Produktion

Sommerhaus Film: "Hallo Again", Berlin

Jochen Laube und Fabian Maubach bauen ihre Firma zu einer Produktionsschmiede aus, in der Arthouse- und Mainstream-Kinoprojekte neben Serien und Einzelstücken für Sender und Streamer umgesetzt werden. Mit "Berlin Alexanderplatz" melden sie sich zurück in den Wettbewerb der Berlinale.

24.02.2020 15:07 • von Heike Angermaier
Jochen Laube und Fabian Maubach, die Geschäftsführer von Sommerhaus Filmproduktion (Bild: Sommerhaus)

Jochen Laube und Fabian Maubach bauen ihre Firma zu einer Produktionsschmiede aus, in der Arthouse- und Mainstream-Kinoprojekte neben Serien und Einzelstücken für Sender und Streamer entwickelt und umgesetzt werden. Zwei Jahre nach "In den Gängen" melden sie sich mit "Berlin Alexanderplatz" zurück in den Wettbewerb der Berlinale.

"Der Wettbewerb der Berlinale ist das perfekte Ende für unsere Reise mit "Berlin Alexanderplatz", die 2015 begann", so Jochen Laube und Fabian Maubach, die sich seit dem Studium an der Filmakademie Baden-Württemberg kennen und 2015 gemeinsam mit Sommerhaus Filmproduktion durchstarteten, mit der Laube zuvor u.a. Christian Schwochows Langfilmregiedebüt Novemberkind" stemmte. Die Adaption von Alfred Döblins Romanklassiker zählt zu den ersten, gemeinsam angestoßenen Projekten und ergab sich aus der vorherigen Zusammenarbeit mit Regisseur und Drehbuchautor Burhan Qurbani bei Wir sind jung Wir sind stark Das Politdrama betreuten Laube und Maubach noch für die UFA gemeinsam mit Leif Alexis, der auch bei "Berlin Alexanderplatz" wieder als Produzent an Bord ist. Qurbanis Idee, den Romanklassiker von Alfred Döblin ins Heute zu verlegen und die Hauptfigur in einen Flüchtling zu verwandeln, begeisterte das Sommerhaus-Duo. Qurbani schrieb wie bei "Wir sind jung. Wir sind stark." gemeinsam mit Martin Behnke das Drehbuch. "Als wir die erste Buchfassung vor uns hatten und sahen, dass unser Konzept aufgegangen ist, war es ein befreiender Moment", sagt Laube. Maubach ergänzt: "Es war von Anfang an klar, dass man eine neue Übersetzung für den 800-Seiten-Roman finden muss. Für uns galt es, sich von ihm und den filmischen Vorbildern zu lösen und stattdessen den eigenen Blick und was man heute wichtig findet, in den Vordergrund zu rücken."

"Berlin Alexanderplatz" ist mit 183 Minuten ungewöhnlich lang für einen Kinofilm, aber den Stoff als Serie anzugehen, kam nicht in Frage. Dazu Laube: "Wir wollten unbedingt Kino machen. Uns ist klar, was diese Länge für die Auswertung bedeutet. Doch schon beim Drehbuch war abzusehen, dass der Film keine 88 Minuten lang werden würde. Dass unsere Finanzierungspartner, allen voran Benjamina Mirnik-Voges von Entertainment One, ZDF und Beta Cinema, mit uns mitgegangen sind, war großartig. Der Stoff braucht für das Kino einfach diese Länge." Und bei der Finanzierung brauchte es einen internationalen Partner. So wurde das Projekt beim Torino Film Lab und bei der Cinemart in Rotterdam vorgestellt. Dort fand man Leontine Petit und Lemming Film, die bereits viel Erfahrung bei Koproduktionen mit Deutschland mitbrachte und die die fehlenden zehn Prozent der Finanzierung stemmte. Gedreht wurde hauptsächlich in Berlin, auch in Kapstadt, wo der Anfang des Films und eine Traumsequenz realisiert wurde. Nach der Premiere bei der Berlinale startet die Neuinterpretation am 16. April bundesweit in den Kinos.

