Kino

Trauer um Joseph Vilsmaier

Der Tod von Joseph Vilsmaier hat tiefe Bestürzung ausgelöst. Blickpunktfilm.de hat Reaktionen wie die von Michael Bully Herbig, FFF-Geschäftsführerin Dorothee Erpenstein und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder zusammengefasst. Sie werden laufend aktualisiert.

12.02.2020 11:15 • von Jochen Müller
Bully Herbigs bewegender Abschied von Sepp Vilsmaier auf Facebook (Bild: Facebook)

Michael Bully Herbig: "Joseph, mein lieber Freund, ich werde Dich so sehr vermissen! Dein mitreißendes Lachen, Dein herrliches Schimpfen, Deine einzigartigen Geschichten, Deine schier endlose Energie, Deine Spitzbübigkeit, Dein großes Herz, einfach Alles! Dieser Abschied tut unglaublich weh, Dein Bully."

Hape Kerkeling: "Lieber Sepp, wir vermissen dich als lieben Freund und aufrichtigen Menschen. Du fehlst uns als genialer Künstler und humoriger Querkopf Wir sind so dankbar, dass wir Teil deiner großen Familie sein durften. Mein Mann und ich sind sehr traurig."

Alfred Holighaus: "Am 24. Januar 2019 feierte Joseph Vilsmaier seinen 80. Geburtstag als Maskenball. Er kam als er selbst - und trug trotzdem ein Kostüm. Es war das Kostüm eines Zirkusdirektors. Sepp, wie wir ihn nannten, weil wir ihn so nennen durften, war ein Zirkusdirektor. Er liebte die Teamarbeit, weil er sein Team liebte. Und er liebte es, die Zügel in der Hand zu behalten, weil er es auch liebte, im Budget zu bleiben. Er war Kameramann, Regisseur und Produzent, weil er das alles konnte. Und er konnte wunderschön Klavier spielen. Fast wäre er, Ende der Fünfziger, Anfang der Sechziger statt bei der Bavaria auf dem Konservatorium gelandet. Aber der Weg zum Film war sein Weg. Lange Zeit als Kameramann, dann - mit fast 50 - als Regisseur: "Herbstmilch", ein Regiedebüt als Publikumshit. Knapp zehn Jahre später, bei seinem größten Erfolg "Comedian Harmonists" durfte ich von ersten bis zum letzten Tag mit ihm zusammenarbeiten und dabei erfahren, wie sehr Sepp seine geliebte Arbeit lebte. Wenn er auf ein Thema, eine Geschichte stieß und davon entflammt war, wurde er zum monomanischen Motor und Promoter eines Films, der dann garantiert entstand. Er blieb das, während der Film Gestalt annahm und noch lange darüber hinaus. Für Sepp Vilsmaier war mit dem Kinostart die Arbeit an einem Film noch lange nicht beendet. Legendär waren die Reisen mit Team durch die Republik. Als die Darsteller der "Comedian Harmonists" mit einem Tourbus von Kino zu Kino fuhren und vor der Leinwand die Hits des Sextetts mit Playback schmetterten, glich das - übrigens sowohl, was die Reaktionen des Publikums als auch, was die Geschehnisse im Bus und in den Hotelzimmern anbelangte - der Tournee einer Rockband. Da war - wie Sepp selbst gerne sagte - "der Zirkus Vilsmaier unterwegs". Sepp war ein Handwerker der Emotionalität. Er verwandelte beschriebenes Papier in echte Gefühle. Was er anpackte, wurde nicht geschüttelt, es wurde gerührt. Schön, dass er seinen letzten Film noch zu Ende bringen konnte. Aber für den geplanten Kinostart von "Der Boandlkramer und die ewige Liebe" mit Bully Herbig und Hape Kerkeling im Herbst wird der Zirkus ohne Direktor auf Reisen gehen müssen. Der ewige Münchner ist jetzt im Himmel. Vielleicht bei seiner viel zu früh verstorbenen Frau Dana Vavrova, der Mutter seiner Töchter Janina, Theresa und Josefina, bei denen unsere Gedanken jetzt sind. Servus, lieber Sepp!"

Eberhard Junkersdorf: "Ich bin Sepp Vilsmaier das erste Mal in der Bavaria begegnet, in einer kleinen Kantine in der Nähe des Mischstudios, in dem wir die Mischung des Films' "Die Blechtrommel" machten. Er fiel mir sofort auf durch seine klare bayerische Sprache, seine gewinnende offene Art, seine wunderbare Art zu lachen und seine immer dampfenden, gut riechenden Virginia Zigarillos. Über die Jahre haben wir uns besser kennen und schätzen gelernt. Er war ein wahrer Macher, im Privatleben und später auch in seiner großen beruflichen Karriere. Den Mut zu haben, seine spätere Frau aus der CSSR heimlich, aber stabsmässig, mit nur wenigen Mitwissern organisiert, nach Deutschland zu entführen, ist eine unglaubliche Geschichte. Diesen Mut, verbunden mit seinem großen Fachwissen, hat er später auch immer sehr erfolgreich für seine Filme eingesetzt. Wir haben uns in den letzten Jahren immer wechselseitig zu unseren runden Geburtstagen eingeladen, und er war immer eine Bereicherung als Gast. Ich bin sehr traurig... Adieu lieber Freund."

