Produktion

Ali Samadi Ahadi zu "Peterchens Mondfahrt"

Regisseur, Drehbuchautor und Produzent Ali Samadi Ahadi arbeitet auch im Corona-Lockdown an seinem ersten komplett CG-animierten Spielfilm "Peterchens Mondfahrt". Blickpunkt: Film sprach mit ihm über die Herausforderungen.

05.05.2020 09:24 • von Heike Angermaier
Ali Samadi Ahadi (Bild: Little Dream Entertainment)

Regisseur, Drehbuchautor und Produzent Ali Samadi Ahadi arbeitet auch im Corona-Lockdown an seinem ersten komplett CG-animierten Spielfilm "Peterchens Mondfahrt". Blickpunkt: Film sprach mit ihm über die Herausforderungen.

Sie haben Glück, dass Sie trotz Corona-Krise an "Peterchens Mondfahrt" weiterarbeiten können.

Ali Samadi Ahadi: Wir sind froh, dass wir weitermachen und so alle aus dem Team auch weiter ihren Lebensunterhalt verdienen können. Wir haben es geschafft, innerhalb einer Woche die Infrastruktur so umzustellen, dass fast alle Mitarbeiter von zu Hause aus arbeiten können bis auf ein Kernteam, das in den Studios von Red Parrot in Köln und Hamburg und den anderen Dienstleistern sitzt. Dafür haben wir zusätzliche Softwarelizenzen erworben, sind mit schweren Rechnern umgezogen usw. Das kostet Zeit und Ressourcen, aber etwas anderes bleibt uns nicht übrig, die Produktion zu stoppen, wäre eine Katastrophe. Das Ganze ist zu einer gesellschaftlichen Aufgabe geworden. Es geht hier nicht nur um ein Projekt, sondern darum, so viel Struktur wie möglich für die Zeit nach Corona zu erhalten.

Wie entstand die Zusammenarbeit mit dem Animations- und VFX-Studio Red Parrot?

Ali Samadi Ahadi: Red Parrot ist eine Schwesterfirma von Little Dream Entertainment und wurde vor sechs Jahren gegründet, als wir Teheran Tabu" realisieren wollten. Alle in der Branche sagten damals, "ihr seid wahnsinnig, einen animierten Spielfilm mit einem Debütbudget zu realisieren". Aber wir haben es einfach gemacht. Das Drama von Ali Soozandeh feierte schließlich 2017 in Cannes, in der Kritikerwoche, Premiere. Das Besondere an Red Parrot ist ihr Anspruch, aus Deutschland heraus Qualität zu liefern, die auch international mithalten kann. Die Firma besteht aus auch international erfahrenen und ganz jungen Kollegen, die ihr Können zeigen wollen. Eine Mischung, die wir für "Peterchens Mondfahrt" sehr gut gebrauchen können, um die phantastischen Welten der wunderbaren Geschichte umzusetzen. Es war eine große Herausforderung, visuell und inhaltlich, die Geschichte von Gerdt von Bassewitz aus dem Jahr 1912 zu modernisieren und für ein internationales Publikum aufzubereiten. Auch das deutsche Publikum wird den Film mit internationalen Produktionen vergleichen. Wir haben uns vorgenommen, den bestmöglichen in Deutschland produzierten CGI-Animationsfilm zu liefern - und ich habe das Gefühl, dass wir auf einem guten Weg sind.

Sie arbeiten also nicht mit Dienstleistern im Ausland wie das bei größeren Animationsfilmen üblich ist?

Ali Samadi Ahadi: "Peterchens Mondfahrt" ist eine österreichische Koproduktion mit Coop99, die bereits bei "Teheran Tabu" dabei war. Zwar haben wir Mitarbeiter aus vielen Ländern, die bei uns arbeiten, aber aktuell sind unsere Produktionsländer Deutschland und Österreich. Aber wir glauben fest daran, dass sich in einer globalisierten Welt auch Filmproduktionen internationaler bewegen und aufstellen müssen - sowohl inhaltlich als auch personell. Vielleicht ist die Corona-Krise ein guter Moment, gemeinsam darüber nachzudenken, wo wir stehen, welche Visionen wir für den deutschen Film haben und wie wir diese in der Zeit nach Corona verwirklichen können.

Wie hoch ist das Budget für "Peterchens Mondfahrt"?

