Kino

"Die Besucher werden zurückkommen"

Der US-Kinoverband NATO geht in einem Statement zur Coronavirus-Krise nicht zuletzt auf die Frage ein, ob mit der frühzeitigen digitalen Veröffentlichung aktueller Kinofilme ein Exempel gegen das Kinofenster statuiert worden sein könnte.

18.03.2020 10:00 • von Marc Mensch
NATO-Präsident & CEO John Fithian (Bild: Matt Winkelmeyer/Getty Images)

Auch in den USA hat die Coronavirus-Krise das Kinogeschäft zum Erliegen gebracht. Alle großen Starts der nächsten Wochen sind verschoben (zuletzt musste u.a. "Black Widow" seinen Mai-Termin aufgeben) und landesweit haben Kinos ihren Betrieb eingestellt - auch ohne direkte behördliche Anordnung.

Dazu heißt es in einem Statement des US-Kinoverbands NATO: "Der pandemische Ausbruch des Coronavirus bedeutet eine schwierige und anstrengende Zeit für die gesamte Welt. Während die Ausbreitung des Virus in den Regionen schrittweise und in unterschiedlicher Schwere erfolgt, ringen die Gesundheitsbehörden mit der Entscheidung, in welchem Maße Unternehmen zu schließen und die persönliche Bewegungsfreiheit einzuschränken sind. Wie auch andere Unternehmen, die sich an große Gruppen richten, haben sich Kinos mit Einschränkungen und Schließungen konfrontiert gesehen - angeordneten ebenso wie freiwilligen. Mittlerweile ist der Großteil der Kinos geschlossen. Unsere Branche stellt sich ihrer Verantwortung für die Öffentlichkeit, wird sich an öffentliche Verfügungen halten und sich der Situation vor Ort anpassen."

Der Verband betont, dass die Partner auf Verleihseite als Reaktion auf die Pandemie zwar etliche Starts in den weltweiten Märkten verschoben hätten. Allerdings gelte dies nicht für jene Filme, die nicht in unmittelbarer Zukunft starten würden. Womit die NATO eine erhebliche Sorge adressiert, die nicht zuletzt durch die Entscheidung von Universal ausgelöst wurde, aktuelle Kinofilme umgehend in die VoD-Auswertung zu holen und mit "Trolls: World Tour" einen Film zeitgleich im Kino und digital herauszubringen.

"Obwohl in den Medien bereits Spekulationen darüber angestellt wurden, ob die vorübergehende Schließung von Kinos zur beschleunigten oder gar exklusiven Auswertung von Filmen im Wege des Streamings führen könnte, ignorieren derartige Mutmaßungen die fundamentale Logik der Investition in Kinofilme. Diese Filme benötigen die größtmögliche globale Kinoauswertung, um den Studios keine Verluste in katastrophalem Ausmaß zu bescheren. Obwohl es richtig sein mag, dass es in dieser Situation ein oder zwei Titel geben wird, bei denen man die Kinoauswertung aufgeben wird, gehen wir nach intensiven Gesprächen mit den Verleihern davon aus, dass der absolute Löwenanteil der verschobenen Starts einen neuen Kinotermin erhalten wird, sobald sich die Situation wieder normalisiert."

Die Hoffnung der NATO: Diese Verschiebungen würden dann im Endeffekt für ein besonders attraktives Programm sorgen, denn sie würden ein ohnehin bereits solides Programmaufgebot im späteren Verlauf des Jahres ergänzen. In diesem Sinne sei angemerkt, dass die Verschiebung der EM den deutschen Kinos sogar in die Hände spielen könnte, sollte die Krise rechtzeitig überwunden sein.

Abschließend der optimistische Ausblick der NATO: "Niemand kann genau sagen, wann das öffentliche Leben zur Normalität zurückkehren wird - aber das wird es definitiv. Die soziale Natur des Menschen - die uns aktuell in die Gefahr der Ansteckung bringt und die es selbst im Angesicht einer Pandemie so schwierig macht, das Verhalten zu ändern - ist es, was uns Hoffnung für die Zukunft macht. Die Leute werden in die Kinos zurückkehren, denn das liegt in ihrer Natur. Und wenn sie zurückkehren, werden sie herausragende Erlebnisse vorfinden, von denen sie nun umso nachhaltiger feststellen mussten, dass sie sich zuhause nicht nachahmen lassen. In der unsicheren und schwierigen Wirtschaftslage, die uns bevorsteht, werden Kinos jene Rolle ausfüllen, die sie schon immer hatten - egal ob in Zeiten eines Booms oder einer Rezession: Als die populärste, erschwinglichste Form der Unterhaltung außerhalb der eigenen vier Wände. Obwohl die Kinos kurzfristig finanziellen Schaden davontragen werden und vielen ihrer 150.000 Angestellten harte Zeiten bevorstehen, werden die Kinos für die Menschen da sein, wenn die Krise vorüber ist - und das mit vollen Spielplänen, die weit in die Zukunft reichen."