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ProSiebenSat.1 spürt Coronakrise in Quartalszahlen

ProSiebenSat.1 verzeichnet aufgrund der Coronakrise empfindliche Werbeeinbußen. Aus den vorgezogenen Zahlen des ersten Quartals geht hervor, dass 50 Millionen Euro an Programminvestitionen eingespart werden sollen.

23.04.2020 08:48 • von Michael Müller
Der Medienkonzern ProSiebenSat.1 in Unterföhring (Bild: ProSiebenSat.1 Media SE)

Der Medienkonzern ProSiebenSat1 Media SE hat in Zeiten der Corona-Pandemie die Veröffentlichung seiner Finanzzahlen für das erste Quartal vorgezogen. Die COVID-19-Krise hat das Unternehmen ab Mitte März zu spüren bekommen. ProSiebenSat.1 hält indes am Termin des 10. Juni für die mit Spannung erwartete Hauptversammlung fest, die in nicht-physischer Form stattfinden wird.

Bis Mitte März spricht ProSiebenSat.1 von einer "guten Geschäftsentwicklung". Dann seien allerdings erste Auswirkungen auf das Gesamtergebnis durch die COVID-19-bezogenen Einschränkungen auf das öffentliche Leben und die Wirtschaft spürbar gewesen. In Zahlen bedeutet das: Der Konzernumsatz stieg zwar im Vergleich zum Vorjahr um ein Prozent auf 926 Millionen Euro, aber die Werbeumsätze gingen zurück. Der Außenumsatz des Segments SevenOne Entertainment Group fiel um drei Prozent auf 563 Millionen Euro. Die gesamten Werbeumsätze sanken um vier Prozent. Das adjusted EBITDA der Gruppe fiel im ersten Quartal um 17 Prozent auf 157 Millionen Euro.

Um mit der aktuellen Situation umzugehen, will ProSiebenSat.1 unter anderem die Programminvestitionen im Vergleich zum Vorjahr um 50 Millionen Euro senken. Der Konzern setzt in einigen Unternehmen der NuCom Group bereits die Kurzarbeit ein. Weitere Einzelheiten zu den Maßnahmen wird ProSiebenSat.1 im Rahmen der eigentlich geplanten Veröffentlichung der Quartalszahlen am 7. Mai bekannt geben.

Der Vorstandssprecher und Finanzvorstand des Unternehmens, Rainer Beaujean, kündigte an, die Finanzprognose für 2020 sowie den Dividendenvorschlag für 2019 zurückzunehmen. "Die Gesundheit und das Wohlergehen unserer Mitarbeiter haben für ProSiebenSat.1 oberste Priorität. Wir tun alles, um sie zu schützen. Dabei richten wir uns selbstverständlich nach allen staatlichen Vorschriften und Empfehlungen. Wir beobachten die Entwicklung von COVID-19 und die Auswirkungen auf ProSiebenSat.1 genau. Bis Mitte März waren wir gut auf Kurs, bis die ersten COVID-19-Effekte begonnen haben, unser Geschäft in allen Segmenten zu beeinträchtigen", sagte Beaujean. Deshalb sei es derzeit nicht möglich, einen Ausblick auf die Gesamtjahresergebnisse abzugeben.

Der Finanzvorstand will jetzt den Fokus auf Kosten-, Liquiditäts- und Cashflow-Management legen, um das Geschäft zu schützen und eine Grundlage für die Zukunft des Unternehmens schaffen, so dass die eigene Strategie mit Priorität auf dem Entertainment-Geschäft umgesetzt werden könne, sobald sich die Situation normalisiere. ProSiebenSat.1 geht im April von einem Rückgang der TV-Werbeeinnahmen um geschätzte 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahr aus.

Die globalen Einschränkungen behinderten auch das Arbeiten der Red Arrow Studios. Lokale und internationale Produktionen mussten gestoppt werden. Das Wachstum des Digital-Studios Studio71 federte die Verluste der Red Arrow Studios auf ein Minus von nur 0,5 Prozent ab. Einen Anstieg des Außenumsatzes verzeichnete das Segment der NuCom Group um 15 Prozent auf 228 Millionen Euro.