Kino

Rekordjahr für FFF Bayern

In München hat der FilmFernsehfonds Bayern jetzt seine Förderbilanz für 2019 präsentiert. Neben einer neuen Rekordsumme an bewilligten Fördermitteln konnte Geschäftsführerin Dorothee Erpenstein noch eine weitere gute Nachricht verkünden: Denn seit 1. Januar hat der FFF einen neuen Gesellschafter.

29.01.2020 14:59 • von Jochen Müller
"Scheck is back": Florian David Fitz, Lena Schömann, Christine Rothe, Digitalministerin Judith Gerlach, Elyas M'Barek und Dorothee Erpenstein (Bild: Andreas Büttner)

"2019 war mit rund 43,5 Millionen Euro Filmförderung ein absolutes Rekordjahr. So viel Fördermittel gab es noch nie", erklärte Bayerns Digitalministerin und FFF-Bayern-Aufsichtsratsvorsitzende Judith Gerlach heute bei der Präsentation der FFF-Bayern-Jahresbilanz in München.

Eine weitere, besonders gute Nachricht: Seit 1. Januar kann der FFF auf noch breitere Branchenunterstützung bauen, denn mit Sky Deutschland hat sich ein neuer Gesellschafter angeschlossen.

Zur Auswahl der Projekte erklärte FFF-Geschäftsführerin Dorothee Erpenstein: "Projekte solide ausstatten und Qualität ermöglichen - das war und ist der Leitgedanke des FFF Bayern. Ein besonderes Augenmerk richtet die Förderung auf die Entwicklung der Geschichten. Sie sind ein entscheidendes Auswahlkriterium."

Mit knapp 26 Mio. Euro floss ein Großteil - knapp 62 Prozent - in die Förderung von 43 Kinofilmen, zu denen Dominik Grafs Fabian", Philipp Stölzls "Schachnovelle", Detlev Bucks Felix Krull", Laura Lackmanns Caveman", Joseph Vilsmaiers Der Boandlkramer und die ewige Liebe", Ed Herzogs Kaiserschmarrndrama", Hüseyin Tabaks Oskars Kleid", Gregor Schnitzlers Die Schule der magischen Tiere", Lea Schmidbauers Ostwind - Der große Orkan", Mike Marzuks Der junge Häuptling Winnetou", Sebastian Niemanns Hui Buh und das Hexenschloss", Katharina Marie Schuberts Das Mädchen mit den goldenen Händen" und Katja von Garniers Fly" gehören.

Besonders stolz zeigte man sich auch, dass die vier deutschen Besuchermillionäre des Jahres 2019, Das perfekte Geheimnis", Der Junge muss an die frische Luft", 100 Dinge" und Leberkäsjunkie" mithilfe von FFF-Förderungen entstanden waren - und natürlich auch über zahlreiche Auszeichnungen für FFF-geförderte Filme wie beispielsweise Florian Henckel von Donnersmarcks Werk ohne Autor", der den Produzentenpreis des Bayerischen Filmpreises gewonnen hatte und zweifach für einen Oscar nominiert war - in der damals noch "Bester nicht-englischsprachiger Film" titulierten Kategorie und in der Kategorie "Beste Kamera".

Als besonders publikumsträchtig erwies sich bekanntermaßen "Das perfekte Geheimnis" mit seinen mittlerweile über fünf Mio. Besuchern - und (nicht nur) aus Sicht eines Förderers gibt es wohl kaum einen klareren Beleg für wirtschaftlichen Erfolg als die Rückzahlung der gesamten Fördersumme, wie sie bei diesem Termin per symbolischer Scheckübergabe erfolgte.

Im Bereich Produktion förderte der FFF Bayern im vergangenen Jahr 15 Fernsehprojekte mit einer Gesamtsumme von knapp 4,7 Mio. Euro, darunter Miguel Alexandres Spy City", Jakob M Katakomben", die zweite Staffel von Der Pass" von Philipp Stennert und Cyrill Boss sowie Florian Gallenbergers Mehrteiler Der Überläufer" und Lars Kraumes Spielfilm Projekt X".

