Produktion

BFFS fordert schnelle Hilfe für Schauspieler*innen

Angesichts der Corona-Krise erinnert der BFFS daran, dass Schauspieler*innen nicht zur Gruppe der Solo-Selbständigen zählen, sondern kurz befristet Beschäftigte sind, die in den Überlegungen der Politik bislang nicht berücksichtigt würden - trotz existenzieller Betroffenheit.

20.03.2020 10:15 • von Marc Mensch
BFFS-Vorstandsmitglied Klara Deutschmann (Bild: Linda Rosa Saal)

Der Bundesverband Schauspiel (BFFS) hat angesichts der Corona-Krise um schnelle finanzielle Hilfe für Schauspieler*innen in Deutschland gebeten. Wie der Verband in seinem Appell darlegt, zählt die von ihm vertretene Berufsgruppe nicht zur Gruppe der Solo-Selbstständigen, sondern es handelt sich um kurz befristet Beschäftigte, die je Drehtag, Vorstellung oder Synchronstudioaufnahme vergütet werden - mithin für Arbeitseinsätze, die von heute auf morgen gestrichen worden seien. Lohnfortzahlungs- und Kurzarbeitergeldlösungen kommen für Schauspieler*innen laut BFFS aktuell nicht in Frage. In den Überlegungen der Politik würde diese Gruppe aber bislang nicht berücksichtigt, obwohl sie genauso existenziell von der Corona-Krise betroffen sei wie solo-selbstständige Künstler*innen.

"Wir sind beeindruckt, mit welcher Entschlossen- und Besonnenheit die Politik des Bundes und der Länder in dieser beispiellosen Krise agiert und dabei auch an schnelle Hilfen für die Kulturszene denkt", erklärt BFFS-Vorstandsmitglied Klara Deutschmann. Sie appelliert an die verantwortlichen Politiker*innen: "Helft bitte zunächst den Schwächsten in der Kulturszene! Greift vor allem unseren privaten Kulturträgern schnell unter die Arme und denkt neben den solo-selbstständigen unbedingt auch an die kurz befristet beschäftigten Künstler*innen. Sie stehen jetzt alle vor dem Nichts ohne jegliche Perspektive, wann sie jemals wieder arbeiten und ihren Lebensunterhalt verdienen können."

Wie der BFFS ausführt, trifft die Corona-Krise die Kulturszene bis ins Mark: Auf unbestimmte Zeit würden Dreharbeiten gestoppt, Vorstellungen abgesagt, Synchronstudios geschlossen. Dies sei angesichts der momentanen Ansteckungsgefahr zwar vernünftig, bedrohe aber unmittelbar die Existenz derjenigen in der Kulturlandschaft, die kaum finanzielle Rücklagen bilden konnten. Der BFFS verweist ergänzend darauf, dass Schauspieler*innen zwar eventuell rechtliche Vergütungsansprüche geltend machen könnten, viele ihrer Arbeitgeber*innen aber faktisch nicht in der Lage sein würden, diese zu bezahlen. Tourneetheater beispielsweise hätten ihren Betrieb völlig einstellen müssen, hätten Verluste von mehreren Millionen Euro und würden sich außerstande sehen, ihren Schauspieler*innen die entgangenen Vorstellungsgagen zu zahlen. Ähnliches gelte für viele kleine Filmproduktions- oder Synchronfirmen. "Sind diese privaten Kulturträger erst einmal pleite, werden sie erfahrungsgemäß nie wieder auf die Beine kommen. Unserem Kulturleben droht eine dauerhafte Verarmung weit über die Corona-Krise hinaus", betont Deutschmann.