Festival

DOK.fest-Publikumspreis geht nach Ungarn

Am Freitagabend ist mit dem Publikumspreis der letzte im Rahmen der Online-Ausgabe des DOK.fest München vergebene Preis verliehen worden. Mit mehr als 75.000 Zuschauer*innen wurden die Erwartungen der Veranstalter bei Weitem übertroffen.

25.05.2020 08:21 • von Jochen Müller
Éva Fahidi und der Tänzerin Emese Cuhorka (Bild: DOK.fest München)

The Euphoria of Being" ist am Freitagabend mit dem vom Kinomagazin des Bayerischen Rundfunks, "kinokino", und 3sat vergebenen Publikumspreis des DOK.fest München ausgezeichnet worden. Über die in diesem Jahr einmalig mit 2.000 Euro dotierte Auszeichnung stimmten die Zuschauer des in diesem Jahr online ausgetragenen DOK fest München ab.

Pro Film konnten fünf Punkte vergeben werden; "The Euphoria of Being" erhielt im Durchschnitt 4,82 Punkte.

Regisseurin Réka Szabó stellt darin die 90-jährige Eva Fahidi in den Mittelpunkt, die mit 18 Jahren mit ihrer Familie nach Auschwitz deportiert worden war und als Einzige überlebt hatte. Inspiriert von Fahidis Autobiografie "The Soul of Things" studiert die Tänzerin Ernese Cuhorka mit Fahidi eine Tanzperformance ein, die von deren Leben erzählt. Der Film dokumentiert die monatelange Probearbeit, während der sich eine intensive Beziehung zwischen den drei Frauen entwickelt hat und Fahidi durch die wieder aufkommenden Erinnerungen immer wieder an ihre psychischen Grenzen kam.

Wie es in der Abschlussmitteilung des DOK.fest München heißt, hätten mehr als 75.000 Zuschauer*innen die Filme des DOK.fest München @home gesehen.

Die Erwartungen aller Beteiligten seien bei Weitem übertroffen worden, wie Festivalleiter Daniel Sponsel betont: "Wir haben sehr viel positive Resonanz zu den 121 Filmen erfahren und auch zu den rund 80 Videogesprächen mit Filmschaffenden und Protagonisten aus aller Welt - so viele, umfassende Gespräche konnten wir bei den regulären Festival-Editionen noch nie führen. Nicht nur die Zahlen sind überwältigend, sondern auch die Unterstützung unserer Förderer und Partner sowie das Feedback unserer Zuschauerinnen und Zuschauer. Es wurde unglaublich positiv aufgenommen, dass wir das Festival trotz der schwierigen Umstände veranstaltet haben. Uns ist in nur sechs Wochen der Umzug ins Netz gelungen und wir können davon ausgehen, durch die weitreichenden Möglichkeiten der Online-Edition auch ein ganz neues Publikum für die narrativen, abendfüllenden Dokumentarfilme gewonnen zu haben. Das DOK.fest München hat sich mit seinem Programm in das hart umkämpfte Umfeld der Online-Präsenz begeben, auf dem wir als neuer Anbieter eigentlich nur verlieren konnten. Nun beweist uns der hohe Zuspruch, dass dieser Markt offen ist für diese herausragenden Filme und dass die Zuschauer.innen bereit sind, dafür regulär zu bezahlen. 51 Prozent der Tickets wurden sogar mit dem Solidaritätsbeitrag für unsere Partnerkinos verkauft. Das DOK.fest München ist endgültig im digitalen Zeitalter angekommen und wird in allen Bereichen - dem Festival selbst, der Branchenplattform DOK.forum und der Bildungsplattforum DOK.education - die wertvollen Erfahrungen aus dieser Edition für seine weitere Entwicklung nutzen. Wenn unsere Förderer, Partner und die Branche dazu bereit sind, werden wir im kommenden Jahr in großem Stil den Beweis antreten, dass sich die Präsenz und die Auswertung von Dokumentarfilmen im Kino und im Netz gegenseitig nicht nur ergänzen, sondern sogar stärken können. Wir sind uns dabei der Verantwortung bewusst, die wir als Festival gegenüber den Urheberinnen und Urhebern jedes einzelnen Films, gegenüber der Branche und nicht zuletzt auch anderen Festivals weltweit haben."

"Ein größeres Publikum als je zuvor" hatte laut Mitteilung des DOK.fest München das Kinder- und Jugendprogramm DOK.education mit 3.000 Online-Zuschauer*innen. Zum Vergleich: 2019 waren es bei der physischen Ausgabe 2.300 Besucher*innen gewesen.

An der Branchenplattform DOK.forum nahmen rund 170 Expert.innen und Teilnehmer.innen mit Projekten in Entwicklungsstadium teil. Mehr als 1.000 Filmschaffende aus aller Welt kamen zu den Online-Workshops und -Diskussionen.