Produktion

"Echte Partnerschaft": Der BFFS zum neuen Kurzarbeits-Tarifvertrag

Der Bundesverband Schauspiel, ver.di und die Produzentenallianz haben sich angesichts der Corona-Krise erstmalig auf einen Kurzarbeits-Tarifvertrag geeinigt. Der BFFS-Vorstand lobt die "blitzschnelle Entscheidung".

24.03.2020 12:25 • von Marc Mensch
BFFS-Vorstandsmitglied Heinrich Schafmeister (Bild: Michael Ruscheinsky)

"Es ist schön zu wissen, dass man sich in echten Krisenzeiten aufeinander verlassen kann. Die Produzent*innen sind von der Corona-Pandemie ebenso existenziell betroffen wie wir Schauspieler*innen und die anderen Filmschaffenden. Wir alle brauchen jetzt in der Not finanzielle Unterstützung. Gut, dass wir uns über die staatliche Hilfe hinaus auch gegenseitig unter die Arme greifen", freut sichBFFS-Vorstandsmitglied Heinrich Schafmeister und ergänzt: "Das nenne ich eine echte Partnerschaft - in guten wie in schlechten Zeiten!"

Was Schafmeister so lobt, ist nicht weniger als eine Premiere am Filmset: Denn als Reaktion auf die Corona-Krise haben sich der BFFS und ver.di mit der Produzentenallianz gestern Abend auf einen Tarifvertrag verständigt, der Kurzarbeit ermöglicht. Darin enthalten ist auch eine Aufstockung des Kurzarbeitergeldes für Schauspieler*innen auf die vereinbarten Drehtagsgagen und für Filmschaffende auf die Tarifgagen, wenn Filmdrehs wegen der Corona-Krise unterbrochen oder abgesagt werden. Erstmals gibt es damit einen Tarifvertrag, der Kurzarbeit mit einer Aufstockungsregel für Schauspieler*innen und auf Produktionsdauer beschäftigte Filmschaffende festlegt.

Die "blitzschnelle Einigung am virtuellen Verhandlungstisch", wie es der BFFS nennt, umfasst im Detail folgende Regelungen:

Die tarifgebundenen Produktionsfirmen verpflichten sich, Schauspieler*innen das Kurzarbeitergeld auf die individuell vereinbarten Drehtagsgagen, höchstens jedoch auf 90 Prozent der monatlichen Beitragsbemessungsgrenze aufzustocken. Abweichend davon sind für die auf Produktionsdauer beschäftigten Filmschaffenden die Tarifgagen entscheidend, höchstens jedoch die einschlägige Beitragsbemessungsgrenze.

Die Tarifregelungen gelten zwingend für alle Kurzarbeitsmaßnahmen an Filmsets bei tarifgebundenen Produktionen direkt nach Unterzeichnung des Tarifvertrags ab dem 25. März 2020. Sie sind frühestens kündbar zum 30. Juni 2020. Vorher vereinbarte Kurzarbeit ab dem 1. März 2020 kann nur mit Einverständnis der Produktionsunternehmen unter die Regeln des Tarifvertrags fallen und damit verbessert werden.

"In dieser wirtschaftlich schwierigen Situation bietet der neue Kurzarbeits-Tarifvertrag allen Verhandlungspartnern wertvolle Planungssicherheit", so der BFFS abschließend.