Kino

Christoph Gampl & Kida Khodr Ramadan: "Ein Sprung ins kalte Wasser"

Mit "Man From Beirut" war Christoph Gampl beim A-Festival in Tallinn vertreten. Durch die Corona-Krise mussten der Regisseur und sein Hauptdarsteller Kida Khodr Ramadan gemeinsam mit Filmwelt erfinderisch werden was den Auswertungsweg des eindringlichen Schwarzweissfilms betrifft. Am 20. Mai feiert er nun seinen Autokino-Start. Kinos, die bereits wiedereröffnen, können den Film überdies auch zu "garantiert flexibler Vermietung" einsetzen.

13.05.2020 07:54 • von Barbara Schuster
Christoph Gampl und Kida Khodr Ramadan am Set von "Man From Beirut" (Bild: Christoph Gampl)

Mit "Man From Beirut" war Christoph Gamplbeim A-Festival in Tallinn vertreten. Durch die Corona-Krise mussten der Regisseur und sein Hauptdarsteller Kida Khodr Ramadan gemeinsam mit Filmwelt erfinderisch werden was den Auswertungsweg des eindringlichen Schwarzweissfilms betrifft. Am 20. Mai feiert er nun seinen Autokino-Start. Kinos, die bereits wiedereröffnen, können den Film überdies auch zu "garantiert flexibler Vermietung" einsetzen.

Der Kinostart von "Man From Beirut" war für den 7. Mai anberaumt. Die Corona-Krise machte einen Strich durch die Rechnung. Welche Überlegungen schwirrten im Raum?

Christoph Gampl: Es ging uns da wie den meisten, wir waren vor den Kopf gestoßen, keiner hatte eine Idee, auf was man sich jetzt einstellen musste, wie lange das gehen würde, wann man wieder mit einer Öffnung der Kinos planen konnte. Wir haben mit Christoph Ott einen der erfahrensten Verleiher in Deutschland, aber das war auch für ihn Neuland, logisch.

Kida Khodr Ramadan: Der Plan war ja, Ende April Deutschland-Premiere auf dem Achtung Berlin Festival zu feiern. Da hatten wir uns wahnsinnig gefreut! Und anschließend mit Filmwelt und Christoph ins Kino. Und plötzlich: Stecker gezogen, alles auf Null.

Christoph Gampl: Wir liefen im Februar noch auf einem Festival in Lima, danach wäre "Man from Beirut" auf dem Fajr International Filmfest in Teheran gelaufen, dann New York, Prag, Houston, was alles sukzessive abgesagt wurde.

Kida Khodr Ramadan: Am Anfang hat uns das richtig runtergezogen, aber dann war klar, wir müssen da jetzt das Beste draus machen, rumheulen gilt nicht.

Sie haben sich für einen Autokino-Start entschieden. Wie sind Sie auf die Idee gekommen?

Christoph Gampl: Wir haben gemeinsam mit unserem Verleih alle Möglichkeiten durchgespielt, auch den Verzicht auf Kino, und direkt ins Streaming zu gehen. Auf der anderen Seite hatten wir bei unserer Weltpremiere auf dem Festival in Tallinn die Erfahrung gemacht, dass der Film auf der großen Leinwand zu Hause ist. Daher haben wir immer nach Lösungen gesucht, die uns erstmal dahin bringen.

Kida Khodr Ramadan: Christoph Gröner hat uns Ende November in Tallinn präsentiert, als Programmer für Filme aus Deutschland, und der meinte direkt nach der Premiere, dass wir den Film unbedingt ins Kino bringen müssen, weil der noch mal ganz anders wirkt, fettes Bild, fetter Sound, das haut dann rein.

Wie sieht die Umsetzung aus? Was genau ist geplant?

Kida Khodr Ramadan: Wir haben jetzt die ersten fünf Autokinos in NRW, Köln, Essen, aber auch Frankfurt. Und weil es nicht darum geht, ein 200-Plätze-Kino vollzukriegen, sondern wir hier über bis zu 900 Autos sprechen, werden wir eine Kino-Tour machen. Ich versuche mit Christoph Gampl bei so vielen Vorstellungen wie möglich dabei zu sein, wir haben auch mal drei Screenings zur gleichen Zeit in verschiedenen Städten, da muss man sich dann entscheiden oder aufteilen. Aber auch die anderen Schauspieler wollen wir an den Start kriegen, so dass wir zumindest für Corona-Zeiten so ein Gefühl von Premiere mit Team und Cast hinkriegen.

Christoph Gampl: In Köln, am 20. Mai zum Auftakt der Tour, haben wir eine Art Heimspiel, weil unsere Koproduzenten von 2Pilots Filmproduction aus Köln kommen. Und Harry Flöter von 2Pilots hat uns versprochen, dass der Laden voll wird.

Kida Khodr Ramadan: Aber im Ernst, das ist echt krass. 900 Autos, das wären 1800 mögliche Zuschauer, da müssen wir uns ganz schön lang machen, Zuschauer zu mobilisieren...

Christoph Gampl: Die Filmwelt hat jetzt mit Julia Kainz auch eine sehr erfahrene PR-Spezialistin am Start, aber das Ganze ist natürlich trotzdem Neuland, es gibt einfach wenig Erfahrungswerte.

Kida Khodr Ramadan: Wir sind der erste Film in Deutschland, der einen Autokino-Start macht. Das ist ein Sprung ins kalte Wasser. Aber es passt zu unserem Projekt.

Christoph Gampl: "Man from Beirut" entstand an den Rändern der deutschen Filmlandschaft, und Autokinos stehen für die Ränder der Kinolandschaft, von daher kommt da was zusammen. Auch ohne Corona wäre das ein Gedanke gewesen, aber jetzt ist der Fokus natürlich ein ganz anderer.

Wie ist die Reaktion der angefragten Autokinos?

Christoph Gampl: Die ersten Buchungen kamen relativ schnell rein, aber Filmwelt ist ja auch extrem gut vernetzt. Jetzt kommt es darauf an, dass wir performen, damit es danach auch weiter geht. Wir setzen dabei auch auf die Social-Media-Reichweiten unserer Schauspieler. Als Kida eine Story gepostet hat, dass wir ins Autokino kommen, haben sich direkt Betreiber bei ihm gemeldet, die den Film auch haben wollten.

Kida Khodr Ramadan: Der Film ist eine absolute Herzensangelegenheit und daher geben wir alles.

Wäre ein VoD-Start nicht auch eine Möglichkeit gewesen?

Kida Khodr Ramadan: "Man from Beirut" muss auf jeden Fall erst mal auf die große Leinwand. Das war unser Ziel und das sind wir dem Film auch schuldig.

Christoph Gampl: Deswegen sind wir so froh, dass mit Filmwelt ein starker Partner an Bord ist, die braucht man in diesen Zeiten umso mehr.

 Das Gespräch führte Barbara Schuster