Kino

"Niemanden aus den Augen verlieren"

In einem an Kulturstaatsministerin Monika Grütters gerichteten Brief wirbt der HDF erneut nachdrücklich dafür, der Kinolandschaft in ihrer Gänze Unterstützung zukommen zu lassen. Alles andere wäre demnach "schlicht fatal".

06.05.2020 10:59 • von Marc Mensch
Christine Berg (Bild: HDF Kino)

Vor wenigen Tagen wurde seitens der BKM ein weiteres Hilfsprogramm für Kinos angekündigt (wir berichteten) - und auch diesmal bleibt (wie schon bei so vielen Maßnahmen auf Länderebene) ein Großteil der Kinolandschaft völlig außen vor. Ein Umstand, auf den der HDF in einem Brief an Monika Grütters noch einmal nachdrücklich aufmerksam macht. Denn wie es der Verband ausdrückt: "Man könnte meinen, es gibt sie nicht, die Haupteinzahler der FFA und den berühmten Mittelstand". Dabei seien gerade die mittleren und großen Betriebe mit ihrer breiten Publikumsansprache für die deutsche Filmwirtschaft systemrelevant.

Obwohl die Krise alle Kinos gleichermaßen herausfordere, steht nach Darstellung des HDF der Löwenanteil ganz ohne Beistand da. Denn über 85 Prozent der Kinos hätten im vergangenen Jahr keinen Kinoprogrammpreis erhalten, wie er vielfach zum Kriterium für Hilfsmaßnahmen erhoben wurde. Eine faire Messlatte? "Nur weil ein Haus viele Leinwände hat und sowohl Mainstream als auch Arthouse spielt, ist es nicht weniger in Not, sondern benötigt wie alle Unterstützung", so der HDF. Und persönlich an Ministerin Grütters gewandt schreibt die Vorstandsvorsitzende Christine Berg: Ich kann nicht glauben, dass Sie diese Kinos wirklich außen vor lassen wollen." Und weiter: "Es wäre schlicht fatal, in dieser historischen Notlage den Blick nicht auf die gesamte Branche zu richten."

Konkret bittet der HDF die Kulturstaatsministerin, an zwei entscheidenden Punkten nachzujustieren: Zum einen mit einem Kinoinfrastrukturfonds, der alle Kinos erfasst. Hierfür hatten die Kinoverbände bereits eine gemeinsame Vorlage erarbeitet (jüngst hatte die AG Kino-Gilde ihre Forderung nach diesem Fonds erneuert), die auf einer konkreten Berechnung der unvermeidlichen Belastungen während der Zeit der Schließungen fußt (ausgehend von drei Monaten wurden hier 186 Mio. Euro errechnet).

Zum anderen solle das Zukunftsprogramm in diesem Jahr auf sämtliche Häuser unabhängig von Standort und Größe ausgedehnt werden, um all jenen, die dazu in diesem Jahr noch in der Lage seien, Investitionen in die Zukunft zu ermöglichen. Nur so könne das Programm in 2020 noch erfolgreich in Anspruch genommen und das Investitionspotenzial der Branche ausgeschöpft werden. Tatsächlich hatte Monika Grütters bereits "deutliche Erleichterungen" der Förderbedingungen für das Zukunftsprogramm angekündigt, ohne dabei aber bereits ins Detail gegangen zu sein.

Der Brief schließt mit den Worten: "Liebe Monika Grütters, es sind besondere Zeiten, die auch besondere Maßnahmen erfordern und ich weiß, dass Sie das große Ganze immer im Blick haben. Daher hoffe ich, dass Sie auch jetzt niemanden aus den Augen verlieren."