Kino

UPDATE: "Es wäre nur gerecht, dass jeder einen Beitrag leistet"

Wolfram und Laura Weber haben auf Hans-Joachim Flebbes Vorschlag zur Entlastung von Kinobetreibern reagiert und stellen daran angelehnt ein eigenes Konzept vor. Zudem machen sich die Cinecitta-Betreiber Gedanken über Eröffnungstermin und Wiederanlaufphase. Flebbe wiederum reagierte umgehend - und zustimmend.

22.05.2020 12:26 • von Marc Mensch
Laura und Wolfram Weber (Bild: Cinecitta)

In einem Leserbrief an Blickpunkt: Film hatte Hans-Joachim Flebbe vor wenigen Tagen die aus seiner Sicht enorm schwierigen Rahmenbedingungen, unter denen Kinos die kommenden Monate überstehen müssen, skizziert - und gleichzeitig einen Vorschlag gemacht, wie der Branche effektiv unter die Arme gegriffen werden könnte.

Zum Brief von Hans-Joachim Flebbe.

Diesen Beitrag nahmen Wolfram und Laura Weber, die unter anderem mit dem Cinecitta eines von Deutschlands erfolgreichsten Multiplexen betreiben, zum Anlass, auf die Vorschläge zu reagieren und daran angelehnt ein eigenes Konzept ins Feld zu führen. Zudem machen sie sich Gedanken über den Umgang mit der Wiedereröffnungsphase.

Ihr Beitrag im Wortlaut:

"Mit Interesse haben wir heute H.J. Flebbes Beitrag zur Situation der Kinos und seinen Vorschlag zur Erhaltung der deutschen Kinolandschaft gelesen: Wir stimmen mit ihm überein, dass die fortlaufenden Mietzahlungen bei Stillstand oder auch eingeschränktem Betrieb während der Phase des Wiederhochfahrens einen Großteil der finanziellen Probleme verursachen. Wenn allerdings nun der Staat die Mietzahlungen für vier bis fünf Monate übernimmt, würde das bedeuten, dass der Steuerzahler diese Last zu tragen hätte. Die Vermieter der meisten Kinos sind Investoren, z.B. Versicherungen, Immobiliengesellschaften oder private Investoren; das Geld der Steuerzahler würde also dazu dienen, diese Investoren so zu behandeln, dass diese durch die Corona Krise überhaupt nicht belastet würden, was sicher nicht als sinnvolle Maßnahme angesehen werden kann und auch dem normalen Steuerzahler nicht vermittelbar wäre.

Unser Vorschlag wäre deshalb, über eine staatliche Regelung zu gewährleisten, dass die Mietzahlungen für die Zeit des Lockdowns komplett ausgesetzt und für die Periode des Wiederhochfahrens auf einen Anteil von z.B. 50 Prozent herabgesetzt werden. Die Investoren können über günstige KfW-Kredite den Einnahmeausfall kompensieren und haben dann etwas länger Schulden, was aber verkraftbar erscheint. Es wäre nur gerecht, dass jeder einen Beitrag zur Bewältigung der Naturkatastrophe, die über die Welt hereingebrochen ist, leistet; bisher wurden durch die staatlichen, Maßnahmen Investoren von Mietobjekten geschont, da Mieten nur gestundet werden können. Eine Verpflichtung für Banken, Kreditlaufzeiten entsprechend zu verlängern, um Mietausfälle auszugleichen, könnte auch gesetzlich geregelt werden.

Das Mietverhältnis könnte, um die Zeit des kompletten Ausfalls verlängert werden, wenn eine oder beide Parteien das wünschen.

Im Fall Cinecitta' decken sich Betreiber und Investor: Wir haben als Investor einen KfW-Kredit beantragt und können dadurch den Wegfall der Betriebs-Einnahmen während des Lockdowns und die zu erwartenden geringen Einnahmen nach der Wiedereröffnung ausgleichen. Natürlich ist dann ein entsprechend längerer Zeitraum nötig, um Schuldenfreiheit zu erzielen. Bei kleineren Objekten, die nicht von Investoren, sondern von Familienunternehmen oder Hausgemeinschaften vermietet werden, dienen die Mietzahlungen der Kinos meist nicht zur Deckung des Lebensunterhalts, sondern stellen Zusatzeinnahmen dar, auf die auch für einige Zeit verzichtet werden könnte.

