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Rasantes Wachstum für deutschen VoD-Markt

Die Forschungsgruppe Goldmedia prophezeit der deutschen VoD-Branche steile Wachstumsraten Nicht zuletzt wegen SVoD und AVoD.

26.03.2020 09:35 • von Jörg Rumbucher
- (Bild: Goldmedia)

Dass der deutsche VoD-Markt mit seinen diversen Distributionsformen zu einer Wachstumsbranche zählt, ist keine Überraschung. Die Forschungsgruppe Goldmedia hat dies zuletzt mit einigen bemerkenswerten Zahlen eindrücklich belegt. So werde nach Berechnungen der Marktforscher der gesamte VoD-Markt im Jahr 2024 6,5 Mrd. Euro umsetzen, was einer jährlichen Wachstumsrate von durchschnittlich 13 Prozent bedeuten würde. Die prognostizierte Umsatzgröße setzt sich aus SVoD, EST, TVoD und AVoD zusammen. Die Daten sind Teilergebnisse des Branchenreports "Streaming Market Germany 2020". Auch für das abgelaufene Jahr haben die Marktforscher eine Zahl parat: Demnach haben kostenpflichtigen und werbefinanzierte Streamingangebot mit Stand Ende 2019 in Deutschland einen Gesamtumsatz von 3,6 Mrd. Euro erzielt. Fürs laufende Jahr sagt Goldmedia sagt das Unternehmen eine Umsatzhöhe von 2,9 Mrd. Euro voraus, die sich allerdings nur auf kostenpflichtige Services bezieht. Dies entspräche einer Steigerung um 18 Prozent gegenüber 2019. Besondere Bedeutung kommt dabei Abo-basierten Streamingdiensten zu: So geht die Forschungsgruppe davon aus, dass mit SVoD-Modellen 2020 bis zu 355 Mio. Euro mehr eingenommen werden können als im Vorjahr. Den absoluten Betrag nennt das Unternehmen nicht. Stattdessen, dass Amazon und Netflix in Deutschland die bisher unangefochtenen Beherrscher des deutschen Pay-VoD-Business sind: Aus Basis abgeschlossener Abonnements hatte Amazon Prime 2019 einen Marktanteil von 35 Prozent, Netflix einen von 25 Prozent. Perspektivisch dürfte ihre Vormachtstellung nach dem Markteintritt von Disney+ tendenziell sinken.

Trotz des SVoD-Booms übersehen die Marktforscher nicht die älteren Distributionsarten EST und TVoD, die zwar nicht dem klassischen Streaminggeschäft (SVoD und AVoD) zuzurechnen sind, aber auch hier Erwähnung finden dürfen: Mit dem Absatz von Kauf-Downloads seien 2020 Mehreinnahmen von 61 Mio. Euro zu erwarten. Was nicht verwundert: In den letzten Monaten gelang es immer Programmanbietern häufiger und schneller mit einzelnen Titeln 250.000 Transaktionen und mehr zu realisieren. Dem gegenüber schwächelt weiterhin das Geschäft mit digitalen Leihvideos: mit ihnen sei nur eine Steigerung um rund 26 Mio. zu erwarten. Mehr noch als bei SVoD wird der transaktionale Markt von Amazon beherrscht: Digitale Leih- und Kauftransaktionen gegen laut Studie zu 66 Prozent auf das Konto von Amazon Prime Video. Zum Vergleich: Mit großem Abstand folgt Google Play mit einem Marktanteil von nur 13 Prozent.

Einen eigenen Blick verdient auch der manchmal zu gering geschätzte AVoD-Markt: Für das werbefinanzierte Streaminggeschäft rechnet Goldmedia mit einem Gesamtumsatz in 2020 von 1,5 Mrd. Euro. Dies wären 242 Mio. Euro mehr als 2019 und somit eine Zunahme von 20 Prozent. Und: Der Wert entspräche bereits einem Drittel der TV-Werbeumsätze auf Basis von Angaben des Vaunet-Verbands. In Betrachtn gezogen werden muss jedoch, dass in den Goldmedia-Daten die US-Angebote von YouTube und Facebook enthalten sind, die mit klassischer Spielfilm-Vermarktung nahezu nicht zu tun haben. Trotzdem: Im deutschen AVoD-Geschäft erzielen sie gemeinsam zwei Drittel des Werbemarktes. Die Vermarktungstöchter der beiden großen privaten TV-Gruppen ProSiebenSat.1 Media SE und Mediengruppe RTL Deutschland erzielten der Studie zufolge zusammen einen Anteil von 26 Prozent.