Kino

Thüringen strebt weitreichende Lockerungen der Corona-Maßnahmen an

Ministerpräsident Bodo Ramelow will dem Kabinett am morgigen Dienstag einen (sehr umstrittenen) Vorschlag zur weitgehenden Beendigung der Corona-Beschränkungen in Thüringen ab dem 6. Juni vorlegen. Damit stünden nach derzeitigem Stand morgen in drei Bundesländern Beschlüsse über Termine u.a. zu Kino-Wiedereröffnungen an. Dort, wo der Betrieb bereits erlaubt ist, zögern die Betreiber indes.

25.05.2020 15:02 • von Marc Mensch
Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Bild: Thüringer Staatskanzlei)

Thüringen könnte nach derzeitigem Stand die entschiedensten Schritte zur Lockerung der Corona-Maßnahmen gehen. Tatsächlich sollen die Beschränkungen nach Vorstellung von Ministerpräsident Bodo Ramelow mit dem Auslaufen der aktuell und bis einschließlich 5. Juni geltenden Verordnung (Sie finden sie hier unter dem Reiter "Thüringer SARS-CoV-2-Maßnahmenfortentwicklungsverordnung") in weitreichendem Umfang fallen. Einen Vorschlag zur weitgehenden Beendigung der Corona-Beschränkungen in Thüringen ab dem 6. Juni wolle er am morgigen Dienstag dem Kabinett vorlegen. Diese Vorschläge sehen nach übereinstimmenden Medienberichten vor, das auf ansteigende Infektionsraten mit lokalen Maßnahmen reagiert werden soll.

Zum Beweggrund für die Lockerungen erklärte Ramelow gegenüber der "Bild am Sonntag": "Wir haben im März auf der Grundlage von Schätzungen von 60.000 Infizierten entschieden - jetzt haben wir aktuell 245 Infizierte", wobei sich Ramelow dem MDR zufolge mit letzterer Zahl auf die Neuinfektionen innerhalb der vergangenen zwölf Tage bezogen habe.

Ramelows Vorstoß ist alles andere als unumstritten. Während beispielsweise Thüringes Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee lediglich verhalten positiv reagierte, kam unter anderem aus Bayern scharfe Kritik. "Die bayerische Staatsregierung ist entsetzt, dass elementare Schutzmaßnahmen nun aufgegeben werden sollen", sagte Florian Herrmann als Leiter der Bayerischen Staatskanzlei gegenüber der dpa und sprach von einem "hochgefährlichen Experiment".

Nach der aktuell geltenden Verordnung ist der Kinobetrieb in Thüringen noch bis 5. Juni untersagt, eine Wiedereröffnung ab 6. Juni sollte auch dann möglich sein, wenn die Lockerungen nicht so umfangreich ausfallen wie von Ramelow ins Gespräch gebracht. Zunächst hatte es schon Anfang Mai geheißen, Thüringens Kommunen würde bereits kurzfristig weitreichende Verantwortung über die Lockerung von Corona-Auflagen auch hinsichtlich des Betriebs von Kinos übertragen, dies hat sich nach dem Wortlaut der aktuell noch geltenden Verordnung bislang allerdings nicht bewahrheitet.

Dementsprechend lautet der aktuellste Stand zu den Kino-Wiedereröffnungen:

9. Mai: Hessen

15. Mai: Sachsen

18. Mai: Saarland, Schleswig-Holstein

25. Mai: Mecklenburg-Vorpommern

27. Mai: Rheinland-Pfalz

28. Mai: Sachsen-Anhalt (vorbehaltlich Beschluss am 26.05.)

30. Mai: Nordrhein-Westfalen

1. Juni: Baden-Württemberg (vorbehaltlich Beschluss am 26.05.)

6. Juni: Thüringen (vorbehaltlich Beschluss am 26.05.)

Unterdessen hat der Großteil der Kinounternehmen (insbesondere auch die großen Ketten) die frühen Termine in Hessen, Sachsen, Saarland und Schleswig-Holstein bislang nicht für eine unmittelbare Wiedereröffnung genutzt, zu groß sind vor allem die Bedenken hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit eines Betriebs unter den aktuellen Rahmenbedingungen. Aus der Branche verlautet, dass bundesweit bislang gut 40 reguläre Kinos den Spielbetrieb wieder aufgenommen hätten, weitere Eröffnungen sind für die Zeit nach Pfingsten angestrebt.