Kino

Martin Moszkowicz: "Bei vielen Produzenten läuft die Uhr"

Unter Führung von Martin Moszkowicz trotzt auch Constantin Film der Corona-Krise. Was die Schließung aller Kinos und ein kompletter Produktionsstopp für den größten Independent bedeuten, und welche Maßnahmen von Politik und Förderern der Filmbranche helfen würden, erläutert er im Interview mit Blickpunkt:Film.

31.03.2020 14:18 • von Jochen Müller
Martin Moszkowicz (Bild: Constantin Film)

Unter Führung von Martin Moszkowicz trotzt auch Constantin Film der Corona-Krise. Was die Schließung aller Kinos und ein kompletter Produktionsstopp für den größten Independent bedeuten, und welche Maßnahmen von Politik und Förderern der Filmbranche helfen würden, erläutert er im Interview mit Blickpunkt:Film.

In Deutschland, weiten Teilen Europas und der Welt ist das öffentliche Leben zum Stillstand gekommen: Kann man sich einen schlimmeren GAU für den globalen Markt vorstellen?

Martin Moszkowicz: Natürlich gibt es noch furchtbarere Dinge, die man sich denken kann, aber ich hätte nicht geglaubt, dass wir so etwas in unserer Zeit erleben. Es ist schon einzigartig, wie unser Leben dadurch beeinträchtigt wird. Es ist furchtbar für die Wirtschaft, schlimm für unsere Branche, und am schlimmsten für die Menschen, die erkranken. Wir alle fahren jetzt auf Sicht und versuchen, so gut es geht, mit der Situation umzugehen. Das erfordert viel Flexibilität und vor allem gute Nerven.

Sämtliche Kinos sind geschlossen. Wie kann die Kinobranche diesen Schlag überstehen?

MM: Die gegenwärtige Situation ist schrecklich. Ich glaube aber auch, dass sie nicht von Dauer sein kann. Sie wird sich auch wieder ändern. Wenn die Kinos irgendwann wieder aufmachen, wird es einen großen Bedarf geben. Die Menschen haben ein großes Bedürfnis, wieder ins Theater zu gehen oder Filme im Kino zu sehen, vielleicht auch, weil sie dann mehr oder weniger alles gesehen haben, was es auf den diversen Plattformen gibt. Aber bis dahin ist noch ein weiter Weg, der viele Filmtheater extrem belasten wird, und einige werden das auch nicht überleben. Wir sind nun darauf angewiesen, dass die vielen Rettungsaktionen für die Wirtschaft, von denen jetzt die Rede ist, auch genügend für unsere Branche bewirken. Die Kinos, aber auch die Produktions- und Auswertungsfirmen und ihre Mitarbeiter sind weit über ein Maß belastet, wie man das je für möglich gehalten hätte.

Auch die meisten Produktionen sind zu einem Stopp gekommen. Wie weit wirft das den Produktionsstandort zurück?

MM: Bei uns stehen alle Produktionen, insgesamt über 30, die meisten davon in Deutschland, aber auch einige in anderen Ländern. Das ist für die gesamte Produktionslandschaft verheerend. Weltweit haben alle dasselbe Problem, insofern bringt das keine Wettbewerbsverzerrung mit sich. Einige Länder sind weiter, weil dort die Epidemie schon wieder abflacht, andere haben das Schlimmste noch vor sich. Jetzt geht es darum, wie das vor allem mittlere und kleine Produktionsgesellschaften überleben können, denn die Kosten, die gerade entstehen, sind immens. Bei uns in der Constantin Film sind durch Verschiebungen Kosten in Millionenhöhe entstanden. Wir werden das natürlich überstehen, aber auch wir hoffen auf Hilfe. Die bisher bekannt gewordenen Maßnahmen reichen jedenfalls nicht, um das aufzufangen.

Wie genau ist die Constantin Film von der Coronakrise betroffen? Welche Bereiche leiden am meisten?

MM: Das kann man an drei Bereichen fest machen. Ein großer Bereich ist der Stillstand aller Produktionen. Dort sind bereits entstandene Kosten aufgelaufen, aber viele Kosten, etwa aus den Mitarbeiterverträgen, laufen weiter. Der zweite Bereich betrifft die Auswertung. Auf kaum absehbare Zeit bricht der gesamte Kinobereich weg. Vielleicht lässt sich davon etwas über digitale Auswertungsformen wettmachen, aber das Geschäftsmodell verändert sich dadurch massiv. In beiden Bereichen haben wir große Probleme. Es gibt noch einen weiteren Bereich, nämlich das in Deutschland noch immer wichtige physische Home Entertainment. Der Verkauf von DVD und Blu-ray leidet massiv, weil die Geschäfte und Läden zum größten Teil geschlossen sind. Auch das versuchen wir durch eine Verlagerung in den Digitalbereich wettzumachen, aber das wird die Verluste nicht auffangen.

