Produktion

Hamburg und Schleswig-Holstein schnüren Maßnahmenpaket

Ein eigenes Kinosoforthilfeprogramm für Hamburg, eine Verdreifachung der Kinoprogrammpreise in Schleswig-Holstein, die Teilnahme am bundesweiten Rettungsschirm und ein neues Förderprogramm für die Kreativen im Film-Norden sind die Eckpfeiler eines neuen, millionenschweren Maßnahmenpakets zur Unterstützung der Film- und Kinobranche.

03.04.2020 14:57 • von Marc Mensch
Hamburgs Senator für Kultur und Medien Carsten Brosda (Bild: Bertold Fabricius)

Der Film- und Kinobranche im Norden schnell und nachhaltig unter die Arme zu greifen, ist Ziel eines neuen Maßnahmenpakets, mit dem Hamburg und Schleswig-Holstein den Folgen der Coronavirus-Pandemie begegnen wollen. Inklusive der bereits angekündigten Beteiligung der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein am gemeinsamen Maßnahmenpaket der Förderer auf Bundes- und Länderebene (wir berichteten), für die eine MIo. Euro reserviert wurden, kamen nun neue Hilfspakete in einem Umfang von fast 2,7 Mio. Euro hinzu, sodass die beiden Länder für die bisherigen Maßnahmen für die Film- und Kinobranche rund 3,7 Mio. Euro zusätzlich bereitstellen.

Hilfspakete für die Kinos:

In Hamburg hat der Senat das Kinosoforthilfeprogramm "Kino Hilfe Hamburg" ins Leben gerufen, das mit 550.000 Euro ausstaffiert ist. Die Mittel werden aus dem "Hilfspaket Kultur" bereitgestellt, mit dem die Behörde für Kultur und Medien kulturelle Einrichtungen auf der Grundlage bereits existierender Förderinstrumente unterstützt. Das Programm dient der Existenzsicherung von Hamburger Kinos und Abspielstätten. Unterstützt werden Häuser, die in den vergangenen drei Jahren mit dem Hamburger Kinopreis ausgezeichnet wurden sowie "kulturell herausragenden stadtteilbezogenen Filmtheatern und besonderen filmbezogenen Initiativen", die durch die zeitweilige Schließung in eine besondere Notsituation geraten sind. Die Förderhöchstsumme beträgt dabei 50.000 Euro pro Filmtheater. Zuwendungsfähig sind unter anderem laufende Betriebskosten und nachweisbare Ausfallkosten. Die Vergabe erfolgt über die FFHSH. In Schleswig-Holstein wird der Kinoprogrammpreis 2020 auf 150.000 Euro aufgestockt. Die Jurysitzungen für die Vergabe fanden bereits in dieser Woche statt, weswegen die Prämien ab sofort und als einmaliger Zuschuss an die entsprechenden Kinos ausgezahlt werden können.

Sonderprogramm "3x3" - drei Drehbücher in drei Jahren:

Mit dem neuen und einmaligen Projektförderinstrument "3x3" sollen die Kreativen und Produzent*innen im Rahmen der Incentive-Förderung am Standort kurzfristig in die Lage versetzt werden, langfristig neue Filmprojekte zu entwickeln und auf diesem Weg ihre Marktchancen wieder zu verbessern. Der Name "3x3" steht dabei für drei Drehbücher innerhalb von drei Jahren. Eine "3x3"-Förderung in Höhe von 150.000 Euro (für jeweils drei Projekte) kann beantragt werden, wenn Autor*in (oder Regie) sowie Produzent*in mit Hauptsitz in der Förderregion ansässig sind und ein wesentlicher Teil der Handlung in der Förderregion liegt. Gemeinsam nehmen Hamburg und Schleswig-Holstein für diese Maßnahme 1,95 Millionen Euro in die Hand - ergo können mit diesen Mitteln in den kommenden drei Jahren rund 40 neue Projekte im Film-Norden entwickelt werden.

Carsten Brosda, Hamburgs Senator für Kultur und Medien und Vorsitzender des Aufsichtsrats der FFHSH erklärt zu den neuen Maßnahmen: "Filmstarts verschoben, Kinosäle geschlossen - die notwendigen Maßnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus haben auch die Filmbranche mit existenzieller Wucht getroffen. Um die Filmschaffenden am Medienstandort Hamburg in dieser schwierigen Zeit zu unterstützen und die wirtschaftlichen Folgen wirksam zu begrenzen, haben wir gemeinsam ein Hilfsprogramm aufgelegt, das schnell, unbürokratisch und sofort finanzielle Hilfe leisten soll. Damit wollen wir die Grundlage dafür legen, dass der in den letzten Jahren so erfolgreiche Film im Norden möglichst gut an seinen aktuellen Erfolgen anknüpfen kann. Ein besonderes Anliegen ist uns dabei auch die Unterstützung der existenzbedrohten Kinobetreiber, damit Cineasten und Filmliebhaber auch künftig vorfinden, was sie in der Vergangenheit gelebt und geliebt haben: das gemeinschaftliche Filmerlebnis im Kinosaal."

Karin Prien, Ministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur des Landes Schleswig-Holstein ergänzt: "Das ist ein großartiges Signal - beide Gesellschafter im engen Schulterschluss mit der Geschäftsleitung unserer gemeinsamen Filmförderung sichern mit diesen Maßnahmen den Film- und Kinostandort im Norden. Film als das zeitgemäße Medium reflektiert in besonderer Weise die Dramatik dieser Zeit - bis hin zum ungewollten Stillstand. Für das dynamische Bewegtbild ein kontrafaktischer Zustand. Schnelle und zielgerichtete Hilfe ist daher das, was die Filmschaffenden und die Kinobranche ganz dringlich brauchen und hier in zielführenden Förderabschnitten erhalten."

Und FFHSH-Geschäftsführer Helge Albers sagt: "Bei akuten Wunden müssen Verband und Pflaster her! Mit dem Maßnahmenpaket leisten wir erste Hilfe. In unsicheren Zeiten sind Planbarkeit und Zukunftsperspektive hohe Güter. Daher haben wir mit dem Sonderprogramm '3x3' für Autor*innen und Produzent*innen aus unserer Förderregion ein Instrument geschaffen, das zeitnah finanzielle Hilfe verspricht und gleichzeitig langfristig kreatives Potential am Standort aufbaut. Mein Dank geht an unsere Gesellschafter Hamburg und Schleswig-Holstein, die schnell und unkompliziert finanzielle Unterstützung bereitgestellt haben."