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Goldener Bär für "There Is No Evil"; Darstellerpreis für Paula Beer

Der Hauptpreis der 70. Berlinale, der ersten unter der Leitung von Carlo Chatrian und Mariette Rissenbeek, ging an den iranischen Beitrag "There Is No Evil" von Mohammad Rasoulof. Auch Deutschland konnte sich über Bären freuen: Paula Beer wurde für "Undine" prämiert, Kameramann Jürgen Jürges für "DAU. Natasha".

29.02.2020 20:11 • von Thomas Schultze
"There Is No Evil" gewinnt den Goldenen Bär (Bild: Berlinale)

Der Hauptpreis der 70. Berlinale, der ersten unter der Leitung von Carlo Chatrian und Mariette Rissenbeek, ging an den iranischen Beitrag "There Is No Evil" von Mohammad Rasoulof - ein starkes und wichtiges politisches Statement. Der Filmemacher konnte den Preis nicht selbst annehmen, weil er unter Hausarrest steht und Iran nicht verlassen darf. Deutscher Produzent der internationalen Koproduktion ist die Hamburger Cosmopol Film.

Auch der Große Preis der Jury könnte kaum politischer sein: Er ging an den amerikanischen Beitrag Never Rarely Sometimes Always" von Eliza Hittman, der auch als einer der großen Favoriten gegolten hatte. Im Kritikerspiegel von Screen International war der Film über zwei Teenager vom Land, die sich auf dem Weg nach New York City machen, um einer der beiden eine Abtreibung zu ermöglichen, auch der höchstbewertete. Der Regiepreis wurde dem koreanischen Filmemacher Hong Sang-soo für seinen Film "The Woman Who Ran" überreicht.

Helle Begeisterung im Auditorium des Berlinale Palasts herrschte, als Paula Beer den Silbernen Bär als beste Schauspielerin in "Undine" von Christian Petzold ausgezeichnet wurde. In ihrer Dankesrede bedankte sie sich besonders bei ihrem Darstellerkollegen Franz Rogowski.

Zum besten Schauspieler erklärte die Jury Elio Germano für seine Darstellung des Malers Antonio Ligabue in dem italienischen Film Volevo nascondermi" von Giorgio Diritti. Er hatte auch als einer der Favoriten gegolten.

Der Drehbuchpreis ging ebenfalls nach Italien, an die D'Innocenzo-Brüder für ihr kunstvoll konstruiertes Drama Favolacce", ihre zweite Arbeit als Regisseure und Autoren. Mit dem Silbernen Bär für eine herausragende technische Leistung wurde der legendäre deutsche Kameramann Jürgen Jürges ausgezeichnet, der das Licht bei dem russischen Beitrag DAU setzte - und unverkennbar überrascht war, dass er einen Preis gewonnen hatte.

Der einmalig übergebene Silberne Bär der 70. Berlinale geht an die schwarze Komödie Effacer l'historique" von Gustave Kervern und Benoît Delépine. In seiner Rede betonte Delépine, dass weniger Energie verbraucht würde, wenn man Filme auf der großen Leinwand anstatt auf einem Smartphone, während Kervern dem Publikum erklärte, er sei vormalig ein Bär gewesen.

Erstmals gab es auf der Berlinale einen eigens von Carlo Chatrian geschaffenen zweiten Wettbewerb, Encounters, bei dem drei Auszeichnungen vergeben werden: Bester Film ist "The Works and Days (of Tayoko Shiojiri in the Shiotani Basin)" von CW Winter und Anders Edström. Der Preis für die beste Regie ging an Cristi Puiu für "Malmkrog". Der Special Jury Award wurde dem österreichischen Beitrag "The Trouble With Being Born" von Sandra Wollner zugesprochen. Außerdem entschied sich die Jury, zudem eine lobende Erwähnung an "Isabella" an Matías Piñero zu geben.

Als bester Dokumentarfilm wurde "Irradiés" von Rithy Panh prämiert, der im Wettbewerb gezeigt wurde. Eine besondere Erwähnung erhielt "Aufzeichnungen aus der Unterwelt", inszeniert und produziert von Tizza Covi und Rainer Frimmel. Mit dem Preis für das beste Erstlingswerk, der mit 50.000 Euro dotiert ist, wurde "Los conductos" von Camilo Restrepo ausgezeichnet, produziert von Helen Olive, Martin Bertier und Felipe Guerrero. Eine besondere Erwähnung erhielt ein Film aus der Reihe Encounters, die deutsche Produktion Nackte Tiere" von Melanie Waelde, produziert von Anja Wedell. Der Goldene Bär für den besten Kurzfilm ging an "T" von Keisha Rae Witherspoon. Mit dem Jurypreis wurde "Filipiñana" von Rafael Manuel ausgezeichnet. Und der Audi Short Film Award wurde "Genius Loci" von Adrien Mérigeau zugesprochen.