Niemand wird allein gelassen, hat die Politik gesagt. Reichen die Unterstützungsangebote aus, auch für eine Firma wie die Constantin?

MM: So groß dieser Rettungsschirm mit seinen 156 Mrd. Euro auch ist, er wird nicht ausreichen, um damit alles, was notwendig wäre, zu bewirken. In anderen Ländern wird mehr getan. Man muss gar nicht nach Amerika mit seinen 2200 Mrd. Dollar an Nothilfe blicken. Hinzu kommt, dass den meisten Firmen in unserem Bereich, übrigens auch uns selbst, mit Krediten alleine nicht geholfen ist. Wir z.B. haben überhaupt keine Probleme an Kreditmittel zu kommen, das hilft aber nicht, sondern verlagert das Problem nur in die Zukunft. Mag sein, dass auch ein kleiner Theaterbesitzer mit Unterstützung der KfW einen Kredit von seiner Hausbank bekommt. Den muss er aber zurückzahlen - und wovon soll er das tun? Es gibt andere Forderungen aus der Branche, wie man diesen Kosten begegnen kann. Die öffentlich-rechtlichen Sender haben sich gegenüber den Produzenten bereit erklärt, 50 Prozent der Ausfallkosten zu übernehmen. Das ist ein Schritt in die richtige Richtung, aber nicht weit genug. Bei den klassischen Auftragsproduktionen muss es sehr viel mehr sein. Und es gibt eine Initiative der verschiedenen Förderungen, einen Fonds unter Führung der FFA aufzulegen, um Mehrkosten ganz oder teilweise zu übernehmen. Das ist auch eine richtige Initiative, nur leider wird die Summe nicht für alle Produktionen ausreichen.

Was müsste noch geschehen?

MM: Eine Forderung von mir ist, dass der DFFF jetzt massiv nach oben geöffnet wird. Eine Reihe von großen Produktionen fällt weg, es sind also Mittel vorhanden. Alle amerikanischen Großproduktionen sind abgereist und kommen erst einmal auch nicht wieder. Richtig wäre es, den DFFF-Anteil für die laufenden Produktionen sowie für die nächsten 18 Monate auf 35 Prozent anzuheben. Das würde allen in der Branche helfen und den Standort auch für Produktionen, die jetzt abgewandert sind, attraktiv machen. Vor allem würde es helfen, wenn jetzt z.B. die Budgets der Förderungen dazu benutzt werden, um Verschiebungskosten zu bezahlen. Das würde ja bedeuten, dass diese Gelder nicht mehr zur Verfügung stehen, wenn in naher Zukunft die Produktionstätigkeit wieder aufgenommen werden kann. Man müsste dafür sorgen, dass jetzt ein größerer Betrag über den DFFF in die Produktionslandschaft fließt, in diesem Fall für den Kinofilm. Gleichzeitig kann man die Jahresetats von Förderungen mit Mitteln aus den Rettungsfonds aufstocken. Das wäre viel einfacher als der sehr bürokratische Weg, Kredite zu beantragen. Man sieht jetzt schon, wie schwer es ist, an diese Kredite zu kommen, abgesehen davon, dass sie auch nur bedingt hilfreich sind. Auf die Filmbranche zugeschnittene Lösungen sind sicher besser, als Wege zu beschreiten, die vielleicht in anderen Branchen sinnvoll sind, aber nicht bei uns. Natürlich muss das alles unter Beihilfe-Gesichtspunkten geprüft werden, aber in dieser absoluten Ausnahme- und Notsituation sind kreative Lösungen gefragt.

Die besondere Qualität der Filme der Constantin machen die kreativen Mitarbeiter vor und hinter der Kamera aus. Muss ihnen nicht auch geholfen werden, damit Sie auch in Zukunft mit ihnen arbeiten können?

MM: Absolut. Es ist ganz wichtig, den Crews und Schauspieler über diese schwierige Zeit hinwegzuhelfen. Als Produzentenallianz haben wir vor einigen Tagen in einem Verhandlungsmarathon erstmals eine Kurzarbeitsregelung mit ver.di abgeschlossen. Natürlich muss so etwas jeweils im Einzelfall geprüft werden. So eine Regelung hat nicht nur Vorteile, aber sie bietet eine Möglichkeit, Filmschaffende davor zu bewahren, vor dem Nichts stehen.

