Festival

"Wir müssen an einem Strang ziehen"

Auch der Berlinale-Empfang des FFF stand im Zeichen der schrecklichen Ereignisse von Hanau. Umso positiver durfte man die Worte einordnen, mit denen Geschäftsführerin Dorothee Erpenstein die Branche adressierte.

21.02.2020 19:58 • von Marc Mensch
Digitalministerin Judith Gerlach, FFF-Geschäftsführerin Dorothee Erpenstein und Förderreferentin Juith Erber mit dem Team des Wettbewerbsbeitrags "Siberia" (Bild: Hubert Bösl)

Dass ein Länderförderer bei seinem Empfang die eigenen Leistungen preist, versteht sich von selbst. Zumal dann, wenn man gleich in mehrfacher Hinsicht auf ein erfolgreiches Förderjahr zurückblicken kann. Denn da wäre ja nicht nur die Rekordsumme von rund 43,5 Mio. Euro an (gemeinsam mit den Partnern) bewilligter Förderung, die im Bundesvergleich die Spitze darstellte. In einem Jahr, dessen Bilanz für den deutschen Film noch Luft nach oben ließ, war der FFF Bayern zumindest an allen deutschen Besuchermillionären als Förderer beteiligt. Zu weiteren Eckpunkten sei an dieser Stelle schlicht auf unsere Meldung von Ende Januar verwiesen.

Ohnehin ging die Rede, mit der Geschäftsführerin Dorothee Erpenstein die Branche zum Berlinale-Empfang des FFF begrüßte, deutlich über den Tellerrand Bayerns hinaus - und das aus gutem Grund, schließlich sei es "wichtig, gemeinsam an einem Strang zu ziehen", wie es Erpenstein formulierte. Ausdrücklich hob sie dabei auch Initiativen der Förderkollegen aus anderen Bundesländern hervor, darunter nicht zuletzt die "wichtigen Schritte", die MFG und FFHSH zuletzt im Sinne nachhaltigerer Filmproduktion umgesetzt bzw. eingeleitet haben. Nicht dass Bayern untätig geblieben wäre. So hat man unter anderem gerade erst ein EU-weit einzigartiges Projekt im Rahmen der Standortförderung unterstützt: In Kooperation mit dem Nachhaltigkeitsexperten Philip Gassmann bildet die IHK München und Oberbayern Filmschaffende ab Sommer 2020 zu zertifizierten Green Consultants Film & TV weiter. Gerade auch der Einsatz für Nachhaltigkeit profitiere von der Gemeinschaft (nicht nur) der Förderer. Schließlich, so Erpenstein, sei es sinnvoll, hier zu gemeinsamen Standards zu finden.

An einem Strang zogen die Förderer jüngst auch bei der gemeinsam beschlossenen Stärkung von German Films - und auch bei der Problematik der steuerlichen Behandlung von Koproduktionen agiert Bayern im Schulterschluss. So hätte sich Ministerpräsident Markus Söder gemeinsam mit seinen Amtskollegen aus Nordrhein-Westfalen und Brandenburg bei Bundesfinanzminister Olaf Scholz für eine Lösung im Sinne der Branche stark gemacht (wie unter anderem auch Kulturstaatsministerin Monika Grütters auf Bundesebene).

Erpensteins Appell für ein "starkes Miteinander" in Zeiten des medialen Umbruchs erstreckte sich natürlich auch auf das nach ihren Worten "beschwerliche Ringen" um die Neufassung des FFG. Grütters war an diesem Punkt beim Produzentenempfang ja durchaus deutlich ins Gericht mit einer reinen Forderungsmentalität gegangen, Erpenstein beschränkte sich auf den Hinweis, dass am Ende "sämtliche Akteure wirtschaftlich agieren" können müssten. Und noch ein Wort zum Öffentlich-rechtlichen Rundfunk: Dessen Stärke sei essenziell für die Demokratie, für eine freie Gesellschaft.

Die gerade wieder erschüttert wurde: Durch eine "menschenverachtende, abscheuliche Tat, die fassungslos macht", wie es Digitalministerin Judith Gerlach in ihrer Ansprache angesichts der Ereignisse in Hanau formulierte. Eine Tat, vor deren Hintergrund man sich durchaus fragen könne, ob es angemessen sei, sich zu einem feierlichen Empfang zu treffen. Indes sei sie der Überzeugung, dass gerade solch ein Zusammenkommen wichtig sei: Um gemeinsam zu zeigen, dass Hass keinen Platz in der Gesellschaft habe, dass man zusammenstehe. Auf eine Schweigeminute für die Opfer von Hanau folgte dann noch der Appell der Ministerin, es nicht bei dieser symbolischen Geste zu belassen, sondern sich aktiv gegen Hass und Hetze zu stellen.

Der Übergang zu ihrer ursprünglich geplanten Rede falle ihr schwer, gestand Gerlach - und tatsächlich fiel diese dann auch vergleichsweise kurz aus. Freude empfinde sie nicht zuletzt angesichts der starken bayerischen Präsenz bei der Berlinale - und nachdem Erpenstein bereits unter anderem den FFF-geförderten Wettbewerbsbeitrag Siberia" hervorgehoben hatte, rückte Gerlach noch die mit dem Bayerischen Filmpreis ausgezeichnete Dokumentation Walchensee Forever" in den Fokus, die ihre Premiere in der Reihe Perspektive Deutsches Kino feiert. Die Crux von Gerlachs Botschaft: Der bayerische Film- und Medienstandort ist gut aufgestellt - noch besser wird er im Austausch mit der Branche. Also gemeinsam.