Produktion

Frauenanteil bei FFA-Produktionsförderung stark gesunken

Die FFA hat ihre Förderbilanz für 2019 vorgelegt: Auffällig ist dabei nicht zuletzt ein erheblicher Rückgang beim Anteil der Bewilligungen in der Produktionsförderung für Projekte von Regisseurinnen und Autorinnen. Positiver entwickelte sich das Bild aber bei den Produzentinnen und in der Drehbuchförderung.

18.02.2020 14:47 • von Marc Mensch
Der mit Abstand erfolgreichste FFA-geförderte Film des vergangenen Jahres war natürlich "Das perfekte Geheimnis" (Bild: Constantin)

In Sachen Genderverteilung konnte die FFA im vergangenen Jahr mit ihrem Rückblick auf das Förderjahr glänzen: Denn erstmals seit Beginn entsprechender Erhebungen überstieg 2018 der kumulierte Anteil der in der Produktionsförderung bewilligten Projekte mit weiblicher Regie (43 Prozent) bzw. gemischten Regieteams (acht Prozent) die 50-Prozent-Hürde. Ebenso erfreulich fiel das Bild mit Blick auf Autorinnen aus. Denn anteilig wurden ebenso viele Projekte mit Autoren wie Autorinnen (je 41 Prozent) gefördert, die restlichen acht Prozent waren Produktionen mit gemischten Teams in diesem Segment.

Damals lag die Bewilligungsquote für Projekte mit rein weiblicher Beteiligung bei den genannten Gewerken deutlich über der jeweiligen Einreichquote, genauer gesagt um elf bzw. sogar zwölf Prozentpunkte höher. Dieser Abstand hat sich im vergangenen Jahr nahezu nivelliert - obwohl man festhalten sollte, dass auch Differenzen von nur noch drei bzw. einem Prozentpunkt(en) bedeuten, dass Projekte mit Regisseurinnen und Autorinnen in der Produktionsförderung auch 2019 über das Einreichungsmaß hinaus zum Zuge kamen. Eine Benachteiligung entsprechender Einreichungen lässt sich der FFA somit keinesfalls nachsagen.

Ein wesentlicher Grund für den geschrumpften Frauenanteil in der Produktionsförderung ist schlicht bei den Einreichungen zu suchen: Nur noch 22 Prozent von diesen (zehn Prozentpunkte weniger als 2018) waren für Projekte mit einer Regisseurin (weitere drei Prozent entfielen auf gemischte Teams), derselbe Anteil entfiel auf Projekte mit einer Autorin (und weitere 13 Prozent auf gemischte Teams), was einem Rückgang um sieben Prozentpunkte entsprach.

Unter dem Strich entfielen im vergangenen Jahr nur noch 25 Prozent der Bewilligungen in der Produktionsförderung auf Projekte mit weiblicher Regie und 23 Prozent auf Projekte mit einer Autorin - was jeweils einen starken Rückgang um 18 Prozentpunkte bedeutete. Immerhin: In der Sparte Drehbuch kamen noch 13 Prozent für gemischte Teams hinzu, was exakt dem Anteil entsprechender Einreichungen entsprach.

Positiver entwickelte sich das Bild indes für Produzentinnen: Hier erhöhte sich die Einreichquote leicht von zwölf auf 13 Prozent, während die Bewilligungsquote überproportional stark von elf auf 18 Prozent kletterte. Zudem entfielen 28 Prozent der positiven Bescheide auf gemischte Teams (bei einer Einreichquote von 29 Prozent).

Nicht nur ausgeglichener, sondern sogar mit teils deutlichem weiblichem Vorsprung präsentiert sich die Bilanz der Drehbuchförderung. Denn während die Bewilligungsquote bei Drehbuchprojekten mit je 46 Prozent für Männer und Frauen komplett ausgeglichen ist, hatten Autorinnen bei der Drehbuchfortentwicklung mit 50 Prozent (bei 17 Prozent für gemischte Teams) und in der Drehbuchvorstufe sogar mit 67 Prozent deutlich die Nase vorne. In letzterem Segment entfielen sogar nur 17 Prozent der Förderungen auf Autoren. Anzumerken ist noch, dass die Bewilligungsquoten jeweils deutlich über den Einreichungsquoten lagen.