Wie lange hält der Markt den Shutdown aus? Finden Sie die extremen Maßnahmen gerechtfertigt?

MM: Ich bin kein Politiker und auch kein Arzt. Ich verstehe schon, dass hier versucht wird, die massiv steigenden Zahlen zu reduzieren. Gleichzeitig muss man die sonstigen Schäden im Auge behalten, die über die reine Epidemie hinausgehen. Die wirtschaftlichen Folgen werden uns noch die nächsten Jahre begleiten. Wichtig ist, mit Augenmaß ganzheitliche Lösungen zu finden: Eine nur epidemiologische Sicht halte ich für genauso gefährlich wie eine ausschließlich wirtschaftlich getriebene. Es gilt beides zu berücksichtigen. Wir gehen nicht davon aus, dass die Theater vor Juni wieder aufmachen können. Ab diesem Zeitpunkt, vielleicht im Einzelfall schon etwas früher, wird man auch über Dreharbeiten nachdenken können. Momentan wird in wenigen Fällen immer noch gedreht, aber das ist eine Einzelfallentscheidung jeder Produktion. Es gibt eine Fürsorgepflicht des Arbeitgebers für seine Mitarbeiter, und jeder Produzent muss entscheiden, was machbar ist. Ich halte von dem Ruf nach einem generellen Drehstopp gar nichts, vor allem, weil ich gar nicht weiß, wer ihn ausrufen sollte, und wer ihn irgendwann wieder zurücknimmt? Er verbessert auch die Situation der Produzenten nicht, weil die Stelle, die den Drehstopp verhängt, sicher keine Verantwortung für die wirtschaftlichen Folgen übernimmt. Ich plädiere sehr dafür, mit der Situation vernünftig und flexibel umzugehen. Flexibilität ist jetzt überhaupt das Wichtigste, wenn wir Woche für Woche und Tag für Tag die Situation neu bewerten. Das ist genau das, was wir in der Constantin Film tun.

Constantin Film hat "Berlin, Berlin" und "Ostwind - Der große Orkan" verschieben müssen: Halten Sie mit ihren Filmen an der Kinoerstauswertung fest?

MM: Bei einigen Titeln wie Das perfekte Geheimnis" haben wir die Sperrfrist jetzt mit Genehmigung der FFA um ein paar Tage verkürzt und sie früher in allen digitalen Medien veröffentlicht. Wir haben Glück im Unglück, weil wir nur zwei Produktionen in diesen Wochen im Kino starten wollten. Im Prinzip halten wir an der Kinoauswertung fest, aber ich möchte nicht ausschließen, dass der eine oder andere Titel nicht mehr ins Kino kommt, sondern nur digital ausgewertet wird. Aber das sind Einzelfälle, die keine Veränderung unseres Geschäftsmodells bedeuten. Sobald die Kinos wieder öffnen, müssen wir als Branche schlau vorgehen, damit wir das Publikum nicht überfordern und plötzlich alle Filme, die zuvor nicht gestartet werden konnten, in den Markt drücken. Hier gilt es, vernünftig zu sein, damit das Publikum überhaupt in der Lage ist, die Filme im Kino zu genießen. Aber wir stellen keine grundsätzlichen Überlegungen an, Filme nicht mehr ins Kino zu bringen.

Momentan steigt die digitale Nachfrage stark. Könnte die digitale Auswertung die Ausfälle im Kino oder beim physischen Home Entertainment überhaupt ausgleichen?

MM: Nein, das glaube ich nicht. Das ist auch auf Dauer nicht denkbar. Ich bin sogar überzeugt, dass das Interesse der Menschen daran, wenn sie jetzt lange und viel zuhause konsumiert haben, abflachen wird. Gleichzeitig muss man sagen, dass die Produktionsstopps alle betreffen. Gestoppt sind nicht nur Kinoproduktionen, sondern auch Produktionen für die Streamer und das klassische TV. Irgendwann kommen alle an den Punkt, wo es nicht mehr genug neues Produkt geben wird. Noch haben die Streamer ausreichende Programmvorräte, aber auch die werden irgendwann ausgewertet sein. Deshalb hoffe ich sehr, dass wir in den nächsten Monaten wieder eine geregelte Produktionstätigkeit aufnehmen können. Mich stimmt optimistisch, dass man in China allmählich wieder zur Normalität zurückkehrt. Erste Kinos hatten vorübergehend schon wieder aufgemacht. Es gibt dort Untersuchungen, welche Bedeutung Kino für die Menschen hat, die Wochen und Monate zuhause verbracht haben. Es liegt an zweiter Stelle aller Freizeitaktivitäten. Hoffentlich haben auch wir bald das Schlimmste überstanden.