Franz Kraus, Aufsichtsratsmitglied und langjähriger Technikvorstand von Arri im Namen aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern: "Mit tiefer Bestürzung nehmen wir den Tod unseres Freundes Joseph Vilsmaier zur Kenntnis. Beginnend mit einer Lehre als Feinmechaniker verband ihn bis zu seinem letzten Film `Der Boandlkramer und die ewige Liebe` eine lebenslange, vertrauensvolle und sehr herzliche Beziehung zu Arri. Als Regisseur, Produzent und Kameramann berührte er viele Menschen mit Filmen wie `Herbstmilch` (1988), `Stalingrad` (1993), `Schlafes Bruder` (1995), `Comedian Harmonists` (1997), `Die Geschichte des Brandner Kaspar` (2008) und `Nanga Parbat`(2010). `Filmzeit ist Lebenszeit` war einer seiner Leitsätze, denen er 81 Jahre lang folgte. Joseph, wir werden Dich sehr vermissen."

BR-Intendant Ulrich Wilhelm: "Der Bayerische Rundfunk trauert um Joseph Vilsmaier, einen herausragenden Künstler, der es wie kein anderer verstand, den bayerischen Film in die Welt hinauszutragen. Seit fast 50 Jahren hat er mit seinen Werken die Filmlandschaft maßgeblich geprägt: als Kameramann, Regisseur und Produzent. Zu seinen großen Erfolgen gehören Filme wie 'Herbstmilch', 'Rama dama', 'Schlafes Bruder' und 'Comedian Harmonists', aber auch Dokumentarfilme wie 'Bavaria - Traumreise durch Bayern' und 'Bayern - Sagenhaft'. Die deutsche Filmwelt verliert mit Joseph Vilsmaier eine bedeutende Persönlichkeit. Unser ganzes Mitgefühl gilt seiner Familie und seinen Angehörigen."

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder: "Wir trauern um einen großen Filmemacher und ein Ausnahmetalent. Millionen Kino- und Fernsehzuschauer waren begeistert von seinen Regiearbeiten. Besonders beeindruckend war die neue Richtung, die er dem Heimatfilm gab, wie bei 'Herbstmilch' oder 'Schlafes Bruder'. Seine künstlerische Vielseitigkeit stellte er unter anderem mit den 'Comedian Harmonists', aber auch als Dokumentarfilmer wie bei 'Bavaria - Traumreise durch Bayern' unter Beweis. Der Freistaat Bayern wird Joseph Vilsmaier ein ehrendes Andenken bewahren."

Fred Kogel (CEO Leonine): "Joseph Vilsmaier war ein einzigartiger Geschichtenerzähler, der viele Menschen mit seinen Filmen berührt hat. Ob Kriegsfilm, Heimatfilm, Drama, Komödie oder Dokumentation, Joseph war in jedem Genre zu Hause. Er hat ein wirklich beeindruckendes Werk hinterlassen. Er gehört zu den profiliertesten Persönlichkeiten der deutschen Filmbranche und er liebte seine bayerische Heimat, die auch immer wieder Thema seiner Filme war - so auch bei unserer letzten Zusammenarbeit mit ihm, seinem letzten Film. Seine Freude am Filmemachen war ungebrochen und wir sind dankbar dafür, dass wir mit ihm zusammenarbeiten durften. Erst vor wenigen Wochen hat er uns bei der Vorstellung von 'Der Boandlkramer und die ewige Liebe' noch zum Lachen gebracht. Er wird uns und der Filmwelt fehlen. Unsere Gedanken sind bei seiner Familie."

FFF-Geschäftsführerin Dorothee Erpenstein: "Was für ein großer Verlust. Joseph Vilsmaier gehörte zu den ganz großen Filmemachern in Deutschland. Er hat bayerische Lebenskunst in seinen Filmen ausgedrückt und mit Kinofilmen wie 'Comedian Harmonists' und 'Marlene' Denkmäler gesetzt und Klassiker geschaffen. Joseph Vilsmaier war ein unverzichtbarer Teil der bayerischen Filmbranche, Vorbild und Ansprechpartner für viele junge Filmemacher/innen. Seine Filme bleiben, seine Präsenz wird uns fehlen. Wir sind tief betroffen von dieser traurigen Nachricht. Unsere Gedanken sind bei seinen Töchtern."

