Kino

Gute Noten für deutsche Kinos

Einer Auswertung des Verbraucherportals testberichte.de zufolge schneiden die deutschen Kinos in der Meinung der Verbraucher überdurchschnittlich gut ab - besser als andere Freizeiteinrichtungen.

05.02.2020 15:39 • von Marc Mensch
Sieger bei den Google-Bewertungen ist Deutschlands kleinstes Kino: das Lodderbast in Hannover (Bild: Johannes Thomsen)

Als "Deutschlands umfangreichstes Kino-Ranking" bezeichnet das Verbraucherportal testberichte.de seine Auswertung der Nutzerbewertungen von rund 300 Kinos in 43 deutschen Städten. Ins Verhältnis gesetzt wurden dafür die sich aus über 340.000 Einzelbewertungen bei Google ergebenden Durchschnittswerte, wobei bei Gleichstand entsprechend der Anzahl der abgegebenen Einzelmeinungen sortiert wurde. Nach dem Motto: Je mehr Stimmen, desto mehr Gewicht haben die Resultate.

Die sich im Schnitt absolut sehen lassen können. Denn bei insgesamt 299 erfassten Standorten (darunter übrigens auch einzelne Open-Air-Kinos, kommunale Häuser und Unikinos) ergab sich ein Schnitt von 4,4 bei maximal möglichen fünf Punkten. Tatsächlich, so das von der Producto AG betriebene Portal, handele es sich bei diesem Wert um den höchsten, den man jemals im Rahmen eines selbst erstellten Rankings verzeichnet habe. Kinos - betrachtet wurden jene in Orten über 200.000 Einwohnern (bzw. zusätzlich auch jene in kleineren Landeshauptstädten), die über mindestens 100 Google-Bewertungen verfügten - schnitten damit besser ab als Freibäder, Freizeitparks, Thermen, Stadien, Weihnachtsmärkte oder Zoos. "Insgesamt sind die Deutschen mit ihren Kinos sehr zufrieden", so das Fazit der Auswertung.

Welches Haus schnitt aber nun am besten ab? Nun, diesbezüglich gilt offenbar die Devise "weniger ist mehr" (was vor allem für die Preise gilt, dazu gleich mehr). Denn das bestbewertete Kino ist Deutschlands kleinstes: das Lodderbast in Hannover, das auf gerade einmal 40 Quadratmetern 20 Besuchern Platz bietet. Alles andere als ein Nachteil, denn gerade das "Wohnzimmerflair" spornt zu Höchstwertungen an - wie auch das filmenthusiastische Betreiber-Paar. Luft nach oben ist dort nicht mehr viel, denn bei einer Durchschnittsbewertung von 4,9 scheint es nur noch wenig Raum für Verbesserungen zu geben. Zumal bei keiner einzigen der zuletzt 102 Google-Rezensionen ein Kritikpunkt zur Sprache kam. Selbst unter der einsamen Drei-Sterne-Bewertung findet sich als Kommentar nur ein "gut", der singuläre Ein-Sterne-Ausreißer kommt kommentarlos daher.

Silber geht im Ranking an das Hamburger Savoy, Bronze an das Clubkino Siegmar, jeweils mit einer Note von 4,8. Apropos Savoy: In den Top Ten ist es nicht das einzige Kino von Hans-Joachim Flebbe. Dort platzierten sich mit 4,7 Sternen auch sein Zoo Palast auf Rang acht und das Astor Grand Cinema in Hannover auf Platz sieben. Eine Tatsache, die von testberichte.de übrigens übersehen wurde - denn dort heißt es, dass sich kein einziges modernes Multiplex in den oberen Gefilden fände. Mit zehn Sälen und rund 2200 Sitzplätzen ist das Astor Grand Cinema selbstverständlich ein Multiplex. Zudem müssen sich beispielsweise auch das UCI Luxe Mercedes Platz (4,6), das Cinecitta (4,5), der Cineplex Filmpalast Köln (4,5) oder das Cineplex Cinespace (4,5) mit ihren Bewertungen auf keinen Fall verstecken.

Zutreffend ist aber durchaus, dass sich die Multiplexe der Ketten in der Mehrheit in der zweiten Hälfte des Rankings finden, wobei man anmerken darf, dass es mitunter umso schwieriger wird, in allerhöchste Wertungsregionen vorzudringen, je mehr Wertungen abgegeben werden. Beispielhaft sei eine Meinung zum Mathäser (4,3) zitiert, in der der Rezensent dem Kino an sich bescheinigt, gut zu sein - sich aber derart über die ökologisch verantwortungsvollere Alternative zu Plastikstrohhalmen mokiert, dass er nur einen Stern zückt... Was sich indes herauskristallisiert, ist keine Überraschung: Insbesondere hohe Preise für Snacks und Getränke drücken die Bewertungen in erheblichem Umfang. Auch die in Deutschland nach wie vor niedrige Online-Buchungsquote schlägt sich oftmals dort nieder, wo Besucher lange Schlangen an den Kassen zum Anlass für Abwertungen nehmen. Ob Vorverkaufsgebühren mit verantwortlich für ausbaufähige Online-Quoten sind? Zumindest kommen sie bei Beschwerden über Preise gerade bei den weniger gut bewerteten Standorten des Öfteren zur Sprache.

Noch ein Detail am Rande: Es entbehrt womöglich nicht einer gewissen Ironie, dass ausgerechnet das bestbewertete (und modernste, da neueste) CineStar-Haus dem Vernehmen nach zu jenen Standorten zählen soll, die im Zuge der Übernahme durch Vue ihres Verkaufs harren: das CineStar Augsburg.

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