Produktion

Sequel-Förderung im Visier der Koalition

Die Arbeitsgruppen Kultur und Medien der Bundestagsfraktionen von Union und SPD haben gemeinsame Eckpunkte zur Novellierung des Filmförderungsgesetzes vorgelegt - mit durchaus einschneidenden Forderungen, die beispielsweise die Förderung von Sequels durch die FFA erheblich einschränken würden.

12.02.2020 13:45 • von Marc Mensch
In wesentlichen Punkten wie Maßnahmen zur Verbesserung der Erlösstruktur der Produzenten setzt die Koalition noch auf eine Einigung innerhalb der Branche (Bild: Deutscher Bundestag/Simone M. Neumann)

Noch läuft das aktuelle Filmförderungsgesetz bis Ende kommenden Jahres, aber die Arbeit an seiner Novellierung steckt längst in der heißen Phase - und wird mit Sicherheit auch die eine oder andere Branchendebatte bei der Berlinale prägen. Zumal nun weiterer Gesprächsstoff in Form eines gemeinsamen Eckpunktepapiers der Arbeitsgruppen Kultur und Medien der Bundestagsfraktionen von CDU/CSU und SPD vorliegt. Ein Papier, das es an einigen Stellen durchaus in sich hat.

Das beginnt schon beim Thema der künftigen Finanzierung. Ziel der Vorschläge ist die Stabilisierung des Abgabeaufkommens für die FFA bei mindestens 50 Mio. Euro jährlich. Keine ganz triviale Aufgabe, wenn man die Evaluierungsstudie (wir berichteten) als Basis der Überlegungen nimmt.

So regt das Papier eine "gleichmäßige moderate Erhöhung der Abgaben aller Abgabepflichtigen" an, orientiert am Leitsatz der Kinoabgabe, deren Höchstsatz von drei auf 3,6 Prozent steigen solle. Gleichzeitig soll der Umfang der Befugnis der Fernsehsender, FFA-Beiträge in Medialeistungen zu erbringen, auf 25 Prozent der Abgabe beschränkt werden. Noch nicht als Forderung formuliert, aber immerhin als Punkt, den es mit der Branche zu diskutieren gebe: Eine Vergabe von Referenzmitteln nur noch zu 50 Prozent als Zuschuss - und ergo zu 50 Prozent als bedingt rückzahlbares Darlehen.

Letzteren Punkt gilt es auch mit Blick auf eine potenziell einschneidende Maßnahme im Hinterkopf zu behalten, die die Arbeitsgruppen zur Reduzierung der Ausgaben ins Feld führen: Sequels sollen demnach keine Projektförderung der FFA mehr erhalten, sondern nur noch Referenzförderung (die nach obigem Vorschlag noch geschwächt würde). Entlastet werden soll die FFA zudem um die Förderung des Kurzfilms, die komplett gestrichen werden soll. Aus dem Aufgabenkatalog des § 2 FFG solle zudem die Digitalisierung des Filmerbes gestrichen werden, auch wenn man sich grundsätzlich zu dieser bekenne.

In Sachen Förderung setzt das Papier zum einen auf eine Stärkung der Verleih- und Vertriebsförderung, zum anderen auf eine Förderung, die so zu gestalten sei, dass nicht länger jedes Projekt auch in die Produktion gehen müsse - oder wenigstens der "Point of no Return" so nach hinten verschoben würde, um Projekte überarbeiten (oder ggf. sogar streichen) zu können. Gleichzeitig sollen die Fördersummen "moderat" angehoben werden, was sich sowohl auf die Mindest- als auch die Höchstfördersummen bezieht. Und Referenzfilmförderung solle "effektiver" für neue Vorhaben verwendet werden.

Ein wesentliches Ziel der Fraktionen ist eine Verbesserung der Erlösstrukturen für Produzenten - wobei man gerade diesen Punkt noch einer Einigung der Branche anheimstellt. Sollten die Verbände von Verleihern und Produzenten sich nicht auf eine Lösung im Sinne dieses Ziels einigen können, solle eine von drei Maßnahmen zur Anwendung kommen: Entweder "eine gerechte Beteiligung des Herstellers und anderer an den Verwertungserlösen des Verleihs- und/oder Vertriebsunternehmens" oder die "Festlegung eines verbindlichen Korridors (in Höhe von fünf Prozent) an allen Verwertungserlösen des Verleihs und/oder Vertriebs zugunsten des Herstellers, alternativ als dritte Möglichkeit "gestaffelte Verleih- und Vertriebsprovisionen". Egal welche Maßnahme es am Ende sei, dürften die dadurch entstandenen Kosten nach Aussage des Papiers aber nicht auf die Filmmiete umgelegt werden. Ergänzend zu diesem (in der Branche höchst umstrittenen) Punkt sei auf die jüngsten offenen Briefe der Verleiher und der Produzenten verwiesen.