BR-Fernsehdirektor Reinhard Scolik: "Die Filme von Joseph Vilsmaier sind Höhepunkte im Programm des BR Fernsehens: unverwechselbar, unterhaltsam, engagiert und populär, wie er selbst es war. Mit tiefem Verständnis fürs Menschliche und für Menschlichkeit erzählte er in seinen Spiel- und Dokumentarfilmen besondere Geschichten aus seiner bayerischen Heimat. Daher haben wir uns mit großer Freude auch an seinem - leider letzten - Film 'Der Boandlkramer und die ewige Liebe' beteiligt. Joseph Vilsmaier hat den bayerischen Film geprägt und zu cineastischen Höhen geführt. Wir trauern sehr um ihn."

Kulturstaatsministerin Monika Grütters: "Mit Joseph Vilsmaier verliert die deutsche Film- und Fernsehlandschaft einen leidenschaftlichen Künstler und äußerst erfolgreichen Regisseur. Mit seinen deftig-sinnlichen, wirklichkeitsnahen Geschichten hat er sie alle gekriegt - die ganze Breite des Publikums hat er beeindruckt. Literaturverfilmungen wie 'Herbstmilch' und das mehrfach preisgekrönte Drama 'Comedian Harmonists' haben ein Millionenpublikum auch für komplexe, historische Themen begeistert. Er hatte einfach ein untrügliches Gespür für Bilder und für spannungsvolle Inszenierungen. Damit hat er Maßstäbe für das filmische Erzählen gesetzt. Mit diesem eindrucksvollen Vermächtnis wird Joseph Vilsmaier in unser aller Erinnerung bleiben."

Bettina Ricklefs, BR-Programmbereichsleiterin Spiel-Film-Serie / Carlos Gerstenhauer, Leitung Redaktion Kino und Debüt: "Mit großem Bedauern haben wir vom Tode des Filmemachers Joseph Vilsmaier erfahren. Gerade war er mitten in der Fertigstellung seiner aktuellen Produktion 'Der Boandlkramer und die ewige Liebe' und wir beide durften miterleben, wie viel Spaß er dabei hatte. Der Regisseur, Kameramann und Filmemacher gehört zu den profiliertesten Persönlichkeiten der bayerischen Filmbranche. Der 'Sepp' - wie ihn alle nannten - war ein leidenschaftlicher Cineast, der seine Filme mitnahm und stolz war, wenn er sie dem Publikum persönlich vorführen konnte. Dafür reiste er durch Bayern und nahm sein Ensemble mit. Seine Heimat war auch seine große Leidenschaft. Sie war das Thema vieler seiner Filme, ob 'Herbstmilch', 'Rama Dama' oder 'Die Geschichte vom Brandner Kasper'. Auch als Dokumentarfilmer hat er in 'Bayern - Sagenhaft' oder 'Bavaria - Traumreise durch Bayern' seine Heimat unverwechselbar zu porträtieren verstanden. Er war zudem auch ein politisch engagierter Mensch, dem die Frage der Menschwürde imm er ein besonderes Anliegen war. In 'Der letzte Zug', den er zusammen mit seiner Frau Dana Vávrová realisiert hat, erzählt Vilsmaier vom Nazi-Terror und dem Holocaust. In 'Leo und Claire' vom Kampf gegen die Rechtsbeugung in Deutschlands dunkelster Zeit. Großes Kino, welches sein Publikum findet - das war sein Anliegen. Wir verlieren mit ihm einen der liebenswürdigsten Charakterköpfe des Kinos. Unser herzlichstes Beileid gilt jetzt seinen Angehörigen, allen voran seinen Töchtern."

Bayerns Digitalministerin Judith Gerlach (via Twitter): "Wir trauern um Joseph Vilsmaier, Bayerns Universaltalent der Filmbranche und 7-facher Preisträger des Bayerischen Filmpreises. Er wurde nicht nur in Bayern, sondern auch weltweit geschätzt. Er wird fehlen."

Ilse Aigner, Präsidentin des Bayerischen Landtags (via Twitter): "Ein Abschied für immer: Mein lieber Freund Joseph Vilsmaier ist verstorben. Mein tiefes Mitgefühl gilt seinen Töchtern Janina, Theresa und Josefina. Er hat uns große Filme wie Herbstmilch' oder 'Schlafes Bruder' geschenkt. Sepp, du wirst uns sehr fehlen! Deine Ilse"

Kabarettistin Monika Gruber (via Facebook): "Lieber Sepp, nie wieder Dein verschmitztes Lachen zu hören, während Du an einem Deiner gstingerten Stumperl ziehst, ist eigentlich unvorstellbar. Und wir hatten noch so viel vor, weil Du immer viel vor hattest! Deine Begeisterung, Deine Gschichten, ... Du fehlst mir jetzt schon! Machs guad, mein Freund!"