Kino

KOMMENTAR: Ein Großer des Kinos, der uns fehlen wird...

Mit Joseph Vilsmaier hat das Kino einen großen Filmemacher und einen seiner engagiertesten Fürsprecher verloren. Von seiner leidenschaftlichen Begeisterung für die große Leinwand haben nicht nur Millionen Besucher seiner Filme profitiert, sondern auch die Branche, für die er beispiellose Ereignisfilme geschaffen hat. Halbe Sachen kannte Joseph Vilsmaier nicht.

12.02.2020 19:53 • von Jochen Müller
Ulrich Höcherl, Chefredakteur (Bild: Blickpunkt:Film)

Mit Joseph Vilsmaier hat das Kino einen großen Filmemacher und einen seiner engagiertesten Fürsprecher verloren. Von seiner leidenschaftlichen Begeisterung für die große Leinwand haben nicht nur Millionen Besucher seiner Filme profitiert, sondern auch die Branche, für die er beispiellose Ereignisfilme geschaffen hat. Halbe Sachen kannte Joseph Vilsmaier nicht. Für seine Ideen und Filmvorhaben hat er mit höchstem Einsatz gestritten und sich dabei durch kleinliche Einwände nie beirren lassen. Für die bayerischen und schnell auch für die Kinos im deutschsprachigen Raum hat er unvergessene Events geschaffen. Unvergessen ist auch die Zielstrebigkeit, mit der er seinen Filmen durch größtmöglichen persönlichen Einsatz zum Erfolg verholfen hat. Er ist sicher einer der ersten Filmemacher gewesen, die verstanden haben, dass deutsche Filme vor der Übermacht Hollywoods nur bestehen können, wenn die Zuschauer ein Event erwarten dürfen. Mit Herbstmilch" ist er dabei gleich noch der Erfinder der Kinotour gewesen. Mit dem Film tingelte er zum Start durch die bayerische Provinz und hat sich sein begeistertes Millionenpublikum fast im Alleingang gesucht. Mit den Comedian Harmonists" ist er dann schon durch ganz Deutschland gereist, um nicht so filmaffines Publikum für Kino zu begeistern. Keiner, der mitgefahren ist, möchte diese Reisen mit ihm missen. Jeder, der dabei war, erinnert sich noch an die glanzvolle Hochgebirgspremiere seiner Bestsellerverfilmung Schlafes Bruder" im extra dafür errichteten Freilichtkino.

Niemand vergisst die von seiner humorvollen, zutiefst bayerischen Seele durchtränkten Auftritte vor einem Kinobetreiberpublikum, wenn er mit überbordender Vorfreude von seinen neuen Projekten sprach. Von den Schrecken der jüngeren deutschen Geschichte zu erzählen, an die Ausgrenzung und Verfolgung der Juden zu erinnern, war ihm genauso wichtig, wie ein Loblied auf seine Heimat zu singen. Sein verschmitzter, warmherziger Humor hat ihn kleine Meisterstücke für die Ewigkeit wie "Die Geschichte vom Brandner Kaspar" für ein großes Publikum schaffen lassen. Dass wir uns auf seinen letzten Film, Der Boandlkramer und die ewige Liebe", noch freuen dürfen, weil er ihn kurz vor seinem Tod fast noch beenden konnte, ist ein Trost vor der traurigen Nachricht, das uns ein Filmemacher, für den Kino immer das Größte war, nicht mehr auf seine aufregenden und abenteuerlichen Touren entführen wird. Seine Leidenschaft, seine Begeisterung und sein Humor sind sein Vermächtnis, aber auch die Erkenntnis, dass Kino ein Erlebnis sein muss, das uns noch lange nach der Vorstellung begeistert. Joseph Vilsmaier wird nicht mehr im Hubschrauber auf Entdeckungsflug über Bayern kreisen, aber seine eigene Wolke ist ihmgewiss. Ein Mensch ist gegangen, der uns inspirieren und schmerzlich fehlen wird.

Ulrich Höcherl, Chefredakteur