Kino

"Stets ein Wagnis eingegangen"

Die AG Verleih hat ihren diesjährigen Ehrenpreis an Georg Kloster verliehen. Einen Kinomacher, der einst die "Revolution am Markt" geübt habe, der auch in schwierigen Zeiten stets seinen Weg gegangen sei - und dessen Mut sich ausgezahlt habe.

26.02.2020 12:15 • von Marc Mensch
Preisträger Georg Kloster mit Laudator Björn Hoffmann (Bild: BF)

Es war eine mit zahlreichen Anekdoten gespickte Rede, mit der Björn Hoffmann als Vorstandsvorsitzender der AG Verleih den diesjährigen Empfänger des Ehrenpreises würdigte. Eine Rede, die mitunter auch bislang womöglich nicht gemeinhin bekannte Talente des Kinomachers offenbarte. So wurde Georg Kloster attestiert, er hätte mit seiner Detailversessenheit und seiner Fähigkeit zum analytischen Denken vermutlich auch einen hervorragenden Kriminalbeamten abgegeben - der Fall der in die Eistruhe verschwundenen Tageseinnahmen diente da als launiger Beleg im Rahmen der feierlichen Preisübergabe, die traditionell vor der Independent Film Party zur Berlinale stattfindet.

Indes darf (nicht nur) das Berliner Publikum froh sein, dass Kloster seine Talente am Ende nicht in die Verbrechensbekämpfung, sondern in die Pflege der Kinokultur steckte. Denn was laut Hoffmann 1977 mit einer Aushilfstätigkeit an der Kasse der Bahnhofslichtspiele Zehlendorf begann, ist eine Erfolgsgeschichte, die sich gewaschen hat. Zentrale Säule von Klosters Kinounternehmungen ist natürlich die Yorck-Gruppe, der größte Kinoverbund Berlins und der größte Arthouse-Verbund bundesweit. Dass diese Gruppe bis zum heutigen Tag auf 14 Filmtheater anwachsen konnte, unter denen sich etliche geschichtsträchtige Häuser tummeln, hat laut Hoffmann viel mit unbedingtem Einsatz, Pflichtbewusstsein und einer unerschütterlichen Liebe zum Film zu tun.

Denn die Zeiten waren beileibe nicht immer rosig, auch wenn das 1978 gemeinsam mit Christian Meincke, Knut Steenwerth und Manfred Salzgeber übernommene und auf Vordermann gebrachte Yorck Kino am Mehringdamm bereits innerhalb kürzester Zeit zur Institution im Kiez avancierte und damit den Grundstein für den heutigen Verbund legte. Der Multiplex-Boom Ende der 1990er Jahre ging an den etablierten Traditionshäusern keineswegs spurlos vorbei - doch Kloster sei der Herausforderung mit der Konzentration auf das Wesentlich begegnet: dem Kuratieren, dem präzisen und analytischen Blick auf das Programm.

Heute, so konnte der Geehrte berichten, machten auch die Kinos, die man einst vor der Schließung habe retten können, "nach langen Jahren des Darbens wieder Freude" - und umso mehr gilt dies für Kinos wie das 2017 eröffnete Delphi Lux, das schon in seinem ersten Jahr rund 200.000 Besucher anzog und erst im vergangenen Herbst seitens der BKM mit der Spitzenprämie für das beste Jahresfilmprogramm geehrt worden war.

Erfolg, der ohne Mut nicht möglich gewesen wäre: Denn ein Selbstläufer war die Eröffnung eines brandneuen Sieben-Saal-Kinos in bewegten Zeiten natürlich nicht. Kloster selbst durfte sich darüber freuen, dass sich seine Wagnisse eigentlich immer gelohnt hätten - und verantwortlich machte er dafür vor allem seine Mitarbeiter, die Verbundenheit im Team, dank derer es tatsächlich Spaß mache, täglich zu arbeiten.

Und mit "täglich" scheint der Ehrenpreisträger genau das zu meinen - zumindest Hoffmann hat laut seiner Aussage, "noch keinen Montag erlebt, an dem Du Dich in der Dispo hast vertreten lassen." Egal in welchem Winkel der Welt er sich gerade auch aufhalte, arbeite Kloster persönlich am Programm. An dem ja schließlich alles hängt. Die "Revolution am Berliner Kinomarkt", die der Geehrte einst mit seinen Mitstreitern angezettelt habe, fußte demnach zu keinem geringen Teil darauf, Erstaufführungen auch in die Kieze zu holen.

Man habe Kloster einst als "Kinogärtner" bezeichnet, so Hoffmann - und er selbst wüsste kaum eine bessere Bezeichnung: Denn Kloster hege und pflege die Filme, er bereite den Boden für die Kinokultur und bringe sie zum Blühen.