Kino

Lola-Countdown: "Berlin Alexanderplatz" (2)

Heute Abend wird zum 70. Mal der Deutsche Filmpreis vergeben. Weil das traditionelle Roundtable-Gespräch mit den für den besten Film nominierten Produzenten aufgrund des Corona-Lockdowns nicht stattfinden konnte, haben wir die Produzenten einzeln befragt. Hier antworten Jochen Laube und Fabian Maubach von Sommerhaus Filmproduktion für "Berlin Alexanderplatz".

24.04.2020 09:00 • von Thomas Schultze
"Berlin Alexanderplatz" feierte seine Premiere im Wettbewerb der Berlinale (Bild: Entertainment One)

Heute Abend wird zum 70. Mal der vergeben. Weil das traditionelle Roundtable-Gespräch mit den für den besten Film nominierten Produzenten aufgrund des Corona-Lockdowns nicht stattfinden konnte, haben wir die Produzenten einzeln befragt. Hier antworten Jochen Laube und Fabian Maubach von Sommerhaus Filmproduktion für "Berlin Alexanderplatz".

Deutscher Filmpreis in Corona-Zeiten: Mit welchen Gefühlen gehen Sie in die Preisverleihung?

SOMMERHAUS: Wir werden wohl nie wieder so aufgeregt vor unseren Laptops sitzen. Wir sind in jeder Hinsicht gespannt, was uns am Freitag erwartet.

Ist es Ihrer Ansicht nach richtig, dass der Deutsche Filmpreis nicht abgesagt oder verschoben wurde. Stimmen Sie mit der von der Deutschen Filmakademie gefundene Lösung überein?

SOMMERHAUS: Ja, wir finden, das ist ein wichtiges und richtiges Signal. Wir sind eine Kreativ-Branche und können nun am Freitag zeigen, dass wir spontan gemeinsam etwas Besonderes auf die Beine stellen können. Wir sind gespannt und freuen uns darauf, uns auf dieses Experiment einzulassen.

Wie sehr sind Sie aktuell von Corona betroffen? Insbesondere "Berlin Alexanderplatz" und "Undine" sollten ursprünglich knapp nach dem Filmpreis in die Kinos kommen. Was bedeutet Corona für die Filme, die als "Beste Filme" nominiert wurden?

SOMMERHAUS: Bislang sind wir mit einem blauen Auge davongekommen, da sich keines unserer Projekte im Dreh befand und unsere nächste Produktion erst im Herbst startet. Vor einem Jahr mit drei Projekten parallel im Dreh hätte das anders ausgesehen. "Als Hitler das rosa Kaninchen stahl" lief zuletzt noch immer erfolgreich mit über 160 Kopien im Kino, das schmerzt natürlich, ist aber als Schaden überhaupt nicht vergleichbar mit dem, was vielen unserer direkten Partner und Kollegen gerade wiederfährt. Wir hoffen, "Berlin Alexanderplatz" sobald wie möglich starten zu können. Die Aufmerksamkeit durch die Wettbewerbsteilnahme auf der Berlinale und jetzt durch die elf Nominierungen lässt sich später im Jahr so sicher nicht wieder erzeugen.

Wie gehen Sie als Produzenten generell mit der Krise um? Sind aktuelle Produktionen von Ihnen betroffen? Wird von Bund und Ländern genug für die Produzenten getan, um in diesen schweren Zeiten durchhalten zu können?

SOMMERHAUS: Wir investieren in diesen Monaten viel in Entwicklung und versuchen uns möglichst gut auf den Moment vorzubereiten in dem wieder produziert werden kann. Natürlich fahren auch wir auf Sicht, denn noch ist völlig offen wann und unter welchen für alle Beteiligten trag- und verantwortbaren Bedingungen das wieder möglich sein wird. Die momentan zur Verfügung gestellten Mittel reichen sicher nicht aus, um allen durch diese Krise zu helfen. Wir sind alle in der Verantwortung, gemeinsam mit der Politik und der Branche kreative Lösungen zu entwickeln, und werden dafür zwangsläufig für die Verwertung unseres Produkts neue Wege beschreiten müssen. Dabei sollten wir mutig sein und die, gerade im Hinblick auf die Sperrfristendiskussion, spannenden Impulse aus der Branche nutzen.