Damit zu einem Blick auf die grundlegende Förderbilanz:

Bei der Produktionsförderung sagte die FFA 2019 für 40 Projekte rund 15,7 Mio. Euro zu. Darunter sind 14 internationale Koproduktionen - fast doppelt so viele wie 2018. Die Entstehung von 38 Drehbüchern (inkl. Vorstufe und Fortentwicklung) förderte die FFA mit rund 1,1 Mio. Euro. Im Verleih und Vertrieb vergab die FFA Fördergelder und Medialeistungen in Höhe von insgesamt 12,4 Mio. Euro für 69 Filme.

In der Produktionsförderung wurde in sieben Fördersitzungen über insgesamt 112 Anträge beraten (elf mehr als im Vorjahr), die 40 geförderten Projekte (22 Spielfilme, acht Dokumentarfilme und zehn Kinderfilme) ergeben eine dem Vorjahresniveau entsprechende Förderquote von 36 Prozent.

Gestiegen sind die durchschnittlichen Herstellungskosten der 2019 in der Produktion geförderten Filme. Lagen sie 2017 bei 5,22 Mio. Euro und 2018 sogar bei nur 5,05 Mio. Euro, waren es zuletzt 5,30 Mio. Euro. Die FFA-Förderung stellte dabei im Schnitt 9,3 Prozent des Finanzierungsanteils. Förderung machte durchschnittlich 47,4 Prozent der Finanzierung von Kinofilmen aus, an denen die FFA beteiligt war.

Von den insgesamt 252 deutschen Kino-Erstaufführungen des vergangenen Jahres beteiligte sich die FFA mit Projektfilm- oder Verleihförderung an rund einem Fünftel. Produktions- und Drehbuchgeförderte Filme erreichten 70 Prozent und verleihgeförderte Filme 84 Prozent aller Besucher*innen deutscher Erstaufführungen. Insgesamt erhielten 41 Prozent aller deutschen Erstaufführungen 2019 FFA-Fördergelder. Diese Filme waren für 91 Prozent des Besucheraufkommens deutscher Erstaufführungen verantwortlich.

Eine Auffälligkeit bei den Projekten, die FFA-Verleihförderung erhielten: Der Eigenmittel-Anteil der Verleihunternehmen lag 2019 mit 69 Prozent fast fünf Prozentpunkte über jenem des Vorjahres, während der Anteil der Verleihförderungen der Länder und der BKM um rund vier Prozentpunkte auf 10,7 Prozent sank.

Deutlich gesunken sind die Rückzahlungen aus der Projektfilmförderung (von rund 2,56 Mio. Euro auf gut 1,22 Mio. Euro) und der Videoförderung (von 1,41 Mio. Euro auf gut 453.000 Euro), gestiegen sind hingegen die Tilgungen aus der Verleihförderung, die von knapp 2,21 Mio. Euro auf rund 2,64 Mio. Euro kletterten.

Noch ein Wort zur Kinoförderung: Hier wurde 2019 ein deutlicher Antragsrückgang (362 gegenüber 446 im Vorjahr) verzeichnet, bei einer Förderquote auf Vorjahresniveau von 92 Prozent sank auch die Zahl der Förderungen von 409 auf 333. Gestiegen sind allerdings die bewilligten Mittel - und das deutlich: Insgesamt sagte die FFA 2019 in der Kinoförderung 14,2 Mio. Euro zu; 3,7 Mio. Euro mehr als 2018.

Die komplette Förderbilanz finden Sie voraussichtlich ab 19. Februar auf www.ffa.de.