Kino

Von Corona ausgebremst: Das Kino-Quartal laut ComScore

Es ist eine Zwischenbilanz, die erwartungsgemäß miserabel ausfällt. Denn das Geschäft im ersten Kinoquartal kam Mitte März bekanntermaßen zu einem jähen Ende. Sagen lässt sich immerhin, dass der Kompletteinbruch auf den mit Abstand besten Jahresauftakt seit 2016 folgte, der deutsche Film seinen Marktanteil bis zum Shutdown eindrucksvoll ausgebaut hatte - und 3D massiv an Bedeutung verlor.

06.04.2020 15:17 • von Marc Mensch
Die Party im Kino wurde 2020 leider erst einmal allzu jäh gestoppt - aber "Nighlife" avancierte auch im verkürzten ersten Quartal zum Besuchermillionär (Bild: Warner)

Der Münchner Zahlenspezialist ComScore hat seine Bilanz für das erste Kinoquartal vorgelegt - und der einzige Grund, nicht schon jetzt von einem Horrorquartal zu sprechen, ist der Ausblick auf das zweite. Noch ist völlig offen, wann die Kinos wieder eröffnen können - aber fest steht natürlich, dass die Monate April bis Juni selbst im allergünstigsten Fall von einer wesentlich längeren Schließungsphase geprägt sein werden, als es der März war.

Insofern kommt dem Jahresvergleich diesmal nur recht wenig Gewicht zu, erwähnenswert sind die Zahlen aber natürlich dennoch: So sorgten in den ersten drei Monaten dieses Jahres rund 21,9 Mio. Besucher für Ticketumsätze in Höhe von gut 188,6 Mio. Euro. Dies entspräche den erwartbar hohen Rückgängen von 19,9 bzw. 19,4 Prozent. Werte, die sich bis zum Ende des Halbjahres noch drastisch erhöhen werden, versteht sich. Alleine der März lag nach Besuchern um 70,7 und nach Umsätzen um 71,8 Prozent hinter dem Vorjahreszeitraum.

Feststellen lässt sich immerhin, dass der deutsche Kinomarkt sehr gut in das neue Jahr einsteigen konnte: Denn der Januarumsatz von knapp 103,2 Mio. Euro lag nicht nur um 4,6 Prozent über jenem des Vorjahresmonats, sondern war der (mit weitem Abstand) beste im Fünf-Jahresvergleich. Ähnliches gilt für die knapp 11,6 Mio. Besucher, auch wenn die Abstände hier deutlich geringer ausfielen.

Im Februar realisierte sich hingegen, was für diesen Monat schon im Vorfeld prophezeit worden war: Mangels ausreichender Hochkaräter unter den Starts sackten die Zahlen gegenüber dem Vorjahr nach Besuchern um 3,8 Prozent (auf knapp 8,2 Mio.) und nach Umsätzen sogar um 5,9 Prozent auf 67,5 Mio. Euro ab.

Wollte man der miserablen Bilanz etwas Positives abringen, dann vielleicht die Tatsache, dass der deutsche Film seinen Marktanteil gegenüber dem Vorjahresquartal deutlich ausbauen konnte - was umso überraschender sein mag, als der Wert 2019 u.a. von gleich mehreren Besuchermillionen des Hits Der Junge muss an die frische Luft" gestützt wurde. Diesmal gab es aber eine ganze Reihe solide (oder besser) performende deutsche Filme, allen voran natürlich der Besuchermillionär Nightlife". Auf den Plätzen folgten (mit ihren in 2020 erzielten Ergebnissen) Lindenberg! Mach Dein Ding", "Die Hochzeit", "Als Hitler das rosa Kaninchen stahl" und Das perfekte Geheimnis". Eine lobende Erwähnung gebührt sicherlich dem Sechstplatzierten - denn Die Känguru-Chroniken" wären unter normalen Umständen zum Besuchermillionär avanciert. Unter Garantie. Marktanteil von 30,9 Prozent nach Besuchern und 28,6 Prozent nach Umsatz markieren für den deutschen Film jedenfalls nicht nur einen Anstieg um jeweils mehr als drei Prozentpunkte gegenüber Q1 2018, sondern auch die jeweils mit Abstand besten Anteile seit 2016.

Im Gesamtranking nach Umsatz setzte sich Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers" an die Spitze, bester Neueinsteiger war Bad Boys for Life", dahinter folgen Knives Out", Jumanji: The Next Level" und "Nightlife".

Geradezu frappierend schlecht fällt (auch unter Berücksichtigung der Umstände) der von ComScore berechnete 3D-Anteil aus. Demnach habe dieser im ersten Quartal nur noch bei 6,7 Prozent nach Besuchern (Vorjahr 13 Prozent) und 9,0 Prozent nach Umsatz (Vorjahr 16,8 Prozent) gelegen. Eine Entwicklung, die angesichts des Anstiegs des Durchschnittspreises für ein Kinoticket von 8,56 auf 8,61 Euro auf den ersten Blick tatsächlich sehr überrascht - wobei sich der Preisanstieg womöglich (auch) mit einem gesunkenen Gewicht von Kinderfilmen unter den Toptiteln erklären ließe.