Kino

Cineplex fordert einheitliche Wiedereröffnung der Kinos am 4. Juni

In einem Schreiben an Kulturstaatsministerin Monika Grütters sowie die Ministerpräsident*innen und Kulturminister*innen der Länder setzt sich die Cineplex-Gruppe in Abstimmung mit dem HDF für eine bundesweit einheitliche Regelung zur Wiedereröffnung der Filmtheater ein. Das Vorpreschen Hessens wird in diesem Kontext als "gut gemeint, aber keineswegs hilfreich" bezeichnet, wobei ein starker Fokus der Mitteilung natürlich auf Ländern liegt, die noch gar keine Entscheidung getroffen haben.

11.05.2020 18:56 • von Marc Mensch
Cineplex-Geschäftsführer Kim Ludolf Koch (Bild: Mike Auerbach)

Cineplex mag die erste deutsche Kinogruppe sein, die der Forderung nach einem einheitlichen Termin zur bundesweiten Wiedereröffnung der Filmtheater (auch) mit einer Pressemitteilung Ausdruck verleiht, weitere dürften indes folgen. Denn die Forderung wurde innerhalb des HDF (auf dessen Position sich Cineplex beruft) abgestimmt, insofern ist auch auf Verbandsebene noch mit einer entsprechenden Botschaft zu rechnen.

Dass der früheste nicht unbedingt der beste Termin für die Gestattung von Kino-Eröffnungen ist, hatte vergangene Woche u.a. bereits Kinopolis-Geschäftsführer Gregory Theile klar gemacht, in eine ähnliche Richtung ging die heutige Botschaft von 21 Münchner Arthouse-Betreibern (wobei hier der Wunsch im Vordergrund stand, überhaupt einen Termin zu erfahren, schließlich zählt Bayern zu den Bundesländern, die sich diesbezüglich noch Zeit lassen).

Warum aber ist eine zumindest weitgehend einheitliche - aber dafür vor allem zeitig kommunizierte - Strategie so wichtig? "Neue Produkte/Filme kommen nur dann ins Kino, wenn im Idealfall die gesamte deutsche Bevölkerung auch Zugang zu den Kinos hat. Gibt es auf der Landkarte zu viele weiße Flecken, werden Filmverleiher ihre Produkte zurückhalten oder gar nicht im Kino vermarkten. Es muss also einen bundesweit einheitlichen Termin zur Wiedereröffnung und aufgrund des Vorlaufs zur Bewerbung der Filme eine frühzeitige Terminierung geben", heißt es dazu seitens Cineplex.

"Gut terminiert" habe Nordrhein-Westfalen seinen Wiedereröffnungs-Termin. Denn das erste Bundesland, das einen solchen nannte, tat dies rund drei Wochen im Voraus, gab damit also Zeit, um wichtige offene Fragen zu klären.

Ganz anders die Beurteilung des Vorgehens beim südöstlich gelegenen Ländernachbarn: "Gut gemeint, aber keineswegs hilfreich war die Entscheidung des Landes Hessen, den Kinos eine dreitägige Frist zur Wiederaufnahme des Spielbetriebs einzuräumen. In dieser Zeit ist kaum ein Unternehmen auch nur ansatzweise in der Lage, sein Kino operativ, hygienetechnisch, personell und werblich auf die Eröffnung vorzubereiten. Auch das völlige Fehlen neuer Filme zu diesem überraschenden Termin führt die Kinos in eine wirtschaftliche Schieflage, deren Schaden in vielen Fällen größer als eine Schließung ist. Dies gilt besonders dann, wenn die (z.B. hessischen) Auflagen zur Öffnung einen wirtschaftlichen Betrieb nahezu ausschließen."

Zum derzeitigen Stand liegt laut Cineplex für weniger als die Hälfte der Bundesländer eine Aussage über einen Öffnungstermin sowie konkret formulierte Auflagen und Einschränkungen des Betriebs für die Kinos vor. Selbst wenn man annähme, dass die höchstmöglichen Kapazitäten der Kinos nicht massiv durch Sicherheitsauflagen eingeschränkt wären, ließe sich vor diesem Hintergrund bis Ende Mai nur eine Bruchteil der normalen Besucherzahlen erreichen. Nicht gerade das Klima, in dem große Neustarts denkbar wären.

"Um also der deutschen Film- und Kinowirtschaft nicht noch größeren Schaden zuzufügen, müssen die verbleibenden Bundesländer ebenfalls Ende Mai/Anfang Juni den Kinos den Betrieb ermöglichen", heißt es von Cineplex. Ins Auge gefasst werden solle hierbei idealer Weise der Beginn einer Spielwoche, ergo fällt die Wahl auf den 4. Juni. Eine entsprechende Entscheidung solle "unbedingt in den nächsten Tagen veröffentlicht werden", damit die Kinos wenigstens drei Wochen Zeit hätten, um sich auf eine Öffnung vorzubereiten. Ideal wäre es laut Cineplex ferner, "dass Bundesländer, die einen früheren Termin in Betracht gezogen haben, sich ebenfalls auf den 4. Juni verständigen."

Das Unternehmen verweist dabei nicht zuletzt auf jene Faktoren die ohne Zweifel zu einer schwierigen Anlaufphase führen würden: Sommer, zu Beginn fehlende Ware, erhöhter Personalaufwand durch Sicherheitsmaßnahmen und Beschränkungen im Besuch.

"Wir möchten hiermit dringend an die Ministerpräsidenten und Kulturminister appellieren, der Kinobranche nicht noch weiteren Schaden durch individuelle Einzelentscheidungen bei den unterschiedlichen Eröffnungsterminen zuzufügen", heißt es am Ende des Briefes, der im Namen der 26-Cineplex-Gesellschafter von Geschäftsführer Kim Ludolf Koch unterzeichnet ist.