Ali Samadi Ahadi: Knapp acht Mio. Euro. Das ist wenig für einen Animationsfilm, aber viel für eine deutsche Produktion. Die Finanzierung war nicht einfach. Little Dreams Schwesterfirma Brave New Work ist Produktionspartner und das ZDF neben Coop99 Koproduzent.

Mit wem arbeiten Sie beim Verleih und Vertrieb zusammen? Mit Little Dream Pictures haben Sie auch einen hausinternen Verleih.

Ali Samadi Ahadi: Wir wollen "Peterchens Mondfahrt" zusammen mit Warner in die Kinos bringen. Den Weltvertrieb übernimmt Sola Media, die auf animiertes Family Entertainment spezialisiert ist. Wir sehen "Peterchens Mondfahrt" als klassisches Family Entertainment. Die Geschichte ist humorvoll und spannend, die Hauptfiguren, Peterchen und Anneliese sind um die 13 bzw. sechs Jahre alt. Kinder in einem ähnlichen Alter werden das Kernpublikum ausmachen, aber der Film soll die ganze Familie unterhalten.

Wann ist der Start von "Peterchens Mondfahrt" angedacht?

Ali Samadi Ahadi: Der Film soll Ende des Jahres fertiggestellt werden. Wann er starten wird, ist offen. Es wurden bereits so viele Titel ins nächste Jahr verschoben. Nach Corona muss man sich die Marktsituation erst einmal ganz genau ansehen.

Gibt es Ideen für eine Fortsetzung oder eine Serie?

Ali Samadi Ahadi: Wir sehen Potenzial für weitere Geschichten, man kann sich in die Figuren verlieben, etwa die Naturgeister bieten sich für weitere Abenteuer an, aber wir wollen uns erst einmal auf diesen Film konzentrieren und ihn möglichst gut an den Start bringen. Dann können wir weitersehen.

Wann ging für Sie die Arbeit an "Peterchens Mondfahrt" los?

Ali Samadi Ahadi: Arne Nolting und ich begannen bereits 2015 am Drehbuch zu schreiben und gewannen 2018 den Deutschen Animationsdrehbuchpreis. In der Zwischenzeit erkrankte ich an Blutkrebs und arbeitete an zwei "Pettersson & Findus"-Filmen. Im September 2018 begann das Designteam mit der Arbeit, im Frühjahr 2019 starteten wir mit Storyboard und Animatics.

Sie haben bei den "Pettersson & Findus"-Filmen bereits mit CGI gearbeitet. Wie viel hat es Ihnen bei "Peterchens Mondfahrt" geholfen?

Ali Samadi Ahadi: "Peterchens Mondfahrt" ist mein erster komplett computeranimierter Film und das ist eine völlig andere Baustelle! Ich lerne ständig etwas Neues dazu. Die erfahrenen Kollegen nehmen mich an die Hand. Ein solcher Film macht sehr viel Arbeit, aber auch Höllen-Spaß. Es ist vor allem Teamwork - wie beim Realfilm - nur heißen die Heads of Department Animation-, Lightning- oder VFX-Supervisor.

Sie entwickeln mit Red Parrot bereits weitere Animationsprojekte?

Ali Samadi Ahadi: Mit Autor Stefan Kolditz entwickle ich Es war einmal", eine Mischung aus Real- und Animationsfilm um ein Mädchen, das in eine Märchenwelt gerät. Ich will hier auch Regie führen. Wir sind aber erst am Anfang der Finanzierung. Als Produzent bin ich außerdem bei einem sehr interessanten Sitcomprojekt involviert, das zwei Nachwuchstalente schreiben. "Friedefeld" ist eine animierte Sitcom, wie es sie bisher in Deutschland noch nicht gab. Film- und Medienstiftung NRW förderte und wir suchen nach einem mutigen Sender, in dessen Mediathek das Format auch gut passen würde. Amsonsten ist Red Parrot Studios natürlich für Projekte anderer Kollegen sehr offen.

Wie ist der Status beim "Pettersson & Findus"-Prequel "Die Mucklas", das Tradewind Pictures produziert und bei dem Sie Regie führen wollen?

Ali Samadi Ahadi: Der Produktionsstart war für Mai geplant, ist aber wegen der Corona-Krise vorerst verschoben worden. Da müssen wir abwarten. Natürlich hoffen wir alle, dass die aktuelle Situation bald ein Ende hat, aber momentan sieht es nicht so aus als ob wir in absehbarer Zeit zur Routine von vor der Krise zurückkehren können.

Das Interview führte Heike Angermaier