Kino

UPDATE 2: Baden-Württemberg: Verwirrung um Kino-Öffnungen

Auch wenn die seit gestern geltende aktuelle Corona-Verordnung des Landes Baden-Württemberg Kinoschließungen über den 1. Juni hinaus anordnet, soll ein Betrieb mit unter 100 Personen weiterhin ab diesem Tag möglich sein. Die dazu notwendige Kabinettsentscheidung soll allerdings erst sehr kurzfristig fallen.

13.05.2020 18:34 • von Frank Heine
Baden-Württembergs Kunstministerin Theresia Bauer (Bild: LR Baden-Württemberg)

UPDATE 2: Mittlerweile hat das Ministerium geantwortet. Auch wenn Kinos im Masterplan an der entsprechenden Stelle, anders als die anderen in der Pressemitteilung aufgeführten Kulturveranstaltungen, keine Erwähnung mehr fanden, soll tatsächlich noch beschlossen werden, dass Veranstaltungen mit unter 100 Personen (und darunter explizit auch Kinovorführungen) bereits ab 1. Juni - und damit abweichend von der seit gestern geltenden Corona-Verordnung des Bundeslandes, die entsprechend angepasst werden müsste - wieder möglich sein sollen. Allerdings würde die Entscheidung sehr kurzfristig getroffen. Das Kabinett soll darüber am 26. Mai befinden, im Zuge von Beratungen, die sich auch auf den künftigen Umgang mit größeren Veranstaltungen erstrecken.

UPDATE:"'Die Kultureinrichtungen und viele andere Akteure der Breitenkultur haben bereits gute Lösungen erarbeitet für kleine, kreative Veranstaltungen, die Kunst und Kultur auch wieder analog in Berührung mit ihrem Publikum bringen - ob Liederabende oder Lesungen, Kammermusik oder Bands, Solistenauftritte, Kleinkunst, Tanz- und Theateraufführungen in kleiner Besetzung oder auch Kinovorführungen. Diese werden wir ermöglichen', so die Ministerin.", hieß es noch am 13. Mai in einer Pressemitteilung des baden-württembergischen Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst unter direktem Bezug auf jene "kleinen künstlerische Veranstaltungsformate" die ab 1. Juni möglich werden sollten, "wenn die räumlichen Bedingungen das zulassen und die Einhaltung von Hygiene- und Abstandsvorgaben zum Schutz des Publikums und der Mitwirkenden garantiert werden kann."

Doch offenbar fielen Kinos umgehend wieder aus dieser Liste. Denn wenn man nun auf den "Masterplan Kultur" (Sie finden ihn hier) blickt, ist in diesem Kontext von Kinos plötzlich keine Rede mehr. In der seit gestern geltenden aktuellen Corona-Verordnung des Landes Baden-Württemberg finden sich Kinos allerdings durchaus - unter § 4 I Nr. 3 in der Liste jener Unternehmungen, deren Betrieb bis zum 5. Juni untersagt ist. Damit wäre im Prinzip wiederum nur ein Mindestzeitraum für die Schließung definiert und kein Datum für eine Wiedereröffnung genannt. Allerdings läuft diese Verordnung bis 15. Juni, Kinoschließungen sind also nicht für deren gesamte Lauflänge vorgeschrieben. Das wäre ein Hinweis darauf, dass Kinos in Baden-Württemberg - vorbehaltlich von Anpassungen der Verordnung - am 6. Juni wieder öffnen könnten.

Auf eine entsprechende Nachfrage hat das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst bislang nicht reagiert. Wir werden diesen Artikel updaten, sobald eine Antwort vorliegt. Nicht dass die fünf Tage einen erheblichen Unterschied machen würden (zumal die Frage im Raum steht, inwieweit Kinobetreiber überhaupt auf einen möglichst frühen Wiedereröffnungstermin drängen), aber optimal ist dieser Kommunikationswirrwarr für entsprechende Planungen sicherlich nicht.

URSPRÜNGLICHE MELDUNG: Der heute in Stuttgart präsentierte "Masterplan Kultur BW - Kunst trotz Abstand" beinhaltet neben Eröffnungsperspektiven für kulturelle Betriebe und Einrichtungen auch finanzielle Unterstützungsmaßnahmen und ist mit 45 Mio. Euro budgetiert. "Kleine Veranstaltungen sollen nach Pfingsten wieder möglich sein. Wir arbeiten mit ganzer Kraft daran, die reiche kulturelle Landschaft in Baden-Württemberg zu erhalten", so die baden-württembergische Kunstministerin Theresia Bauer.

Nach Bibliotheken und Archiven (seit 20. April), Museen, Freilichtmuseen und Ausstellungseinrichtungen (seit 6. Mai) sollen in einem nächsten Schritt ab 1. Juni kleine künstlerische Veranstaltungsformate wieder möglich sein. Sofern es die räumlichen Bedingungen zulassen und die Einhaltung von Hygiene- und Abstandsvorgaben zum Schutz des Publikums und der Mitwirkenden garantiert werden kann. Ebenso muss die Rückverfolgbarkeit der Teilnehmer gewährleistet sein. Bei den Beispielen für solche Veranstaltungen wurden ausdrücklich auch Kinovorführungen aufgeführt. Der Richtwert für die Größe der Veranstaltung liegt bei unter 100 Personen. Bei speziellen Formaten wie Autokinos sind auch mehr Personen zulässig. Dazu, wie der Veranstaltungsbereich über die Kleinformate hinaus geregelt werde, tage eine interministerielle Arbeitsgruppe, deren Ergebnisse die Landesregierung in Kürze bekanntgeben werde.

Der vorgelegte Masterplan sei nicht abschließend. "Es wird weitere Aktualisierungen, Konkretisierungen und Ergänzungen abhängig von der jeweiligen Situation geben. Der Masterplan erlaubt uns, dynamisch auf die weiteren Entwicklungen zu reagieren", so Bauer.

Für das Soforthilfeprogramm des Landes seien 10.465 Anträge aus dem Kultur- und Kreativbereich bei der L-Bank eingegangen, 8.278 davon bewilligt und damit eine Summe von über 75 Millionen Euro bereits ausbezahlt worden. "Derzeit überlegen wir, ob wir das Programm verlängern können", sagte Kunststaatssekretärin Petra Olschowski.

Um dauerhaften Schaden von der baden-württembergischen Kunst- und Kulturlandschaft abzuwenden, habe man beantragt, aus den Mitteln der Corona-Rücklage des Landes ein Notprogramm für Kunst und Kultur im Umfang von 40 Millionen Euro aufzulegen", führte Theresia Bauer weiter aus.