Im Augenblick sind Mieter auf das Wohlwollen der Vermieter angewiesen. Oft ist ein Verzicht auf Mietzahlung nicht oder nur zu 50 Prozent durchsetzbar, oft wird auch nur Stundung der Mietzahlung gewährt, was das Problem jedoch nur verlagert. Auf jeden Fall müsste eine gesetzliche Regelung betr. der Mietzahlungen getroffen werden, um zu vermeiden, dass Unternehmen mit hohen Mieten und null bzw. reduzierten Einnahmen ohne staatliche Hilfe insolvent werden oder dass die Steuerzahler für momentane Renditeminderung von Investoren aufkommen müssen.

Im Gegensatz zu anderen Bundesländern gibt es in Bayern ja noch keinen offiziellen Termin für den Neustart der Kinos. Bei uns sind seit Montag nun die Außenbereiche der Restaurants und Café-Bars geöffnet, natürlich mit Abstand, reduziertem Platzangebot und unter Einhaltung der Hygienevorschriften. Am 25.5. werden dann die Innenbereiche der Restaurants und Café-Bars folgen. Eine Wiedereröffnung der Kinos ist ab 27.5. bzw. ab 4.6. angestrebt, voraussichtlich ist ab 27.5. das Open Air Kino auf dem Dach des Cinecitta' mit 81 Plätzen bereits geöffnet (geplante Termine wären: 27.5. "Joker" / 28.5. Nightlife" / 29.5. "Die Känguru-Chroniken" / 30.5. Bad Boys for Life" / 31.5. Knives Out" / 1.6. "Der Unsichtbare" / 2.6. "Parasite").

Ein koordinierter, bundesweiter Termin für den Neustart der Kinos - wie er von den Verbänden gefordert wird - ist unserer Ansicht nach nur für die großen Erstaufführungen notwendig, nicht für die Übergangsphase. Es ist ja nicht zu erwarten, dass die Besucher von Tag 1 an in die Kinos strömen werden, sondern dass sie erst wieder langsam herangeführt werden müssen; dass Kino einen sicheren Ort darstellt, kann während einer solchen Übergangsphase dem Publikum vermittelt werden. Wir haben deshalb bereits einen Schutz-und Hygieneplan erarbeitet und auf unserer website veröffentlicht (www.cinecitta.de/de/Kundeninformation-in-Corona-Zeiten-7763.html), um den Besuchern die Ängste zu nehmen, aber es wird natürlich eine gewisse Zeit dauern, bis sich das Publikum an die "neue Normalität" gewöhnt hat.

In der Übergangszeit nach der Wiedereröffnung bis zum Start von großen Filmen ist geplant, außer den Titeln, die vor dem Lockdown im Programm waren und weiter ausgewertet werden können, vor allem Filme aus dem Repertoire zu zeigen. Besonders im Cinemagnum auf der Mega-Leinwand soll ein attraktives, vielfältiges Programm angeboten werden. Der Erfolg der Autokinos beweist, dass solch ein Programm durchaus auf Interesse stösst.

Außerdem kann das Kino in einer Zeit, in der das reguläre Programm Spielräume frei lässt, eine Funktion als "Kulturforum" übernehmen: statt Opern aus der Met oder Ballettaufführungen des Bolshoi Theaters können lokale und überregionale Kulturveranstaltungen in die Kinosäle übertragen werden. Von den Nürnberger Kulturschaffenden und -Institutionen wurde das Konzept positiv aufgenommen; wir werden das Streaming organisieren und auch anderen Kinos zur Verfügung stellen.

Vielleicht bewahrheitet sich ja doch, zumindest in einigen Bereichen, die vielbeschworene Hoffnung, dass die Krise auch eine Chance darstellt..."

Hans-Joachim Flebbe hat seinerseits umgehend geantwortet - und lobt den "völlig richtigen Ansatz". Wörtlich schrieb er:

"Hallo Wolfram, Dein Vorschlag gefällt mir. Mir ging es in erster Linie darum, die Liquidität für die Kinobetreiber zu erhalten, Du hast auch den nächsten Schritt beachtet. Dass die Immobilienbesitzer auch einen Beitrag zur Krisenbewältigung liefern sollten und nicht nur der Staat bzw. die Steuerzahler, ist ein völlig richtiger Ansatz. Mal sehen, ob unsere Vorschläge auf fruchtbaren Boden fallen."