die Adresse angelehnt. Ab 1. Juli soll es losgehen im neuen Büro. Die ersten Projekte sind auf eine Teamgröße von ein bis drei MitarbeiterInnen ausgelegt, wobei ich möglichst flexibel und agil aufgestellt sein möchte und schon zwei erfahrene Kolleginnen an meine Seite geholt habe.

Was genau bedeutet das?

Martin Wieandt: LimeLight PR bleibt die Heimat für viele Filme und Serien mit einer Präferenz für Mainstreamprojekte - wie im letzten Jahr beispielsweise Rocketman" und "John Wick: Kapitel 3". Genauso möchten wir weiterhin auch große deutsche Filme betreuen und arbeiten bereits an der ersten großen, umfassenden PR-Kampagne mit Wild Bunch. Was uns künftig mehr interessieren wird, ist das Digitale sowohl im Kino wie auch Streaming. Außerdem gehört weiterhin auch die PR-Betreuung von Hollywoodproduktionen in der Hauptstadtregion dazu, wie zuletzt bei Without Remorse". Im Bereich Online und Soziale Medien sind wir bereits gut aufgestellt, werden aber ebenfalls weitere Schritte unternehmen, um die jeweiligen Zielgruppen noch direkter erreichen und ansprechen zu können.

Petra Schwuchow: Ein paar Auftraggeber und die Künstler-PR werden mit in die Lilie2A umziehen, aber ich möchte auch wieder mit neuer Perspektive an die Sache herangehen. Zugleich werde ich natürlich immer nahe bei LimeLight bleiben, nicht nur räumlich: Die neuen Büros befinden sich tatsächlich nur eine Straße weiter. Ich bleibe Teilhaberin, steige jedoch komplett aus dem operativen Geschäft und vor allem der Geschäftsführung bei LimeLight aus, um mich mit der neuen Firma wieder ausschließlich auf die inhaltliche Arbeit zu konzentrieren. Ein Projekt, für das ich brenne, ist beispielsweise der großartige Dokumentarfilm "Die Unbeugsamen" von Torsten Körner, an dem ich schon seit ein paar Monaten arbeite. Ich bleibe also weiterhin an der Seite des Majestic Filmverleihs. Ansonsten wird mein Augenmerk in den ersten Monaten den Schauspielern und Filmschaffenden gehören. Und auch die sehr lebendige Arbeit für Filmfestivals möchte ich weiter fortführen. Zugleich möchte ich die neue Agentur gezielt klein und wendig halten. Vergrößerung und Wachstum sind kein Thema.

Martin Wieandt: Wachstum ist auch bei LimeLight kein Selbstzweck. Wir werden auf die Anforderungen reagieren. Wenn wir das Team vergrößern müssen, um die Arbeit bestmöglich umzusetzen, dann werden wir das tun. Es ist aber kein Dogma. Relevant ist, gute Arbeit abzuliefern, mit Leidenschaft und auf Augenhöhe mit unseren Auftraggebern. Wir verstehen uns als kritische Partner und Freunde. Wenn überhaupt, dann streben wir professionelles Wachstum an. Es geht um Nachhaltigkeit.

Gibt es künftig Schnittstellen zwischen LimeLight und Lilie2A?

Petra Schwuchow: Die Schnittstelle sind wir beide, Martin und ich.

Martin Wieandt: Unsere Agenturen ergänzen sich im Profil und können auf diese Weise allen Auftraggebern punktgenau das anbieten, was sie für ihr Projekt suchen. Es gibt da keine Eitelkeiten. Beide Agenturen haben ihren eigenen Bereich, wir kommen uns nicht in die Quere, können uns aber jederzeit gegenseitig unterstützen.

Wie ist das Feedback aus der Branche?

Petra Schwuchow: Sehr positiv. Und erfreulich unterstützend und neugierig. Für uns fühlt es sich gut an und für unsere Auftraggeber wie es aussieht auch. Durch die Aufteilung können wir beide wieder fokussieren und erhoffen uns auch, Raum zu gewinnen für neue Impulse.

Das heißt?

