Produktion

X Filme Creative Pool: "Sind bestürzt, unter diesen Umständen weiterzudrehen"

Die Film- und Fernsehproduktionsfirma X Filme Creative Pool fordert ein bundesweites Drehverbot, um rechtliche Sicherheit bei Abbruch der Dreharbeiten zum Schutze der Mitarbeiter aufgrund des Coronavirus zu haben.

20.03.2020 14:37 • von Michael Müller
V.l.: Michael Polle, Uwe Schott und Stefan Arndt von X Filme Creative Pool (Bild: ARD/Degeto/Petra Stadler)

In einer Stellungnahme haben sich am Freitag die Produzentinnen, Produzenten, Producerinnen und Producer der Film- und Fernsehproduktionsfirma X Filme Creative Pool zur Corona-Krise geäußert. Sie ist so bemerkenswert, dass wir sie in ihrer Gänze veröffentlichen wollen:

"Die Corona-Pandemie stellt die gesamte Gesellschaft vor eine bisher unbekannte Herausforderung, für die es keinerlei Muster oder Handlungsanweisung gibt. Wir alle wissen, dass die aktuelle Lage in Deutschland immer dramatischer und existenzieller wird. Die Grundhaltung aller bei X Filme Creative Pool ist, das persönliche Risiko für Kollegen und Mitarbeiter auszuschließen und alles dafür zu tun, um die Verbreitung dieser bedrohlichen Krankheit einzudämmen. Auch wir haben Sorgen um die Filmschaffenden an den Sets und natürlich unsere Liebsten und um das Allgemeinwohl, doch leider ist unsere persönliche Haltung aktuell nicht vereinbar mit der Situation in der freien Filmwirtschaft.

In Berlin werden Dreharbeiten auf Privatgelände und auf öffentlichen Plätzen aktuell größtenteils weitergeführt, auch wenn wir unsere aktuelle, dortige Produktion kurzzeitig unterbrochen haben. In Bayern und Köln werden Dreharbeiten in Studios teilweise noch weitergeführt oder auf Risiko der Produzenten abgebrochen, da es an klaren behördlichen Aussagen fehlt und die aktuell beschlossenen Hilfsmaßnahmen von staatlicher Seite größtenteils in der Filmwirtschaft nicht oder nur schwer anwendbar sind. Unsere Projekte ruhen auch hier derzeit aus verschiedenen Gründen, allerdings ist die Frage, wie lange dieser Status in der aktuellen Situation haltbar ist. Die beschlossenen Hilfsmaßnahmen der öffentlich-rechtlichen Sender werden im Praxistest für all diese Projekte zu kurz greifen.

Wir sind darüber bestürzt und finden es selbst unverantwortlich, unter diesen Umständen an den Drehorten weiterzudrehen. Wir suchen seit Tagen verzweifelt nach Lösungen und kämpfen darum, unsere Dreharbeiten für die Dauer der größten Bedrohung und Unsicherheit durch den Corona- Virus einstellen zu können, doch so lange uns von keiner offiziellen Stelle juristisch gesichert jegliche Dreharbeiten untersagt werden, sind wir als deutsche Filmproduzenten nicht in der Lage, einen Drehabbruch auf eigene Initiative und Haftung durchzuziehen, ohne Schäden in Millionenhöhe und damit das Überleben der Firma zu gefährden. Dieses finanzielle Risiko können wir auch gegenüber den vielen Arbeitskräften, Freiberuflern und Festangestellten, die von unseren Produktionen abhängig sind, nicht verantworten. Gleichzeitig wollen weder die Behörden noch andere Stellen die Verantwortung übernehmen, um beispielsweise durch einen behördlichen Drehstopp den Zugang zu staatlichen Hilfen garantiert zu ermöglichen.

Ein generelles Drehverbot bundesweit muss ausgesprochen werden. Bis dahin können wir nur mithilfe strenger Vorsichtsmaßnahmen unsere Teams so gut es geht schützen, handeln aber damit gegen unseren eigenen moralischen Kompass. Wir ersuchen deshalb die politisch Handelnden, diese unfassbare Situation sofort zu stoppen. Es geht um ein solidarisches Miteinander, um die Gesundheit, aber auch die Arbeitsplätze von uns allen zu sichern."

Die Stellungnahme ist verfasst von Stefan Arndt, Uwe Schott, David Kratz, Marcus Loges, Michael Polle, Uwe Urbas, Genia Krassnig, Jorgo Narjes, Jana Kreutzer, Maximiliane Prokop und Nicole Kellerhals.