Kino

"Ungebrochene Stärke": UNIC zum europäischen Kinomarkt

Unmittelbar vor der Berlinale hat der Kino-Dachverband UNIC eine vorläufige Bilanz zur Besucher- und Umsatzentwicklung in den europäischen Märkten vorgelegt. Eine Bilanz, die sich sehen lassen kann.

17.02.2020 15:12 • von Marc Mensch
"Die Eiskönigin 2" verzauberte die Besucher in etlichen europäischen Märkten (Bild: Walt Disney)

Dass der europäische Kino-Dachverband UNIC in seiner Pressemitteilung ein wenig locker mit dem Wort "Rekord" umgeht, kann man sicherlich verzeihen. Schließlich geben die Zahlen der europäischen Kinomärkte aus dem vergangenen Jahr Anlass genug, im Vorfeld der Berlinale ein wenig gegen den Mythos vom verschwindenden Leinwanderlebnis anzukämpfen. Dem angepeilten Zeitraum der Veröffentlichung zum größten deutschen Festival ist es denn auch geschuldet, dass es sich nur um eine vorläufige Erhebung mit einigen Lücken handelt, die allerdings eindeutig genug ausfällt, um von einem insgesamt positiven Bild sprechen zu können.

So stiegen die Kinobesucherzahlen in Europa im vergangenen Jahr um rund 4,5 Prozent auf über 1,34 Mrd., was zwar nicht wirklich einen neuen Rekord bedeutet - aber doch immerhin eine Zahl, wie man sie seit den 1990er Jahren nicht mehr gesehen hat. Innerhalb der EU sei zum ersten Mal seit 2004 wieder die Marke von einer Milliarde verkaufter Kinotickets erreicht worden. Laut UNIC "außergewöhnliche Zahlen, die die ungebrochene Stärke und die Wandlungsfähigkeit" des Kinosektors illustrierten.

Den Schätzungen des Verbands zufolge wird sich der europaweite Umsatz auf rund 8,5 Mrd. Euro belaufen, nachdem 2018 rund acht Mrd. erreicht wurden. Auf die EU sollen dabei etwa 7,1 Mrd. Euro entfallen, nachdem es im Jahr zuvor rund 6,8 Mrd. Euro waren.

Im Vergleich der einzelnen Territorien hebt UNIC Russland, Frankreich und Großbritannien hervor. Russland erzielte demnach mit 216,3 Mio. Besuchern nicht nur einen neuen Bestwert, sondern die Marke von 200 Mio. Besuchern wurde zum dritten Mal in Folge übertroffen. Gegenüber 2007 habe sich die Zahl der verkauften Tickets geradezu verdoppelt. Frankreich schaffte ein sechsprozentiges Besucherwachstum und landete bei 213,3 Mio. verkaufter Tickets, dem zweitbesten seit 1966. Und Großbritannien musste gegenüber dem Vorjahr zwar um 0,5 Prozent bei den Besuchern und 1,9 Prozent bei den Umsätzen abgeben - allerdings beziehen sich diese Rückgänge auf ein herausragendes 2018.

Deutschland (siehe dazu auch die heute veröffentlichte FFA-Bilanz) konnte sich mit einem Besucherplus von 12,6 Prozent nach dem tiefen Fall in 2018 wieder nach oben arbeiten. Auch die 2018 ebenso gebeutelten Kinomärkte in Österreich und der Schweiz verzeichneten einen deutlichen Aufschwung - wobei auffällt, dass die österreichischen Kinos bei einem Plus von 9,9 Prozent mit 129,5 Mio. Euro Boxoffice praktisch auf dem Umsatzniveau von 2017 (130,2 Mio. Euro) abschließen konnten, bei den Besuchern aber deutlich hinter dem Wert dieses Jahres (13,7 Mio. vs. 14,5 Mio.) blieben. In der Schweiz wiederum konnten die Verluste des Vorjahres zwar auch teilweise wettgemacht werden (mit einem Plus von 6,3 Prozent bei den Besuchern und 7,9 Prozent beim Umsatz), allerdings nicht annähernd im selben Maße wie in Deutschland oder Österreich.

Der Durchschnittsbesuch pro Einwohner und Jahr fiel in der Schweiz und in Österreich übrigens nur minimal besser aus als in Deutschland: Rund 1,5 zu rund 1,4 lautete die Bilanz. Mit ihrem Wert lagen unsere Nachbarn genau im europäischen Schnitt. Die größte Kinobegeisterung war erneut in Irland (3,3) und Frankreich (3,2) zu verzeichnen, die schlechtesten Werte wurden für Albanien und Mazedonien erhoben (jeweils 0,2). Allerdings handelt es sich insbesondere bei Albanien um einen Wachstumsmarkt, in dem das mit Abstand höchste Besucherplus 2019 gemessen wurde: sagenhafte 69,9 Prozent, für die vor allem zwei lokale Hits verantwortlich zeichneten.

Zu den kompletten UNIC-Zahlen.