Produktion

VTFF fordert Krisenfonds

Unter Verweis auf besonders hohe Fixkosten in diesem Segment sowie die Tatsache, dass die jeweiligen Unternehmen in der Regel nicht von bisherigen Hilfsprogrammen erfasst werden, fordert der VTFF einen Krisenfonds für die film- und fernsehtechnischen Betriebe. Auch die Summe beziffert er konkret.

27.03.2020 10:06 • von Marc Mensch
Stefan Hoff, Vorstandsvorsitzender des VTFF (Bild: VTFF)

"Die technisch-kreativen Dienstleistungsunternehmen haben im Vergleich zu anderen Wertschöpfungsstufen sehr hohe Fixkosten für Hallen, Fahrzeuge, Gehälter und vor allem Technik zu finanzieren. Mit großen personellen Ressourcen, Investitionen und Know-how werden hier die Infrastruktur und eine Zukunftstechnologie vorgehalten und weiterentwickelt, die für jede Art von audiovisuellen Produktionen und für viele andere Branchen relevant ist", heißt es zu Beginn eines Statements, in dem der Verband Technischer Betriebe für Film und Fernsehen (VTFF) einen Krisenfonds fordert, aus dem Gehälter, Mieten und Kapitaldienste für Technik und Infrastruktur bezuschusst werden sollen. Denn konfrontiert mit dem Ausbleiben der Einnahmen bei weiterhin laufenden hohen Fixkosten würden viele film- und fernsehtechnischen Betriebe ohne gezielte Unterstützung in der gegenwärtigen Krise "nicht lange durchhalten" können.

Der VTFF verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass die von ihm vertretenen Betriebe in der Regel nicht von bisherigen Hilfsprogrammen erfasst würden: weder unter die Maßnahmen der BKM oder der FFA für Produzenten, Verleiher und Kinos, noch unter die Zusagen der Sender oder Hilfsfonds von Streamingdiensten und nicht unter die Unterstützung für Künstler oder für Kleinstunternehmen und Solo-Selbständige.

Das Hilfspaket müsse demnach so geschnürt sein, dass die technische Infrastruktur nach der Krise wiederhergestellt werden können - und der VTFF errechnet ein Volumen von 375 Mio. Euro. Dieses ergibt sich aus der Prognose, dass bei einem Jahresumsatz der betroffenen Unternehmen von über einer Mrd. Euro pro Jahr, von dem rund 75 Prozent für Fixkosten aufgewandt werden müssten, nun Einbußen in Höhe von wenigstens 50 Prozent zu erwarten seien.

Zu den Modalitäten des Fonds, der Gehälter, Mieten, Leasing- oder Tilgungsraten sowie krisenspezifische außergewöhnliche Belastungen bezuschussen soll, führt der VTFF aus, dass Nachweise der Umsatzhöhe der letzten drei Jahre, der ausgefallenen Produktionen und der laufenden Kosten eine monatlich angepasste Auszahlung ermöglichen sollten, bis sich das Geschäft wieder normalisiert habe. Dabei sei ein flexibler Auszahlungsmodus notwendig, da die Ausfälle je nach Wertschöpfungsstufe unmittelbar (z.B. Außenübertragung, Kameraverleih) oder zeitverzögert (Postproduktion, VFX) eintreten würden.

Die Beschränkung auf die Ausreichung von Darlehen würde nach Darstellung des VTFF infolge der damit verbundenen Tilgungs- und Zinslast "die technisch-kreative Infrastruktur und damit den Produktionsstandort Deutschland insgesamt nachhaltig gefährden. Aufgrund kurzer Innovationszyklen und niedriger Rendite haben die Unternehmen eine dünne Eigenkapitaldecke und erfüllen häufig die Bonitätsanforderungen der Hausbanken für die aktuellen Liquiditätshilfen nicht. Damit werden besonders dynamische und innovative Unternehmen die derzeitige Krise nicht überstehen".

Trotz derartiger Vorbehalte müssten auch die Bedingungen der Liquiditätshilfen "an entscheidenden Stellen verbessert werden". Laut VTFF werde das Instrument den Unternehmen erst mit einer hundertprozentigen Bürgschaft durch KfW und Länderbanken, einer Senkung der Bonitätsanforderungen und einem Aufruf an die Banken zur zügigen Umsetzung richtig nützen.

"Es geht um die Rettung eines großen Spektrums an Unternehmen: um Studios für Kinofilme und Shows, um Außenübertragungsunternehmen für Sport und Kultur, um digitale Bildbearbeitung und kleine Tonstudios für alle Formate, um Ausrüstung und Ausstattung für das gesamte audiovisuelle Schaffen auf sämtlichen Auswertungsschienen und um viele qualifizierte Mitarbeiter. Jetzt wie auch nach der Corona-Krise gibt es keine Film- und TV-Produktion ohne die technisch-kreativen Dienstleister", so der VTFF abschließend.