Kino

AG-DOK-Doppelspitze: "Es wird eine Übergangszeit geben"

Der Schweizer Filmemacher David Bernet und die deutsche Regisseurin und Dozentin Susanne Binninger sind die neue Doppelspitze der AG DOK. Im Interview sprechen sie über Thomas Frickel und ihre Pläne für die Zukunft des Verbandes.

28.02.2020 11:23 • von
Die neue Doppelspitze der AG DOK: Susanne Binninger und David Bernet (Bild: Amin Akhtar)

Der Schweizer Filmemacher David Bernet und die deutsche Regisseurin und Dozentin Susanne Binninger sind die neue Doppelspitze der AG DOK. Im Interview sprechen sie über die prägende Figur des Thomas Frickel in den vergangenen Jahrzehnten und über ihre Pläne.

Thomas Frickel verlässt nach Jahrzehnten den Vorstand der AG DOK. Was schätzen Sie besonders an ihm?

David Bernet: Einerseits hat ihn über diese vielen Jahre seine Verbissenheit in der politische Arbeit ausgezeichnet. Andererseits besitzt er einen erstaunlichen Humor, den er, obwohl das nie ein einfacher Job war, gepflegt und entwickelt hat. Er ist nicht nur Lobbyist für den Dokumentarfilm, sondern auch Filmemacher. In seinen Werken ist auch dieser Humor zu finden. Wir haben davon profitiert, dass er viele Dinge durch seine charmante Ansprache entschärfen konnte. Das ist eine Kunst, die man sich zum Vorbild nehmen kann.

Susanne Binninger: Es wird eine Übergangszeit geben. Natürlich werden wir auf Thomas Frickel zurückgreifen. Er wird uns beratend zur Seite stehen.

David Bernet: Er hat die AG DOK 34 Jahre lang geführt. Frickel ist ziemlich identisch mit der AG DOK, er ist mit ihr verwachsen. Das heißt: Wir werden uns für den Ablösungsprozess Zeit nehmen.

Wie blicken Sie auf diese definierende Zeit zurück?

Susanne Binninger: Er hat die AG DOK mit gegründet und groß gemacht. Wir haben ihm zu verdanken, wo wir jetzt stehen. Wir sind eine ziemlich starke Organisation, die viel für den Dokumentarfilm getan hat. Das ist alles in der Person Thomas Frickel begründet. Es ist da extrem schwer, überhaupt von Nachfolge oder Fußstapfen zu sprechen. Das ist auch die falsche Vorstellung. Wir werden eine Zukunft definieren, in die wir gehen wollen. Das werden wir mit dem gesamten neuen Vorstand tun.

Haben Sie schon ein Leitprogramm für die nächsten Jahre formuliert?

David Bernet: Wir sind natürlich mit einem bestimmten Szenario angetreten, was die AG DOK in Zukunft machen sollte. Dieser Prozess ist aber schon seit mehreren Jahren im Gange. Intern wussten wir schon lange, dass dieser Tag kommen würde, dass Frickel nicht nochmal antritt. Wir haben uns darauf vorbereitet. Es sind viele politische Projekte in den vergangenen Jahren entstanden, die wir weiter fortführen werden. Wichtig wird sein, dass wir wie im vergangenen Jahr weiter Verhandlungen führen werden, zum Beispiel für faire und angemessene Vergütungen. Das hat die AG DOK bislang weniger gemacht und eher politische Prozesse begleitet. Jetzt gehen wir stärker in die Gewerke-Ebene. Das Programmatische wird dann im Austausch mit der Mitgliedschaft entstehen und natürlich in größeren Diskussionen im zehnköpfigen Vorstand. Die AG DOK ist ein bunter Haufen. In der jetzigen Zeit des Umbruchs herrscht da viel Diskussionsbedarf.

Susanne Binninger: Wir haben aber mindestens drei Hauptaufgaben-Felder: Das ist nach wie vor die Filmförderung. Wir müssen uns darum kümmern, dass die Filmförderung Dokumentarfilm-freundlich ist. Wir haben einen Sitz in der FFA und werden den dafür nutzen, um bestimmte Regelungen, die der Dokumentarfilm braucht, möglichst durchzusetzen - oder auch Partner zu finden, um diese durchzusetzen. Die zweite Säule sind die Öffentlich-Rechtlichen. Wir brauchen sie. Viele unserer Mitglieder arbeiten für die Öffentlich-Rechtlichen. Dennoch gibt es dort Strukturen, die wir verbessern könnten, wo wir auch Ideen haben, was man tun könnte. Dazu brauchen wir diese Verhandlungen. Der dritte Punkt ist: Wie gehen wir mit der Digitalisierung um? Wir brauchen abseits der traditionellen Säulen der Finanzierung und Verwertung neue Konzepte. Das trifft nicht nur uns, sondern die ganze Branche. Da ist nach wie vor eine Disruption im Gange, der auch wir uns stellen müssen. Wir begreifen aber auch die Digitalisierung als Chance. Wir sehen große Probleme und Risiken, aber auch Chancen. Die müssen wir formulieren.

Das Gespräch führte Michael Müller