Die vorherige, aufwändige Romanverfilmung von Sommerhaus, "Als Hitler das rosa Kaninchen stahl", für die Laube und Maubach kürzlich mit dem Bayerischen Filmpreis für den besten Kinder- und Jugendfilm ausgezeichnet wurden und die auf der Lola-Shortlist steht, läuft dort seit 25. Dezember. "Mit nun über 900.000 Zuschauern als Zwischenstand und dem Medienecho sind wir und Warner sehr glücklich", so Laube und Maubach, die die Zusammenarbeit mit dem Major sehr schätzen. Allein bei den Schulkinowochen in NRW sahen knapp 25.000 junge Besucher Caroline Links Judith-Kerr-Adaption um eine jüdische Familie auf der Flucht vor den Nazis. "Eine solche Resonanz von Garmisch bis Helgoland hatten wir noch bei keinem unserer Filme. Sie motiviert uns, weiter Kino zu machen!", führt Laube aus, der sich besonders über das breite Altersspektrum des Publikums freut, das Motivation war, den Film anzugehen. Die bisherigen Produktionen von Sommerhaus sind Arthousefilme. Thomas Stubers tragikomische Romanze "In den Gängen", die im Berlinale-Wettbewerb vor zwei Jahren lief und mit einer Lola für Hauptdarsteller Franz Rogowski gewürdigt wurde, war im deutschen Kino auf 100.000 Besucher gekommen, Sandra Nettelbecks Ensembledrama Was uns nicht umbringt" auf unter 30.000 Besucher.

Eine weitere Zusammenarbeit mit Warner und deren Vice President of Local Productions Steffi Ackermann, und ein weiterer fürs große Publikum gedachter Film, landet am 24. September in den Kinos. Maggie Perens Komödie Hallo Again" mixt Die Hochzeit meines besten Freundes" und "Und täglich grüßt das Murmeltier" zu einer eigenen Hochzeitskomödie mit den angesagten SchauspielerInnen Alicia von Rittberg, Tim Oliver Schulz, Edin Hasanovic und Emilia Schüle. Momentan wird über weitere gemeinsam zu entwickelnde Projekte gesprochen, ein konkretes ist bereits in Arbeit.

Auch mit Stoffen für andere Plattformen ist Sommerhaus erfolgreich. Fast parallel zu "Als Hitler das rosa Kaninchen" lief der Dreiteiler Zeit der Geheimnisse" von Showrunnerin und Autorin Katharina Eyssen als Weihnachtsprogramm bei Netflix. Die Geschichte über drei Generationen von Frauen, mit Corinna Harfouch als Mutter, Christiane Paul als Tochter und Svenja Jung und Leonie Benesch als Enkelinnen, inszenierte Samira Radsi und dieses Projekt war insbesondere deswegen eine Herausforderung, weil nur ein Jahr Zeit blieb für die Fertigstellung - inklusive Drehbuchentwicklung. Nach der oft jahrelangen Arbeit an einem Kinoprojekt habe dieses enge Zeitfenster "auch etwas Befreiendes" und entwickele "eine eigene Dynamik", so Laube, der den "konstruktiven Dialog" mit Eva van Leeuwen und Rachel Eggebeen von Netflix" lobt. "Ich glaube, dass die Miniserie oder der Mehrteiler auch bei den Streamern eine Renaissance feiern wird, weil der Zuschauer sich freut, sich nicht gleich für zehn Folgen entscheiden zu müssen", ergänzt Maubach. Das Feedback von Netflix wie von Konsumentenseite sei sehr gut gewesen. So will man in der bewährten Konstellation mit Eyssen bei einer größeren Serie erneut zusammenarbeiten.