Die Fraktionen bekennen sich zu der in der letzten Novelle gestärkten (zweistufigen) Drehbuchförderung - wobei geprüft werden solle, ob die erste Stufe komplett von der BKM, die zweite Stufe dann von der FFA übernommen werden sollte. Grundsätzlich solle es für Autoren schon in der ersten Stufe "sachverständige Begleitung" geben, während man die Anzahl der Bewilligungen im Bereich der Drehbuchfortentwicklung erhöhen und auch eine Anhebung der Höchstgrenzen im Einzelfall sehen will.

Gestärkt werden soll auch die Förderung des Kinderfilms - namentlich in dem Sinne, Fördermittel für medienpädagogische Begleitung von Kindern und Jugendlichen bei Filmprogrammen im Kino zu erhöhen. Hierfür sollen auch Festivals und Verleiher Anträge stellen können.

Akzente setzt das Eckpunktepapier auch bei der Erreichung von mehr Geschlechtergerechtigkeit, Diversität und Inklusion in der Förderung der FFA. Zu den Forderungen zählen u.a. zusätzliche Referenzpunkte für Produktionen mit erheblichem weiblichem Anteil im Gesamtstab (ggf. anhand eines Punktesystems nach dem Vorbild des österreichischen Filminstitutes) sowie die Prüfung einer geschlechtergerechteren Besetzung des FFA-Präsidiums. Die gendergerechte Besetzung der Förderkommissionen habe sich jedenfalls bewährt. In den Aufgabenkatalog aus § 2 FFG solle als neuer Punkt 10 (bzw. 9, falls die Digitalisierung des Filmerbes gestrichen würde) das Hinwirken auf Belange der Diversität aufgenommen werden. Die Projektfilmförderung solle in angemessenem Umfang auch Filmvorhaben fördern, die Aspekte der Diversität sichtbarer machen, entsprechend solle dies auch zum Auswahlkriterium für die Vergabekommission werden. Last but not least solle auch das Abspielen barrierefreier Filmfassungen im Kino durch zusätzliche Referenzpunkt incentiviert werden.

Nachdem jüngst MFG und FFHSH bereits Zeichen im Sinne des ökologisch nachhaltigen Produzierens von Kinofilmen gesetzt haben, wollen die Fraktionen dieses auch über das FFG unterstützen. Wesentlich sei ein ganzheitlicher Ansatz, der sämtliche Förderinstrumente des Bundes umfasst - auch hier käme der FFA naturgemäß eine zentrale Rolle zu. Vorarbeiten der BKM und des Arbeitskreises "Green Shooting", die perspektivisch die Einführung verbindlicher Förderkriterien für ökologisch nachhaltiges Produzieren zum Ziel haben, müssten demnach schnellstmöglich umgesetzt werden.

Unter der Überschrift "Allgemeines" folgt am Ende des Papiers noch ein Punkt, den man durchaus als wesentlich erachten darf: die Frage der Sperrfristen. Am exklusiven Auswertungsfenster für Kinos hält die Koalition demnach fest, wörtlich heißt es dazu: "Die Koalition bekennt sich zum Kulturort Kino und seiner Bedeutung als gesellschaftlichem Begegnungsort und als zentralem Baustein der Verwertungskette von Kinofilmen." Am Auswertungsfenster festzuhalten, bedeutet indes nicht, es unangetastet zu lassen - erst recht nicht vor dem Hintergrund, dass sich in der Praxis zeige, dass für viele Filme auf unterschiedlichen Auswertungsstufen eine reguläre Verkürzung der Sperrfristen beantragt und bewilligt werde. Ergo wolle man mit der Branche diskutieren, "wie die Auswertungschancen eines Films bestmöglich genutzt werden können". Ins Feld geführt wird hier die Verkürzung des regulären "Kinofensters" von sechs auf fünf oder gar vier Monate sowie eine "Flexibilisierung" der Fristen in den weiteren Auswertungsstufen.

Verfasst wurde das Eckpunktepapier im Namen von MdB Yvonne Magwas (Berichterstatterin Film der CDU/CSU-Bundestagsfraktion), MdB Johannes Selle (Berichterstatter Film der CDU/CSU-Bundestagsfraktion) und MdB Martin Rabanus (Sprecher der Arbeitsgruppe Kultur und Medien der SPD-Bundestagsfraktion).