Petra Schwuchow: Ich habe zum Beispiel immer schon gern, am liebsten noch vor Drehbeginn, darüber nachgedacht, wie man einen Film am Besten in die Öffentlichkeit bringen kann. Was für ein Potential er hat. Welche thematischen Schwerpunkte er setzt. Und es sehr genossen, wenn aus diesen Ideen Realität wurde. Ähnlich denke ich auch in der Zusammenarbeit mit den Künstlern oder den Festivals und Events, die ich betreue. Es ist eine sehr individuelle, behutsame, aber inhaltlich klar durchdachte Annäherung an die Aufgabenstellungen, die ich mag. Und ich hatte schon oft das Glück zu erleben, dass ein kleines erfahrenes Team auf beiden Seiten, das die Möglichkeit hat, ohne langwierige Abstimmungsprozesse zu agieren, dann enorm viel bewegen kann. Das macht mir Spaß. Eine gute Mischung aus jahrelanger Erfahrung und großer Neugier, gern auch eine gute Prise Mut, neue Wege zu beschreiten, macht die Arbeit erst lebendig und wenn alles gut läuft, wird es ein großer Erfolg. Das haben wir beide verinnerlicht.

Martin Wieandt: Wir erleben schon lange, dass PR und Marketing, die früher in getrennten Silos angesiedelt waren, immer mehr miteinander verschmelzen. Und das ist auch gut so, denn die Marketingprofis erkennen heute an, dass PR-Leute eine Storytelling-Kompetenz haben, von der sie sich eine Scheibe abschneiden können. Und die PR-Leute haben im Gegenzug gelernt, auch mal zu rechnen und den Erfolg zu messen. Bei vielen Kunden dürfen wir immer öfter journalistische Kompetenz in Fragen einbringen, die eigentlich klassische Marketingthemen waren. Ein Beispiel wäre Starzplay, ein Streaminganbieter, den LimeLight seit zwei Jahren betreut und den wir auch zum Thema Werbung beraten. Ein weiteres schönes Beispiel ist der Podcast "Echt Jetzt!", den wir für Sky konzipiert haben - und den wir im April dann in Windeseile auch umsetzen durften. Genauso spannend dürfte das Thema Corporate Newsroom werden, das bei Dax-Unternehmen schon lange ein Trend ist, das aber auch unsere Branche erreicht.

Petra Schuchow: Hier spürt man schon unsere verschiedenen Formen der Annäherung. Darüber werden wir weiter im engen Austausch bleiben. Und bei dem ein oder anderen Projekt steht auch eine Zusammenarbeit beider Agenturen im Raum. Wir stehen am Ende und am Anfang einer schönen Entwicklung. Und das trotz der Ereignisse der letzten drei Monate. Ich bin gespannt und freue mich persönlich sehr auf das, was daraus werden kann.

Sie hatten diesen Schritt bereits vor Corona geplant. Inwiefern hat diese Krise Ihre geplante Ausrichtung verändert? Wird es weitergehen wie geplant?

Petra Schwuchow: Es hat schon noch ein paar Veränderungen in der ursprünglichen Planung gegeben. Aber mittlerweile sehe ich es so, dass es auch an ein Wunder gegrenzt hätte, wenn ein Plan so bleibt, wie man ihn sich vor fast einem Jahr ausgedacht hat, wenn man bedenkt, was in den letzten Monaten vor sich gegangen ist. Ich musste auf dem Weg eine sehr lieb gewordene Idee, auf die ich mich sehr gefreut hatte, erstmal begraben. Wie schwer mir sowas fällt, weiß jeder, der mich kennt. Im positiven Sinne erstaunlich finde ich allerdings, und das gilt nicht nur für die neuen Agenturpläne, wie schnell das Umdenken einsetzt und wie sich dann plötzlich wieder ganz neue Wege ergeben, wenn es sein muss.

Martin Wieandt: Für mich hat sich die Ausrichtung nicht verändert. Aber vielleicht der Ausblick. An der Nachfrage nach großen Geschichten, ob als Film oder als Serie, wird sich so schnell nichts ändern. Trotzdem ist natürlich im Moment vieles noch stark verlangsamt. Gleichzeitig verspüre ich auch eine Lust des Publikums auf komplexe Themen, die das PR-Herz höherschlagen lässt. Ich bin sehr gespannt, wie die Entertainmentwelt Ende des Jahres aussehen wird. Aber jetzt hoffen Petra und ich vor allem, dass wir bald wieder ins Kino dürfen.

Das Gespräch führte Thomas Schultze.