Kino

UNIC fordert Solidarität innerhalb der Branche

Der europäische Kino-Dachverband UNIC warnt davor, in der aktuellen Krise auf kurzfristige Erträge zulasten einer gesamten Branche zu setzen - und er erwartet, dass der absolute Großteil der verschobenen Kinofilme tatsächlich auf der Leinwand ausgewertet wird.

20.03.2020 12:04 • von Marc Mensch
UNIC geht davon aus, dass der Löwenanteil der verschobenen Filme tatsächlich im Kino ausgewertet werden wird (Bild: UNIC)

Es sind sehr deutliche Worte, mit denen der europäische Kino-Dachverband UNIC auf die zunehmende Zahl an aktuellen Kinofilmen reagiert, die zeitnah digital ausgewertet werden. Wobei es nicht zuletzt auch eine Reaktion auf Spekulationen ist, diese Notmaßnahmen in einer Zeit, in der Kinos in den wichtigsten Märkten wenigstens über Wochen hinweg geschlossen sein werden, könnten das Ende des Kinofensters bedeuten. In diesem Sinne hatte sich Sony bereits sehr klar geäußert (wir berichteten) und auch der US-Kinoverband NATO hatte sich vor einigen Tagen bereits zu der Thematik zu Wort gemeldet (wir berichteten). Ohnehin wurde bislang nur ein einziger größerer Studiotitel in eine Day&Date-Auswertung gezogen, beim Rest handelte es sich um Titel, deren Kinoauswertung bereits gestartet war und die nun über Wochen brach gelegen wären.

Übersetzt heißt es in dem Schreiben von UNIC:

"Die Gesundheit und das Wohl aller, die in diesem Bereich arbeiten, hat für die europäischen Kinobetreiber höchste Priorität, während wir uns den nie da gewesenen Herausforderungen durch den globalen Ausbruch des Coronavirus stellen.

In diesen Zeiten ist es absolut entscheidend, dass sich die komplette Industrie zusammenfindet und sich auf jenen Tag vorbereitet, an dem wir unsere Besucher wieder zum einzigartigen Leinwanderlebnis willkommen heißen können.

Wir alle müssen unsere Lebensgewohnheiten anpassen, während wir alles unternehmen, um die Bedrohung für das Gemeinwohl zu minimieren.

Aber wir müssen auch in die Zukunft und auf die langfristigen Perspektiven für unseren Sektor blicken - und das erreichen wir am besten, indem wir zeigen, dass wir gemeinsame Ziele verfolgen und indem wir gemeinschaftlich getragene Verantwortung unter Beweis stellen.

Wir alle hängen voneinander ab.

Während die finanziellen Auswirkungen dieser beispiellosen Krise auf unsere Industrie noch nicht klar zu beziffern sind, ist dies keine Zeit, nach kurzfristigen Erträgen auf Kosten eines gesamten Sektors zu streben.

Es gibt Spekulationen, wonach die zeitweise Schließung von Kinos dazu führen wird, dass einige Filme direkt im Home Entertainment ausgewertet werden. Dies wäre allerdings eine Entwicklung, die weder im Interesse unseres Bereichs, noch im Interesse des Publikums wäre. Aus diesen - und vielen weiteren - Gründen erwarten wir, dass der absolute Löwenanteil an Filmen, die aufgrund der aktuellen Krise verschoben werden mussten, neue Kinostarttermine erhält, sobald sich die Situation wieder normalisiert.

Bis dahin müssen wir zusammenstehen, damit sich der gesamte Sektor so schnell wie möglich erholen kann, sobald diese herausfordernden Zeiten überstanden sind. Wir sind sicher, dass das Publikum das unvergessliche, immersive Erlebnis, das nur die große Leinwand bieten kann, wiederentdecken wird, sobald es die Möglichkeit dazu hat - und das Kinos weiterhin jene Rolle ausfüllen, die sie schon immer ausgefüllt haben, in guten und in schlechten Zeiten: jene der beliebtesten und erschwinglichsten Form der Unterhaltung außerhalb der eigenen vier Wände."