Eröffnen sich für die Constantin Film durch die steigende, digitale Nachfrage neue Chancen im Lizenzhandel?

MM: Absolut, und sie besteht auch völlig unabhängig von der Corona-Krise. Das zeigen gerade einige unserer großen Klassiker. Gerade ist "Fräulein Smilla's Gespür für Schnee" mit einer sehr guten Quote auf Arte gelaufen. Wir werden auch größere Pakete mit dem einen oder anderen Streamer abschließen. Diese Möglichkeiten sind gegeben, aber mit Library-Geschäft schaffen wir die Probleme nicht aus der Welt. Dafür braucht es früher oder später wieder einen vernünftigen Kinomarkt.

Die Produktion bei der Constantin ist auf null gefahren, Ausfallversicherungen greifen kaum: Was sind für Sie in dieser Situation die größten Herausforderungen?

MM: Die letzte Produktion, die noch lief, war die "Comedy Konferenz " mit Hugo Egon Balder und vielen Prominenten auf Sat1. Daran sieht man auch, dass Produzenten mit der Herausforderung vernünftig umgehen. Da wurden keine Mitarbeiter in Gefahr gebracht. Seither stehen bei uns alle Produktionen. Die Versicherungen haben sich tatsächlich nicht mit Ruhm bekleckert und schon sehr früh den Standpunkt vertreten, dass sie für Ausfallkosten wegen einer Epidemie nicht aufkommen müssen. Das trifft so einfach nicht zu. Es gibt eine klare Definition des BGH, was eine Epidemie im rechtlichen Sinne ist. Unabhängig davon, ist unsere größte Herausforderung, die Firma am Laufen zu halten, z.B. bei den Development-Arbeiten, die jetzt auch vorgenommen werden können. Das ist aufwändig und erfordert viel digitales Kommunizieren. Gleichzeitig müssen wir den finanziellen Fallout aus den Verschiebungen verarbeiten. Wir hatten mit SARS schon 2003 in China zu tun, als wir kurz danach dort gedreht haben. Aber davon war lediglich eine Produktion betroffen. Produktionsleute können mit unvorhergesehenen Situationen ganz gut umgehen, aber diesmal sind alle Produktionen betroffen. Das Volumen ist schwer zu bewältigen. Bei aller Sympathie, dass soviel Geld zur Verfügung gestellt wird, noch habe ich keine Maßnahme gefunden, die uns als Branche weiterhilft. Es gibt Gespräche und Initiativen, aber noch ist nichts davon operabel, und bei vielen Produzenten läuft die Uhr. Die Kosten sind angefallen und die Einnahmen sind weggebrochen.

Was muss jetzt und später geschehen, damit sich der Markt erholen kann?

MM: Was auch immer jetzt gemacht wird, das Allerwichtigste ist, dass es unbürokratisch und schnell passiert. Wie es aussieht, setzt man in einigen Bereichen die Hürden für diese Maßnahmen so hoch, dass kaum einer sie nehmen kann, in einer Situation, in der man auf ein normales Büro nicht zurückgreifen kann. Den Produktionsgesellschaften, den Mitarbeiter, den Freischaffenden und Künstlern muss gezielt und schnell geholfen werden. Da wird es nicht gelingen, jedes Fitzelchen Papier und jeden Nachweis beizubringen. Das kann alles zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden.

Ist dieses Jahr für die Constantin schon gelaufen?

MM: Das muss man abwarten. Wir sind immer noch zuversichtlich, dass wir in der zweiten Jahreshälfte Filmstarts platzieren können und die Kinos wieder offen sind. Allerdings wird sich ein Teil unserer Produktionen ins nächste Jahr verschieben. Solange es nur um Verschiebungen geht, wird man damit umgehen können, aber es gibt auch das eine oder andere Projekt, das in Vorbereitung ist und es schwer haben wird, später im Jahr einen Produktionstermin zu finden. Produktionen sind komplizierte Gebilde, an denen Schauspielertermine hängen; manchmal kann man nur in bestimmten Jahreszeiten drehen; mal braucht man bestimmte Motive. Wir versuchen im Moment verzweifelt, dafür Szenarien zu entwickeln, was wann gedreht werden kann. Angesichts der ungewissen Entwicklung der Situation, ist das extrem kompliziert und kostet richtig viel Geld.

Müssten sich in dieser Situation Länderförderer mit FFA und BKM stärker der Verantwortung stellen?

