Kino

KOMMENTAR: Wo/wie bitte geht's aus dem Lockdown raus?

Kultur ist ein Lebensmittel! Sie ist lebensnotwendig und macht uns als soziale Wesen aus. Den Politikern scheint sie nicht besonders zu fehlen. Vom Flugverkehr bis zum Fußball - über vieles zerbrechen sie sich den Kopf beim Weg aus dem Lockdown. Museen, Theater, Konzert oder Kino sind nicht dabei. Ein schweres Versäumnis!

30.04.2020 07:37 • von Barbara Schuster
Ulrich Höcherl, Chefredakteur (Bild: Blickpunkt:Film)

Kultur ist ein Lebensmittel! Sie ist lebensnotwendig und macht uns als soziale Wesen aus. Den Politikern scheint sie nicht besonders zu fehlen. Vom Flugverkehr bis zum Fußball - über vieles zerbrechen sie sich den Kopf beim Weg aus dem Lockdown. Museen, Theater, Konzert oder Kino sind nicht dabei. Ein schweres Versäumnis! Natürlich bleibt es wichtig, dass wir aufeinander achten, dass nichts und niemandem etwas zu früh erlaubt wird. Damit nicht die Virologen sorgenvoll das Haupt schütteln oder aus Gründen der Volkserziehung die R-Zahl schlechtrechnen müssen. Wir alle haben soziale Distanz gelernt, wie wir einander nicht zu nahe kommen und doch gefahrlos begegnen können. Nach Wochen des verordneten Lockdowns, nach einer noch nicht dagewesenen Kontaktsperre, nach dem Verhängen von Berufsverboten über fast alle Branchen hinweg, ist nun die Zeit gekommen, das Gelernte im Umgang mit dem Coronavirus umsichtig zu leben. Man kann ins Museum gehen und in den weiten Hallen allen anderen aus dem Weg gehen. Man kann auch manierlich im Restaurant essen, ohne den Menschen an ausreichend entfernt stehenden Nachbartischen kontaminös ins Gesicht zu spucken. Es ist auch möglich, mit Mund- und Nasenschutz versehen und bei Beachtung eines gebührenden Abstands im Theater, im Kino oder im Konzert zu sitzen, ohne Gefahr zu laufen, sich oder andere anzustecken. Zumindest Solisten können auf der Bühne auch ansteckungsfrei performen. Es gibt für fast alle Lebenswirklichkeiten geeignete Lösungen, um ohne Gefahr für Leib und Leben Kultur wieder genießen zu können. Schon klar, dass sich die Politik in einer Ausnahmesituation befindet, schon klar, dass nun unzählige Lebenswirklichkeiten beurteilt werden müssen, ob sie versteckte Ansteckungsgefahren bergen. Aber für viele Bereiche liegen längst Selbstverpflichtungen und Handreichungen vor. Längst verlieren auch Kulturschaffende wie Regietheaterstar Frank Castorf die Geduld und wollen sich nicht länger über das nötige Maß hinaus gängeln lassen. Nicht nur für den Erstliga-Fußball, der Politiker landauf, landab bewegt, auch für die Kinos gibt es sorgfältig erwogene Konzepte, wie Filme auf der großen Leinwand wieder erlebt werden können, und Besucher und Personal vor Ort dabei umfangreich geschützt sind. Es geht nicht um immer neue »Lockerungsdiskussionsorgien«, es geht ums Überleben und es geht um unsere Grundrechte. Wenn jetzt nicht absehbar eine Perspektive für all die geschlossenen Kultureinrichtungen geschaffen wird, dann können wir uns bald von einem Großteil unserer Kultur, auch von vielen Kinos, dauerhaft verabschieden. Wollen wir hoffen, dass beim nächsten Treffen von Bund und Ländern ein Söder oder ein anderer »Mir nach!« ruft, und den Weg aus dem Lockdown findet, wie schon die ersten Länder um uns herum.