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"Krieg im Kopf": Top-"Tatort" am Sonntag

Die von Fimpool Fiction für den NDR produzierte "Tatort"-Folge "Krieg im Kopf" - von Jobst Christian Oetzmann Nach einem Drehbuch von Christian Jeltsch inszeniert - setzt Maßstäbe und ragt innerhalb der Sonntagskrimireihe heraus.

27.03.2020 15:54 • von Frank Heine
Florence Kasumba und Maria Furtwängler (Bild: NDR/Manju Sawhney)

Die von Filmpool Fiction für den NDR produzierte "Tatort"-Folge Krieg im Kopf" (Sonntag, ARD, 20:15 Uhr) - von Jobst Christian Oetzmann Nach einem Drehbuch von Christian Jeltsch inszeniert - setzt Maßstäbe und ragt innerhalb der Sonntagskrimireihe heraus. Diese Ansicht vertritt auch Blickpunkt:Film-Rezensent Tilmann P. Gangloff:

Hollywood hätte aus diesem Stoff einen großen Film in der Tradition vieler regierungskritischer Thriller gemacht. Hierzulande reicht es "nur" für einen "Tatort", aber der dürfte immerhin zu den besten Sonntagskrimis des Jahres gehören. Es geht um eine Form der Kriegsführung, die eher nach Science-Fiction als nach Bundeswehr klingt, und um einen skrupellosen Menschenversuch, aber das können die Göttinger Kommissarinnen Lindholm (Maria Furtwängler) und Schmitz (Florence Kasumba) nicht ahnen, als sie mit einer fast ausweglosen Situation konfrontiert werden.

"Krieg im Kopf" beginnt mit einer Szene, die Autoren und Regisseure gern als Einstieg nutzen, um dann in einer langen Rückblende die Vorgeschichte zu erzählen: Im Foyer des Präsidiums drückt ein offenkundig verwirrter Mann Lindholm ein Messer an die Kehle und wird von Schmitz erschossen. Im Haus des Mannes entdecken die Polizistinnen die Leiche seiner Frau. Nachforschungen ergeben: Benno Vegener (Matthias Lier) ist von einem Bundeswehreinsatz in Mali, bei dem sein Erkundungstrupp in einen Hinterhalt geraten ist, mit einem posttraumatischen Belastungssyndrom heimgekehrt. Er hörte Stimmen und war in therapeutischer Behandlung; offenbar vergebens. Dann hat er anscheinend seine Frau umgebracht und seine Erschießung provoziert. Für Lindholms Chef (Luc Veit) ist der Fall damit erledigt, für die Kommissarinnen allerdings nicht. Ihre Recherchen führen sie in einen Abgrund kaum vorstellbarer Skrupellosigkeit.

Christian Jeltschs Geschichte erinnert lebhaft an "Brennende Kälte", einen "Dengler"-Roman von Wolfgang Schorlau, dessen Verfilmung das ZDF im letzten Jahr gezeigt hat. Dort gehörten die Schurken zum Bundesnachrichtendienst, im "Tatort" zum MAD, aber der Hintergrund ist ganz ähnlich. Die Faszination von Jeltschs auch in kleinsten Details sehr sorgfältigem und zudem ziemlich komplexem Drehbuch liegt nicht zuletzt in der Verquickung von Fakten und Verschwörungstheorien. Es schwirren allerlei komplizierte technische Details durch die Dialoge, aber die entsprechenden Ausführungen hat Grimme-Preisträger Jeltsch ("Einer geht noch"), dessen Miniserie "Die verlorene Tochter" (ZDF) kürzlich einer der Höhepunkte des Fernsehjahres war, griffig in die Handlung integriert. Regie führte Jobst Christian Oetzmann, auch er Grimme-Preisträger ("Tatort: Im freien Fall", 2002).

"Krieg im Kopf" ist nach "Das verschwundene Kind" (2019) der zweite Fall für das Duo Lindholm/Schmitz, und zum Glück hat Jeltsch darauf verzichtet, den Zickenkrieg zwischen den beiden Frauen fortzusetzen. Sie sind immer noch keine besten Freundinnen, aber der Rettungsschuss zu Beginn lässt sie zusammenwachsen. Beide geben sich zwar cool, aber natürlich macht ihnen das Erlebnis zu schaffen. Schmitz hat regelmäßig Visionen von Vegener, was zu einer echten Gänsehautszene Szene führt. Der Film ist ohnehin immer wieder ziemlich spannend, erst recht, wenn die Ermittlerinnen ins Visier ihres unbekannten Gegners geraten und selbst Opfer der Militärtechnologie werden. In diesen Szenen wird auch die wichtige Rolle der Musik (Sebastian Fillenberg) deutlich, die mitunter ein fast körperlich spürbares Unbehagen verbreitet.