Produktion

Massiver Nachfrageschub für DFFF II

Der DFFF II hat seine Anlaufphase offenbar hinter sich gelassen: Nach extrem überschaubarem Rückgriff auf dieses Instrument in den Vorjahren wurden 2019 über 56 Mio. Euro bewilligt. Bewährt hat sich indes auch die Deckungsfähigkeit mit der Serienförderung des GMPF, deren Bewilligungen den reinen GMPF-Topf um mehr als zwölf Mio. Euro überstiegen.

14.02.2020 13:53 • von Marc Mensch
Gut zehn Mio. Euro flossen aus dem DFFF II an "3 Engel für Charlie", um Dreharbeiten nach Deutschland zu holen (Bild: Sony Pictures)

"Vom Ladenhüter zum Erfolgsmodell" könnte man die Bilanz für den DFFF II überschreiben. Denn wo die BKM die daraus erfolgten Förderungen im vergangenen Jahr überhaupt nur auf direkte Nachfrage kommunizierte und sie nicht gesondert auf der Website auswies (aus gutem Grund), hat man nun allen Anlass, stolz auf die Zahlen zu verweisen. Denn immerhin sieben internationalen Großprojekten wurde im vergangenen Jahr Förderung durch den 2017 eingeführten DFFF II zugesprochen, konkret "3 Engel für Charlie", Gunpowder Milkshake", Midway", "The King's Man" (in der Förderbilanz bis zuletzt noch unter dem Arbeitstitel The Outfit" gelistet), "The Rescue", Without Remorse" und vor allem Matrix 4", dem alleine 25 Mio. Euro (die Höchstfördersumme) zuflossen. Auffällig ist natürlich, dass Studio Babelsberg über seine Produktionstöchter hinter vier der sieben Förderungen steht, die restlichen drei Produktionsdienstleister, die den Filmen die DFFF-II-Unterstützung eröffneten, sind Pixomondo, Rise FX und Scanline VFX. Insgesamt belief sich die bewilligte Summe auf 56,1 Mio. Euro.

Ein wenig bedenklich stimmen könnte allenfalls, wie die BKM diese erfreuliche Entwicklung interpretiert. Denn davon, "wieder die erste Adresse für animations- und effektstarke Science-Fiction- und Fantasy-Produktionen aus Hollywood & Co." zu sein, wie es in deren Pressemitteilung heißt, ist der deutsche Filmstandort dann leider doch noch ein Stückchen entfernt. Und der internationale Wettbewerb dürfte nicht entspannter werden, sollte Großbritannien (wie dies so mancher Experte befürchtet) nach dem Ausscheiden aus der EU seine Förderung ohne deren Vorgaben weiter ausbauen und noch stärkere (steuerliche) Anreize setzen. In diesem Sinne: Zufrieden kann man sich mit den jüngsten Zahlen zeigen - aber das heißt nicht, dass nicht noch Optimierungspotenzial (insbesondere hinsichtlich der mit der Richtlinienanpassung zumindest schon einmal abgeflachten Einstiegshürden) bestünde.

Dass aus dem DFFF II im Endeffekt sogar über 68 Mio. Euro aus dem 75-Mio.-Euro-Topf abflossen, liegt natürlich an der Deckungsfähigkeit mit dem GMPF (der seit Herbst 2018 keine Kinofilme mehr fördert). Denn dieses Instrument war - wie dies seit seiner Einführung kontinuierlich der Fall war - überbucht. Und das diesmal sogar massiv: Denn bei einem nominellen Topf von 15 Mio. Euro pro Jahr wurden 2019 ganze 27,6 Mio. Euro an Fördermitteln bewilligt. Insgesamt konnten 17 Projekte, darunter neue Staffeln von Bad Banks", Dark" und Der Pass" oder Projekte wie "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo", "The Queen`s Gambit" oder Deutschland 89" unterstützt werden. Tatsächlich, so die BKM, sei die Nachfrage nach GMPF-Förderung im vergangenen Jahr so hoch gewesen "wie nie zuvor". Ein weiteres klares Indiz für den Serienboom in Deutschland.

Auf eine "stabile Antragslage" verweist die BKM beim DFFF I, bei dem die Bewilligungen in Höhe von insgesamt 51,8 Mio. Euro den "Grundtopf" von 50 Mio. Euro pro Jahr ihrerseits leicht überstiegen. Gefördert werden konnten über dieses Instrument insgesamt 97 Projekte, darunter 67 Spiel-, 24 Dokumentar- und sechs Animationsfilme. 33 der über den DFFF I unterstützten Film sind internationale Koproduktionen, darunter Stowaway" oder der Berlinale-Beitrag "Undine".

Unter dem Strich bilanziert die BKM eine noch nie dagewesene Nachfrage für die drei Anreizinstrumente. Die insgesamt 140 Mio. Euro, die im BKM-Haushalt 2019 für die wirtschaftliche Filmförderung zur Verfügung standen, seien nahezu vollständig ausgeschöpft worden. Und noch wichtiger: Die staatlichen Zuschüsse incentivierten rund das Fünffache an Investitionen durch deutsche und internationale Produktionsunternehmen am Standort Deutschland. Denn die insgesamt standen die 121 geförderten Projekte für hierzulande getätigte Folgeinvestitionen in Höhe von rund 715 Mio. Euro.

Dazu Kulturstaatsministerin Monika Grütters: "Die Filmförderung in Deutschland war finanziell und strategisch noch nie so gut aufgestellt wie heute. Gerade für den Standort Deutschland ist die Filmförderung ein bedeutender Wirtschaftsfaktor, denn jedes geförderte Projekt zieht Folgeinvestitionen in etwa fünffacher Höhe nach sich. Daher bleibt es das Ziel der Bundesregierung, die Attraktivität des Filmstandorts Deutschland zu verteidigen und zu steigern. Die großen Förderinstrumente wie der Deutsche Filmförderfonds (DFFF I und DFFF II) und der German Motion Picture Fund (GMPF) sind gut aufeinander abgestimmt - das bestätigt ihr Erfolg. Die Voraussetzungen für erfolgreiches Filmschaffen sind in unserem Land also sehr gut. Wir freuen uns, wenn sie für hochwertige Film- und Serienproduktionen aus aller Welt genutzt werden."

Die komplette Förderliste 2019 für den DFFF I finden Sie hier, jene für den DFFF II hier und die Liste für den GMPF hier.