Kino

Kinoverbände mit Maßnahmenkatalog für Wiedereröffnung der Kinos

Die AG Kino und der HDF Kino haben einen Maßnahmenkatalog für eine Wiedereröffnung der Kinos an die Politik übergeben. Sie fordern eine "Wiedereröffnung mit Abstand und Augenmaß". Unterstützung erhalten sie dabei von den Verleihern.

23.04.2020 15:43 • von Jochen Müller
Christine Berg, HDF-Vorstandsvorsitzende, Christian Bräuer, Vorsitzender der AG Kino (Bild: HDF Kino / AG Kino)

Mehr als die Hälfte der Kinos in Deutschland kann eine Corona-bedingte Schließung nur noch zwei, maximal drei Monate durchhalten. Das ergab eine Umfrage unter den Mitgliedern von AG Kinound HDF Kino, wie beide Verbände jetzt mitteilen.

Die bisherige Unterstützung sei "bei Weitem" nicht ausreichend, wie die HDF-Vorstandsvorsitzende Christine Berg betont: "Es ist erfreulich, dass es Kinos gibt, die bereits erste Unterstützungszahlungen erhalten haben. Tatsächlich ist dies aber ein Tropfen auf dem heißen Stein. Wenn nicht umgehend andere Förderdimensionen und -instrumente für ausnahmslos alle Kinos in Deutschland bereitgestellt werden, ist der immense Schaden für die Kulturinstitution Kino kaum noch abzuwenden."

Nun sei eine, wie die AG Kino es bezeichnet, "Wiedereröffnung mit Abstand und Augenmaß" und ein Fahrplan mit dem Ziel, "dass die Kinos spätestens im Juli wieder ihre Türen öffnen können", nötig. Für eine Wiedereröffnung haben die beiden Verbände nun einen auf infektiologischen Erkenntnissen basierenden Hygieneplan erarbeitet.

"Wir sind überzeugt, dass ein solcher mit Auflagen versehener Betrieb nicht nur einen Kahlschlag in der Kinolandschaft verhindert, sondern auch langfristig die Akzeptanz für hohe Infektionsschutzauflagen in der Bevölkerung erhält," betont der Vorsitzende der AG Kino, Christian Bräuer.

"Wir hoffen, mit den politischen Entscheidungsträgern auf Bundes- und Länderebene auf Basis unseres Maßnahmenkatalogs sehr zügig in den Dialog über einen zeitnahen und einheitlichen Fahrplan der Wiedereröffnung einsteigen zu können," so Christine Berg.

In dem Maßnahmenkatalog sind sowohl Schutzmaßnahmen für die Mitarbeiter*innen der Kinos als auch für deren Besucher*innen genannt. Dazu zählen neben der Bereitstellung von Schutzmasken und Handschuhen für die Mitarbeiter*innen und dem dem Einhalten der Abstandsregeln beispielsweise durch freibleibende Sitze, feste Sitzplatzzuweisungen und eine Beschränkung der Saalauslastung u.a. kontaktlose Ticketkontrollen und der Einsatz von Sichtscheiben an Kassen und Theken sowie die Minimierung des Kontakts durch die Priorisierung des Online-Ticketverkauf und die Reduzierung der Personenfrequenz im Foyer durch zeitversetzten Filmbeginn und Auslass durch die Notausgänge.

Wie die AG Kino in ihrer Mitteilung betont, sei Kino Kultur, die nicht nur ein Grundrecht, sondern auch ein Grundbedürfnis der Menschen sei. Als zentralen Kulturorten für ihre Nachbarschaft komme den Programmkinos hier eine besonders wichtige Rolle zu, weil sie "anspruchsvolle europäische und internationale Filme zu den Menschen bringen."

Wenn die Hälfte der Kinos durch die Corona-Krise sterbe, sterbe damit im nächsten Schritt auch der Großteil der deutschen Filmbranche, da das Kino noch einen extrem wichtigen Teil an den Erlösen ausmache.

Daher unterstützen auch die in der AG Verleih zusammengeschlossenen Filmverleiher eine baldige Wiedereröffnung der Kinos. Björn Hoffmann, Vorstandsvorsitzender der AG Verleih: "Jedes Filmkunstkino ist wichtig, damit sich die Filme rechnen, die den Mut haben, kritisch und bissig und kulturell wertvoll zu sein." Für den Fall der Wiedereröffnung haben sich die Verleiher auf verschiedene Szenarien vorbereitet, wie Hoffmann skizziert: "Eine große Auswahl an attraktiven Filmen, die aufgrund der Schließung kaum ausgewertet werden konnten, steht zu besonderen Konditionen sofort zur Verfügung. Darüber hinaus sind wir in der Lage, auch sehr kurzfristig neue, starke Filme zu liefern und mit den notwendigen Marketingmaßnahmen zu begleiten. Die vorliegenden Sicherheitskonzepte sind überzeugend und werden sicher auch beim Publikum Vertrauen schaffen. Aktuelle Umfragen bestätigen die Sehnsucht des Publikums nach dem Erlebnis Kino, und wir hoffen, dass die Sehnsucht bald wieder gestillt werden kann."