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Locarno-Retrospektive erstmals einer Regisseurin gewidmet

Die Retrospektive des Filmfestivals von Locarno ist der Japanerin Kinuyo Tanaka gewidmet. Erstmals wird diese Ehre einer Regisseurin und Schauspielerin zuteil. Leiterin Lili Hinstin feiert die Entscheidung als Zeichen des gesellschaftlichen Wandels.

24.01.2020 10:38 • von
Das Poster-Motiv der aktuellen Ausgabe des Filmfestivals von Locarno (Bild: Locarno Film Festival)

Die Retrospektive des Locarno Filmfestivals ist erstmals einer Regisseurin und Schauspielerin gewidmet, nämlich der Japanerin Kinuyo Tanaka. Das gab das Festival am Donnerstag im Rahmen der Solothurner Filmtage bekannt. Sie sei eines der "bestgehüteten Geheimnisse" in der Geschichte des japanischen Kinos. Außerdem präsentierte die 73. Ausgabe des Festivals sein offizielles Poster und begann seine neue Zusammenarbeit mit Swiss Film.

Tanaka lebte von 1909 bis 1977. Das Festival zeigt ihr Gesamtwerk als Regisseurin und eine Auswahl der über 250 Filme, an denen sie als Darstellerin mitgewirkt hat. Ihr Schaffen umspannt mehr als 50 Jahre japanische Geschichte. Sie habe "mit den Großmeistern des Goldenen Zeitalters im japanischen Kino zusammengearbeitet und selbst den neuen Blick einer weiblichen Cineastin eingebracht".

Die künstlerische Leiterin des Festivals, Lili Hinstin, erklärte: "Zum ersten Mal in 73 Jahren widmet das Festival seine Retrospektive der Arbeit einer Regisseurin. Das ist zweifellos ein Zeichen dafür, dass sich in den letzten zwei Jahren viel im kollektiven Bewusstsein getan hat." Die Frage von der Teilhabe von Frauen sei inzwischen ein wirtschaftlicher und kultureller Wert.

Das Festival freut sich, erstmals auch die Swiss Films Previews stattfinden zu lassen. Während der Tage von Locarno Pro, die vom 6. bis 11. August sind, wird Swiss Films den Vertretern der internationalen und schweizerischen Filmindustrie eine Auswahl von Schweizer work-in-progress vorstellen.

Das neue Poster des Festivals hat das Studio Jannuzzi und Smith entworfen. Protagonist sind in diesem Jahr die Worte. Der Schöpfer des Bildes, Michele Jannuzzi, erläuterte das Konzept: "Jeder Film enthält Worte, die nur für wenige Sekunden existieren. Die Summe dieser Worte stellt einen einzigartigen Code dar, der die Identität des jeweiligen Werks ausmacht. Von 1946 bis heute hat auch das Locarno Film Festival ein eigenes riesiges Wörterbuch in mehreren Sprachen erstellt."

Das Filmfestival von Locarno findet vom 5. bis 15. August statt.