MM: Das fände ich extrem wichtig. Der Hilfsfonds ist auch eine gute Idee, nur ist uns damit nicht geholfen, wenn die Gelder nur vorgezogen ausgegeben werden. Das führt dann dazu, dass keine Mittel für neue Produktionen mehr zur Verfügung stehen, wenn die Krise vorbei ist. Ich finde, dass von diesem Riesenbetrag von 156 Mrd. Euro auch ein Teil dafür verwendet werden muss, um die Situation in unserer Branche zu entschärfen. Es muss einen Mittelzufluss von außen geben, und dieser Zufluss kann nur aus diesen jetzt frei gegebenen Haushaltsmitteln kommen. Das ist in vielen anderen Ländern auch so. Gerade die amerikanischen Produktionen, die jetzt in die USA zurück gehen, können sich darauf verlassen, dass sie aus dem 2200 Mrd. Dollar-Fonds unterstützt werden. Damit gibt es für sie gar nicht mehr die Möglichkeit, nach Deutschland zurück zu kommen. Die leeren Kassen der FFA, die in diesem Jahr nur über einen Bruchteil ihrer Einnahmen verfügen wird, müssen von staatlicher Seite unterstützt werden.

Ist es eine zusätzliche Belastung, dass nun sämtliche Veranstaltungen verschoben oder nicht durchgeführt werden können, wie etwa Cannes, die MipTV oder der Deutsche Filmpreis?

MM: Beim Deutschen Filmpreis stört mich das nicht besonders, soweit es Constantin Film betrifft. Wir wären sowieso nur mit dem erfolgreichsten Film dabei gewesen. Es ist schade für die Leute, die nominiert sind und dort eine Chance haben. Aber wenn ich das richtig verstanden habe, wird es eine virtuelle Verleihung geben. Cannes halte ich für problematisch, weil es in jedem Jahr ein wichtiger Angelpunkt für die Branche ist, und der Markt große Bedeutung hat. Aber Cannes ist noch nicht abgesagt, sondern im Augenblick nur verschoben. Im Übrigen gibt es vielleicht auch zu viele Märkte. Ich glaube nicht, dass sich jemand sehr darüber ärgert, dass die MipTV dieses Jahr nicht stattgefunden hat. Dafür ist die MipCom im Herbst umso wichtiger. Ich hoffe sehr, dass wir dann wieder zu einem normalen Jahresablauf kommen.

Auf welche Filme dürfen wir uns dann bei Constantin besonders freuen?

MM: Ich bin überzeugt davon, dass Komödien in den nächsten Jahren ein noch dominanteres Genre sein werden, einfach weil viele Menschen nach einer so schweren Zeit Sehnsucht danach haben, gemeinsam mit anderen im Kino zu lachen. Ende Mai wäre "Ostwind" in die Kinos gekommen, der jetzt erst noch neu terminiert werden muss. Wir haben Kaiserschmarrndrama", den nächsten Eberhofer-Film, und mit Contra" einen großartigen und sehr starken Film von Sönke Wortmann. Im September soll mit Monster Hunter" eine große, internationale Produktion weltweit starten. Wir hatten für dieses Jahr eine sehr schöne und kommerzielle Staffel geplant, die jetzt Federn lassen muss. Drachenreiter" oder der neue Film von Leander Haußmann kommen natürlich auch ins Kino, aber vielleicht nicht mehr in diesem Jahr.

Erleben wir einen Umbruch, eine Zeitenwende? Wird sich die Welt des Films nach der Krise dauerhaft verändert haben?

MM: Ich hoffe nicht. Gleichzeitig hoffe ich, dass wir Dinge lernen und beherzigen, die jetzt notwendig sind, dass wir stärker über digitale Kommunikationsmittel arbeiten. Aber grundsätzlich hoffe ich sehr, dass die Medienwelt sich so weiterdreht. In schwierigen Zeiten haben sich Unterhaltung und Medien immer antizyklisch zum Rest der Wirtschaft verhalten. Hoffentlich ist das auch diesmal der Fall. Ich weiß jedenfalls, dass wir das gut gebrauchen können. Als Filmproduzent ist man grundsätzlich Optimist, deswegen gehe ich davon aus, dass alles wieder in normale Bahnen kommt. Aber das wird dauern, das ist mir durchaus bewusst. Wir werden dann die Ärmel hochkrempeln und das machen, was wir bei der Constantin gut können, nämlich erstklassige Unterhaltung für Kino, Fernsehen und Streamer produzieren und auswerten.

Das Gespräch führte Ulrich Höcherl