Was bedeutet die Corona-Krise mittel- und langfristig für den Markt? Werden sich die Produktions- und Verleih/Kinolandschaft überhaupt davon erholen? Welche Anstrengungen müssen unternommen werden, dass es wieder weitergehen kann?

SOMMERHAUS: Was das mittel- und langfristig bedeutet, kann heute niemand mit Gewissheit sagen. Natürlich ist zu befürchten, dass sich einige in der Produktions- und Verleih/Kinolandschaft nicht erholen werden. Wir sollten versuchen, diese Zäsur zu nutzen, um uns insgesamt neu und zukunftsfähig aufzustellen. Es wäre fatal darauf zu setzen einfach nur den Status quo wiederherzustellen. Gerade weil wir an das Kino glauben, müssen wir unser Geschäftsmodell hinterfragen. Klar ist, dass sich die Menschen am Ende der Krise sicher nicht auf den nächsten Netflix-Abend freuen, der soziale Ort Kino ist es, wonach die Leute sich sehnen. Wir müssen also tragfähige Konzepte entwickeln, wie die Kinos schnellstmöglich wieder in Betrieb genommen werden können.

Netflix und Prime Video nehmen mittlerweile auch in der deutschen Produktionslandschaft einen immer größeren Stellenwert ein. Wie wichtig ist das Kino in Zeiten der ständigen Verfügbarkeit von Produkt überhaupt noch?

SOMMERHAUS: Wie wichtig den Menschen das Kino immer noch ist, bemerkt man doch in diesen Tagen ganz besonders. Überraschend viele Gespräche z.B. beim Nachbarn, Bäcker, mit dem Postboten, drehen sich darum, wie sehr man den gemeinsamen Gang ins Kino vermisst. Dieses Gemeinschaftsgefühl, der Stellenwert des Kinos als sozialer Ort ist doch genau das, was uns in dieser besonderen Situation wieder deutlich vor Augen geführt wird.

Lange hatte man beklagt, dass die Filmnation Deutschland in Sachen moderner Serien hinterherhinkt. Das hat sich in den letzten drei Jahren massiv geändert. Wie macht sich diese Entwicklung bei Ihrer Arbeit spürbar? Befindet man sich auf dem richtigen Weg?

SOMMERHAUS: Natürlich befindet sich die deutsche Filmbranche hier auf dem richtigen Weg. Das moderne, serielle Erzählen ist definitiv kein Alleinstellungsmerkmal ausländischer Serien mehr, im Gegenteil. Zahlreiche deutsche Serien konnten hier in den letzten Jahren zu Recht international für Aufmerksamkeit sorgen. Für unsere konkrete Arbeit bedeutet das, dass wir uns bei unseren Serienentwicklungen noch mehr anstrengen müssen und wollen, um auch den zu Recht gewachsenen Ansprüchen an Deutsche Serien gerecht zu werden. Und das ist doch eine tolle Entwicklung.

Bevor im Zuge des Lockdowns die Kinos in Deutschland schließen mussten, konnte der deutsche Film im ersten Quartal einen ausgezeichneten Marktanteil verzeichnen. Haben Sie den Eindruck, dass es mit der Akzeptanz des deutschen Films weiter bergauf gehen kann?

SOMMERHAUS: Diese Frage begleitet uns, seit wir vor 15 Jahren angefangen haben in dieser Branche zu arbeiten. Wir haben mit dem "Rosa Kaninchen" in diesem ersten Quartal erfreulicher Weise etwas zu diesem guten Anteil beitragen können, aber ja vor über sechs Jahren mit der Arbeit daran begonnen. Wir glauben, dass in all diesen letzten Jahren jeder einzelne in der deutschen Filmbranche, ob Major oder kleiner Arthouseverleih, ob großer Konzern oder kleine Filmproduktionsfirma mit Fleiß, Enthusiasmus und Freude am Kino dazu beigetragen hat. Dass da immer noch Luft nach oben ist und dass wir dafür weiter an einem Strang ziehen müssen, das gehen wir jetzt gerne an.