Ein sehr aufwändiges, von Red Bull Media und Beta Film initiiertes Fernsehevent ist bereits in Entwicklung, "Das Netz", das in voraussichtlich fünf Ländern in einer so noch nie dagewesenen Kooperation produziert werden wird. Dabei werden eigenständige, in sich abgeschlossene Serien mit lokalen Partnern umgesetzt. Alle Serien werfen einen Blick hinter die Kulissen des Weltfußballs und sind durch verschiedene Figuren und Motive verbunden. Martin Ambrosch, Autor von "Das finstere Tal" und der Krimi-Reihe "Spuren des Bösen", ist Headautor der gemeinsam mit ARD/Degeto entwickelten deutschen Serie, wie auch der österreichischen, die Oliver Auspitz mit der Wiener MR Film produziert. Die deutsche Serie, die für acht mal 45 Minuten konzipiert ist, lässt sich als Politthriller von den Korruptionsaffären der FIFA inspirieren, Fußball selbst spielt nur am Rande eine Rolle. "Bei Matthias Hartmann, ehemaliger Intendant des Burgtheater, der die Idee zu "Das Netz" hatte, laufen die Fäden zusammen. Über ihn läuft die zentrale Redaktion, die Koordination zwischen den verschiedenen Serienmachern.", so Maubach. Gedreht werden soll das deutsche "Das Netz" im nächsten Jahr.

Bereits in der wegen der vielen VFXen sehr aufwändigen Postproduktion befindet sich "Exit" des für seine "Tatorte" gelobten Regisseurs Sebastian Marka. Der in der Nahen Zukunft spielende und von Erol Yesilkaya geschriebene SWR-Thriller mit Friedrich Mücke wird Ende des Jahres in der ARD-Prime Time am Mittwoch gezeigt werden. Ein erster Trailer erlaubt einen Blick auf den gelungenen Look.

Ob 2020 noch ein Projekt gedreht werden wird, ist offen nach 2019, in dem "Rosa Kaninchen", "Berlin Alexanderplatz" und "Hallo Again" fürs Kino und "Zeit der Geheimnisse" und "Exit" fertig bzw. fast fertiggestellt wurden. Für 2021 steht der Dreh des Nachfolgeprojekts zu "In den Gängen" an, bei dem Stuber erneut mit Autor Clemens Meyer zusammenarbeiten wird nach dessen gleichnamigen Buch "Die stillen Trabanten". Das atmosphärische Drama ist wieder klassisches Arthousekino. Gedreht werden soll auch "Die erstaunlichen Abenteuer der Maulina Schmitt", ein Stoff fürs junge Kinopublikum. Das Drehbuch nach Finn-Ole Heinrichs drei teiligem Kinderbuch, zu dem der Autor gemeinsam mit seiner Frau Dita Zipfel und Lena Kammermeier das Drehbuch schrieb, ist für den Thomas-Strittmatter-Preis nominiert, der im Rahmen der Berlinale vergeben werden wird. Heldin ist ein Mädchen, das mit der Trennung der Eltern und einer schweren Erkrankung der Mutter fertig werden muss.

"Für uns ist es eine tolle Zeit, weil deutscher Content so gefragt ist, und in allen Bereichen ein hohes Qualitätsbewusstsein herrscht, und wir in der glücklichen Lage sind, über unser Netzwerk von Autoren und Partnern gemeinsam Stoffe zu entwickeln, die dem gerecht werden und mit denen wir unterschiedliche Kanäle bespielen können", so das Fazit des Produzenten-Duos, das im fünften Jahr seit Firmengründung auf ein achtköpfiges Team angewachsen ist, um all die Projekte in entsprechender Qualität umsetzen zu können. So verstärkt seit dem 10. Februar Moritz Herzogenberg das Team von Jochen Laube und Fabian Maubach bei der Sommerhaus Filmproduktion. Herzogenberg war bis vor kurzem bei Beta Film für die inhaltliche Seite verschiedener serieller Ko-Produktionen tätig, darunter "Babylon Berlin" und "M - Eine Stadt sucht einen Mörder".

Heike Angermaier