Kino

Schauspieler: Wachsendes Aufbegehren gegen GVL

Mehr als 60 Schauspielerinnen und Schauspieler haben ein Schreiben unterzeichnet, in dem die Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten zu schnellem Handeln in der Corona-Krise aufgefordert wird.

29.04.2020 09:12 • von Frank Heine
Wachsendes Aufbegehren gegen GVL (Bild: Imago/Panthermedia)

Mehr als 60 Schauspielerinnen und Schauspieler haben ein Schreiben unterzeichnet, in dem die Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten (GVL) zu schnellem Handeln aufgefordert wird. Mit der Ausschüttung ihnen teilweise seit langem zustehender Zahlungen könnte die GVL zahlreichen durch die Corona-Krise in ihrer Existenz bedrohten Schauspielerinnen und Schauspielern helfen, argumentieren die Unterzeichner und Unterzeichnerinnen.

Zuvor hatten sich bereits Frank Röth und Claudia Michelsen mit einem offenen Brief an die GVL gewandt, worauf diese wiederum mit einem Antwortschreiben reagierte.

Blickpunkt:Film veröffentlich das neuerliche Schreiben der Schauspieler im Wortlaut:

GVL in Zeiten von CORONA - Aufforderung zum Handeln !

Die GVL (Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten) vertritt rund 160.000 Künstler, sowie Hersteller und Veranstalter. (https://www.gvl.de/gvl/ueber-uns/unsere-berechtigten)

Zu den unterschiedlichsten künstlerischen Gruppen der von der GVL vertretenen Künstler zählen auch wir - Schauspieler und künstlerische Sprecher.

Bei der Durchführung der Verwertung unserer Leistungsschutzrechte sind wir an die GVL gebunden. Es ist uns bewusst, dass die Verteilungsbeträge der GVL den Schauspielern und künstlerischen Sprechern nur anteilig zustehen.

Auf die aktuelle Corona-Krise hat die GVL lediglich mit einer einmaligen Hilfszahlung von 250.- Euro (auf Antrag) und einem Vorschuss (angekündigt für Ende Mai) auf künftige - von den Mitgliedern längst erwirtschaftete - Abschlagszahlungen reagiert (ebenfalls nur auf Antrag und Nachweis eines Veranstaltungs-, oder Produktionsausfalls).

Leider wissen wir alle aus den Erfahrungen der letzten zehn Jahre, dass wir uns auf die von der Geschäftsführung in diesem Zusammenhang nun auch für die nächsten Monate angekündigten Ausschüttungen in keinster Weise verlassen können.

Bei den Erlösen, die die GVL für die Schauspieler und künstlerischen Sprecher erzielt, handelt es sich weder um "öffentliche Gelder", noch zahlen dafür Kinos, Theater, Fernsehsender oder Streamingportale. Die Vergütungen entstehen aus der "Nutzung" der Produktionen durch öffentliche Wiedergabe, Vermietung, Verleih, Vervielfältigung.

Wie andere Verwertungsgesellschaften auch (GEMA /VG Wort/VG Bild Kunst) erlöst die GVL jedes Jahr erhebliche Summen, die sie an die Berechtigten innerhalb einer vom Gesetzgeber vorgegebenen Frist auszuschütten hat ( https://www.gesetze-im-internet.de/vgg/__28.html ).

Laut Geschäftsberichten erzielte die GVL in den Jahren 2013-2018 Erträge von über 1,2 Milliarden Euro; die für diese Jahre von der GVL als "Netto-Verteilungsbeträge" bezeichnete Summe beläuft sich auf etwa 900 Millionen Euro. (https://www.gvl.de/gvl/presse-publikationen/publikationen)

Ausgeschüttet wurde davon in - wiederholt angekündigt und verschobenen - Erst-, Regel und Folgeverteilungen lediglich ein geringer Prozentsatz.

Denn anders als andere Verwertungsgesellschaften ist die GVL seit 2010, seit der Einführung ihres Online-Meldesystems Artsys, nicht einmal in der Lage, sich an die von ihr selbst festgesetzten Fristen zu halten und somit den Künstlern ein auch nur annähernd plan-, und absehbares Zeitfenster für die ihnen zustehenden Ausschüttungen zu geben.

Unabhängig davon scheint der Geschäftsführung der GVL noch immer nicht klar zu sein, in welcher existenziellen Situation sich viele unserer Kollegen derzeit befinden.

Wir fordern als Unterzeichner und im Namen unzähliger Kollegen die Geschäftsführung der GVL nachdrücklich auf, unverzüglich einen der Krisensituation entsprechenden Verteilungsplan aufzustellen und den Berechtigten die seit Jahren zustehenden und überfälligen Ausschüttungen kurzfristig zukommen zu lassen.

Barbara Auer, Marie Bäumer, Christian Berkel, Andreas Borcherding, Margarita Broich, Gesine Cukrowski, Franz Dinda, Alice Dwyer, Karoline Eichhorn, Benno Fürmann, Samuel Finzi, Martina Gedeck, Max von der Groeben, Sylvester Groth, Sandra Hüller, Nina Hoss, Wolfram Koch, Matthias Koeberlin, Nicolette Krebitz, Maren Kroymann, Burghart Klaußner, Waldemar Kobus, Jan Josef Liefers, Thomas Loibl, Anna Loos, Bjarne Mädel, Dagmar Manzel, Claudia Michelsen, Axel Milberg, Philipp Moog, Friedrich Mücke, Nele Mueller-Stöfen, Miroslav Nemec, Rick Okon, Milan Peschel, Katja Riemann, Jophi Ries, Frank Röth, Sophie Rois, Saskia Rosendahl, Benjamin Sadler, Andrea Sawatzki, Marie-Lou Sellem, Clemens Schick, Maria Schrader, Karoline Schuch, Catrin Striebeck, Devid Striesow, Mina Tander, Sabin Tambrea, Carin C Tietze, Karin Thaler, Laura Tonke, Jürgen Tonkel, Victoria Trauttmansdorff, Saskia Vester, Jürgen Vogel, Katharina Wackernagel, Hans Jochen Wagner, Tom Wlaschiha und viele andere mehr