Mit 8,7 Mio. Euro wurden im Förderbereich Internationale Filme und Serien 2019 1,5 Mio. Euro mehr ausgeschüttet als im Jahr zuvor. Zu den geförderten Filmen gehören u.a. Joe Pennas Stowaway", Peter Thorwarth Transatlantic 473" und "Mia & Me - Der Film". Für Streamingplattformen entstehen mit FFF-Förderung Serien wie Philipp Kadelbachs Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" (Amazon Prime), Philip Kochs "Tribes of Europe", die dritte Staffel von Dark" und "Biohackers" von Christian Ditter und Tim Trachte (alle Netflix) sowie die Sky-Serie Souls" (Showrunner: Alex Eslam).

Im Jahresvergleich verdoppelt hat sich die Gesamtsumme in der Stoff- und Projektentwicklung. So förderte der FFF Bayern insgesamt 28 Stoffentwicklungen und dramaturgische Beratungen mit knapp 800.000 Euro; 2018 waren es 460.000 Euro für 17 Stoffentwicklungen gewesen. Dazu gehören neue Projekte von Ruth Toma, Eva Trobisch, Pauline Roenneberg, Teresa Hoerl, Silvia Wolkan, Jacqueline Jansen und Nicole Marischka. Erstmals förderte der FFF Bayern im vergangenen Jahr die Stoffentwicklung von Serien wie die sechsteilige Thrillerserie "Nomine Patris". Zum ersten großen Serienprojekt von Lieblingsfilm haben Angela Gilges und Christopher von Delhaes das Drehbuch geschrieben.

Im Bereich der Filmtheaterförderung konnte der FFF Bayern in diesem Jahr Fördermittel für Investitionsmaßnahmen in Höhe von 1,5 Mio. Euro zur Verfügung stellen; dreimal so viel wie im Vorjahr. Auch die Summe, die bei der Vergabe der Kinoprogrammprämien ausgeschüttet wurde, wurde erhöht - auf 415.000 Euro. 21 Filmfestivals in Bayern kamen 2019 in den Genuss von Fördermitteln in Höhe von 920.500 Euro.

Ihr zehnjähriges Bestehen feierte 2019 die Gamesförderung des FFF Bayern. Daher erhöhte Digitalministerin Judith Gerlach die Mittel einmalig um 500.000 Euro, so dass 2019 2,5 Mio. Euro an insgesamt

Gefördert wurden auch 17 Standortinitiativen mit insgesamt mehr als 180.000 Euro, darunter die Seriencamp Conference 2019, die Fortführung der Studio "Audiovisuelle Diversität" und das Mentoring-Programm "Into the Wild". Neben den seit Jahren etablierten Events organisierte der FFF Bayern im vergangenen Jahr zwei neue Fachveranstaltungen: Die Konferenz "Level Up: Film und Games", die sich mit Schnittstellen zwischen der Film- und Gamesproduktion beschäftige, und die Diskussionsveranstaltung "This actress does not exist", bei der es während des Filmfest München um die Frage ging, was aus der Kunstform Film wird, wenn die Schauspieler*innen nur noch im Computer existieren.

Insgesamt fanden 2019 3.967 Drehtage in Bayern statt, davon mehr als 1.800 allein in Oberbayern, gefolgt von Niederbayern, Schwaben und Mittelfranken.

2020 hat für FFF-geförderte Filme mit Auszeichnungen beim Filmfestival Max Ophüls Preis für "Regeln am Band, bei hoher Geschwindigkeit" von Yulia Lokshina als bester Dokumentarfilm sowie Lost in Face" von Valentin Riedl für die beste Filmmusik und mit dem Publikumspreis begonnen. Auf die Berlinale wurden fünf FFF-geförderte Produktionen eingeladen, allen voran Abel Ferraras Wettbewerbsbeitrag Siberia".

An Kinostarts FFF-geförderter Produktionen stehen in diesem Jahr Narziss und Goldmund", Wickie und die starken Männer - Das magische Schwert", "Ostwind - Der große Orkan", "Kaiserschmarrndrama", "Der Boandlkramer und die ewige Liebe", "Siberia", "Kill me today, tomorrow I'm sick", Nightlife", Die Känguru-Chroniken", "Die Schule der magischen Tiere", Enfant Terrible", Drachenreiter", Jim Knopf und die Wilde 13", "Gott, du kannst ein Arsch sein", "Caveman", "Fly", "Oskars Kleid", "Schachnovelle", der Dokumentarfilm Body of Truth" sowie die internationalen Koproduktionen Guns Akimbo" und Resistance" an.