Kino

Joseph Vilsmaier verstorben

Wenige Wochen nach seinem 81. Geburtstag ist der bayerische Erfolgsregisseur Joseph Vilsmaier verstorben.

12.02.2020 09:36 • von Jochen Müller
Im Alter von 81 Jahren verstorben: Joseph Vilsmaier (Bild: Kurt Krieger)

Der bayerische Erfolgsregisseur, Produzent und Kameramann Joseph Vilsmaier ist am gestrigen 11. Februar im Alter von 81 Jahren zuhause im Kreise seiner Töchter Janina, Theresa und Josefina friedlich verstorben. Das gaben seine Töchter heute bekannt. "Er konnte auf ein glückliches Leben und ein außergewöhnliches Lebenswerk zurückblicken. Auch sein großer Herzenswunsch, die Regie-Arbeit an seinem letzten Kinofilm Der Boandlkramer und die ewige Liebe" abzuschließen, ging in Erfüllung", heißt es in der Mitteilung.

Geboren wurde er am 24. Januar 1939 in München, wo er auch einen Großteil seiner Kindheit verbrachte. In den Fünfzigerjahren absolvierte er bei Arnold & Richter (ARRI) eine Ausbildung in der kameratechnischen Abteilung und studierte parallel am Münchner Konservatorium Klavier. 1961 erhielt er seine erste Anstellung bei Bavaria Film - zunächst als Kamera-Assistent.

Ab 1972 arbeitete er als selbstständiger Kameramann von TV-Filmen wie "Die Stunde des Löwen" (1982), Tatort: Doppelspiel" (1984) und Rosinenbomber" (1987).

Mit seiner 1988 gegründeten Produktionsfirma Perathon Film realisierte er schließlich seinen ersten Spielfilm als Regisseur - und landete damit auf Anhieb einen Riesenerfolg im deutschen Kino: Der niederbayrische Bilderbogen Herbstmilch", basierend auf den Erinnerungen der Bäuerin Anna Wimschneider, begeisterte über 2,2 Mio. Besucher und wurde mit zahlreichen Filmpreisen überschüttet.

Auch seine folgenden Regiearbeiten, wie die Trümmerfrauen-Liebesgeschichte Rama Dama" (1990), das authentisch dargestellte Anti-Kriegs-Epos Stalingrad" (1992) und die Erich-Kästner-Verfilmung Charlie & Louise - Das doppelte Lottchen" (1993), fanden großen Anklang und brachten Vilsmaier, der bei fast allen seinen Filmen neben der Regie weiterhin für die Kamera verantwortlich zeichnet, auch internationale Anerkennung. Hits wie Schlafes Bruder" (1995) und Comedian Harmonists" (1997) folgten. Marlene Dietrich setzte er ein umstrittenes Denkmal mit "Marlene" (2000) . In Leo und Claire" (2001) erzählte er eine auf Fakten basierende tragische Alltags- und Liebesgeschichte im Nürnberg der Nazizeit. Mit dem frei auf Stifters Erzählung basierendem Bergdrama Bergkristall" (2004) wandte sich Vilsmaier erneut dem Family Entertainment zu.

2005 verfilmte der Regisseur mit Der Weihnachtsbrei" eine stimmungsvolle Geschichte über Wichtel, die auf ihr Weihnachtsmahl verzichten müssen und sich mit einem Zauber an den Menschen rächen. In Zusammenarbeit mit seiner Frau und dem Produzenten Artur Brauner realisierte er ein Jahr später das Drama "Der letzte Zug" über die Deportation von Juden aus Berlin in das KZ Auschwitz 1943. Nach der Arbeit an zwei Fernsehkrimis, "Siska - Schatten einer Frau" und zwei Folgen von Der Alte", kehrte Vilsmaier 2007 mit Die Gustloff" wieder zu einem historischen Stoff zurück. Der Zweiteiler schildert den Untergang der Wilhelm Gustloff, an deren Bord sich 10.000 deutsche Flüchtlinge befanden, im Januar 1945. Mit einem Aufgebot von 400 Statisten wurde in Stralsund und auf Malta gedreht. 2008 folgte Die Geschichte vom Brandner Kaspar" mit Michael Bully Herbig in der Rolle des Boandlkramer und Franz Xaver Kroetz in der Rolle des Brandner Kaspar. 2009 realisierte Vilsmaier das Bergdrama Nanga Parbat", 2012 folgte der Dokumentarfilm Bavaria - Traumreise durch Bayern", in dem Vilsmaier seine Heimat aus der Vogelperspektive präsentierte. In einem weiteren Dokumentarfilm, Bayern - sagenhaft", war Vilsmaier 2017 einen humoristischen Blick auf die Bräuche seiner Heimat. Dazwischen hatte er fürs Fernsehen eine Neuverfilmung des Volksstücks Der Meineidbauer" inszeniert gehabt. Zuletzt arbeitete Vilsmaier an "Der Boandlkramer und die ewige Liebe", erneut mit Herbig in der Rolle des Boandlkramer und mit Hape Kerkeling als Teufel.

2009 hatte Joseph Vilsmaier beim Bayerischen Filmpreis den Ehrenpreis des Ministerpräsidenten verliehen bekommen. Zuvor war er 2006 zusammen mit seiner Frau Dana Vávrová für die Regie von "Der letzte Zug" beim Bayerischen Filmpreis mit dem Spezialpreis ausgezeichnet worden. Ebenfalls Bayerische Filmpreise erhielt er 1997 für die Regie von "Comedian Harmonists", 1995 für die Produktion von "Schlafes Bruder", 1992 für die Kamera und die Produktion von "Stalingrad" sowie 1990 für die Produktion von "Rama Dama".

2014 hatte Vilsmaier die Bayerische Verfassungsmedaille in Silber erhalten (wir berichteten).

Seit 1986 war Vilsmaier mit der tschechischen Schauspielerin Dana Vávrová verheiratet, die er in vielen seiner Filme inszeniert hatte. Vávrova war 2009 im Alter von nur 41 Jahren an den Folgen eines Krebsleidens verstorben.

Reaktionen auf den Tod von Joseph Vilsmaier